Ich kam von der Arbeit nach Hause, es war etwa sieben Uhr. Ich wusch mir die Hände und ging in die Küche. Meine Mutter war im Zimmer. Auf dem Tisch standen einige seltsame Behälter.
Ich fragte Mama, was das für Behälter seien, ich kenne Mamas Geschirr und Küchenutensilien. Vielleicht hatte sie neue gekauft? Mama sagte, die Behälter gehörten einer Nachbarin, die ein Stockwerk höher wohnt. Sie ist vor kurzem in unser Haus gezogen und hat Mama kennengelernt – sie wurden Freunde.
Mama sagte, wir sollten gehen und sie nach oben tragen. Zuerst verstand ich nicht, warum das Geschirr von jemandem in Mamas Küche stand, aber dann begann Mama zu erzählen, wie sie diese Nachbarin kennengelernt hatte: “Mir war langweilig und ich beschloss, ein bisschen herumzulaufen, dann setzte ich mich auf eine Bank, um mich auszuruhen, du weißt ja, dass ich nicht lange auf den Beinen bleiben kann”. So habe ich sie kennengelernt. Sie lud mich ein, mich zu ihr zu setzen, und gab mir ein Leckerli.” Meine Mutter erinnerte mich daran, die Behälter zurückzubringen, zehn Minuten später stand ich schon vor der Tür meiner Nachbarin.
Ich grüßte sie: “Mama ist sehr dankbar, ich bringe die Behälter zurück”. – sagte ich und nahm die Tüte mit den Behältern heraus. Meine Mutter steckte auch ein paar Süßigkeiten in die Tüte, als Zeichen ihrer Dankbarkeit. Sie sah mich an und sagte, ich solle ihr “Danke” sagen, weil sie Mama regelmäßig füttere. Ich war überrascht, denn unser Kühlschrank ist immer voll. Sie schaute mich verächtlich an und schlug mir die Tür vor der Nase zu.
Ich kam nach Hause und erzählte meiner Mutter, dass die Nachbarin mir vorgeworfen hatte, ich würde mich nicht um meine Mutter kümmern. Ich hatte mehrmals vorgeschlagen, eine Pflegekraft einzustellen, aber meine Mutter hatte das abgelehnt.
Ich erklärte ihr, dass die Pflegekraft den ganzen Tag bei ihr sein und sich um sie kümmern würde. Sie kann nicht mehr allein gelassen werden. Und ich kann nicht von der Arbeit weggehen und bei meiner Mutter sitzen. Plötzlich sagte meine Mutter etwas, das mir die Tränen in die Augen trieb: “Du gehst nur lieber arbeiten, damit du nicht mit mir zu Hause bleiben musst”. Mit so einer Antwort hatte ich nicht gerechnet. Meine Nachbarn haben mir oft vorgeworfen, dass ich mich nicht um meine alte Mutter kümmere. Ich verstehe das nicht: Wenn ich mit ihr zu Hause bleibe, wer wird uns dann ernähren? Ein Nachbar?