Undankbarer Sohn ist schlimmer als ein Fremder (einfache Geschichte)

Hey, ich muss dir unbedingt die Geschichte von meiner Oma Gisela Schulz erzählen die alte Dame, die jetzt 84Jahre alt ist. Sie sitzt jeden Morgen an der Bushaltestelle vor ihrem Haus und hat keinen Schimmer, wohin sie jetzt gehen soll. Auf der Bank liegen ihr Stoffbeutel und ein kleiner Krambeutel, in denen fast all ihre Sachen zusammengepackt sind.

Hast du Ritas Ranzen rausgeworfen und dich nicht gescheut, ihr zu sagen geh du, Oma, hier raus, lass uns in Ruhe! hört man manchmal noch von ihr, weil Rita, die neue Mitbewohnerin, sie ziemlich aus dem Häuschen wirft.

Erst vor drei Jahren lebten sie zu fünft gemütlich in einer kleinen DreiZimmerWohnung: Gisela, ihre Tochter Hannelore, ihr Sohn Lukas mit seiner Frau Sabine und ihr Enkeljunge Felix.

Dann kam plötzlich diese neue Buchhalterin Rita aus der Stadt in unser Dorf. Niemand weiß, warum sie hierhergezogen ist. Sie bekam ein Zimmer im Wohnheim, fand schnell einen Job also, was wollte man mehr? Aber Rita hatte andere Pläne. Sie schaute den Männern hinterher und setzte ihr Herz auf Lukas, obwohl er verheiratet war. Man sagt ja: Eine Ehefrau ist kein Schutzwall.

Im April kam Lukas von der Arbeit nach Hause, packte seine Sachen und verließ die Wohnung. Beim Abschied sagte er noch:

Erst mit fünfundvierzig habe ich begreifen können, was echtes Leben und Liebe bedeutet!

Sabine schwieg dazu, wartete, bis Felix die Abschlussprüfungen an der Schule geschafft hatte, und dann packte sie ebenfalls. Sie sagte:

Wir fahren in die Stadt, Felix muss zur Uni, wir wohnen im alten Haus meiner Eltern. Das steht seit drei Jahren leer, aber wir renovieren es. Wenn wir nicht weiterkommen, hilft der Bruder. Und ich finde schnell einen Job an der Schule.

In zwei Tagen war alles gepackt, ihr Bruder brachte die Kisten in einen kleinen Transporter, und sie fuhr los. Felix umarmte die Urgroßmutter zum Abschied fest:

Mach dir keine Sorgen, Oma, ich komme dich besuchen.

Er kam tatsächlich noch zweimal, solange Hannelore noch lebte. Nachdem Hannelore gestorben war, zogen Lukas und Rita wieder in die Wohnung ein, und Felix tauchte nie mehr auf.

Das Leben wurde für Gisela immer miserabler. Rita setzte ihre eigenen Regeln durch. Zuerst noch schüchtern, rief sie Gisela zum Tisch und fütterte sie mit dem, was sie und Lukas selbst gekocht hatten. Dann befahl sie ihr, das Zimmer nicht zu verlassen:

Ich habe genug Krümel von dir in der Küche, ich räume lieber einmal pro Woche dein Zimmer, als hier dreimal täglich den Boden zu wischen.

Seitdem kochte Rita für die Oma nur noch Brei Hafer, Gerste oder Hirse und Gisela schlürfte ihn morgens, mittags und abends, immer mit leerem Tee.

Kürzlich meinte Rita, ihr Sohn käme in einer Woche. Sie überlegte, wo man ihn nach seiner Zeit in der Jugendstrafanstalt unterbringen könnte. Am nächsten Morgen schickte sie Gisela zur Altenpflege:

Hier ist die Adresse des Seniorenheims fahr hin und danke, dass du mich nicht einfach auf die Straße geworfen hast.

Sie drückte Gisela ein Blatt mit der Adresse in die Hand und schlug die Tür hinter ihr zu.

Gisela wankte zur Bushaltestelle, konnte die Adresse nicht entziffern, sah einen jungen Mann stehen und sagte:

Junge, kannst du die Adresse lesen und mir sagen, welchen Bus ich nehme?

Der junge Mann schaute sie verwundert an:

Wohin wollen Sie denn, Oma Gisela? Da ist Felix, er sucht Sie. Ich rufe ihn sofort.

Fünf Minuten später stand Felix da. Er erzählte, dass Sabines ehemalige Nachbarin angerufen hatte und ihr mitgeteilt hatte, dass Rita die Oma ins Pflegeheim schicken will. Die Nachbarin hatte vorher im Altenheim gearbeitet, also kannte sie die Adresse. Sabine bat Felix, schnell zurück ins Dorf zu fahren und die Urgroßmutter zu holen.

Felix packte Giselas Sachen und sagte:

Ich bring dich, Oma, wie eine Königin, mit dem Taxi in die Stadt. Mama hat schon ein Zimmer für dich vorbereitet. Und im Garten blühen jetzt die Apfelbäume ein echtes Märchen!

Als Rita und Lukas merkten, dass Felix die Oma in die Stadt brachte, freuten sie sich zuerst. Doch beim Durchsehen der Unterlagen stellte sich heraus, dass Gisela von Anfang an die Eigentümerin der Wohnung war. Ihr verstorbener Mann hatte nur ein lebenslanges Wohnrecht. Also mussten Rita und Lukas wieder ins Wohnheim zurückziehen.

Gisela verkaufte die Wohnung, bekam das Geld und gab es ihrem Urenkel Felix, damit er in der Stadt ein Zuhause kaufen kann. Die Preise im Kreise Münster sind natürlich hoch, also konnte er nur eine Einzimmerwohnung in einem Neubau leisten aber sie ist geräumig. Er plant jetzt zu heiraten, und damit hat die junge Familie endlich ein Dach über dem Kopf.

Ganz schön verrückte Geschichte, oder? Ich dachte, du würdest das gern hören. Bis bald!

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: