Schwanziger KumpelGemeinsam erkundeten sie den verwunschenen Wald, wo jeder Schritt ein neues Abenteuer versprach.

Liebes Tagebuch,

heute war ich wieder allein hinter dem Steuer meines Sattelschwerlasters, dem König der Autobahnen. Die Kollegen meiden mich fast wie den letzten Rest Kaffee in der Kantine sie schätzen meine Zuverlässigkeit, aber meine Gesellschaft sei nichts für sie. Ich bin ein erfahrener Fahrer, ein gut organisierter Arbeiter, doch nie ein geselliger Geselle. Deshalb hat mich keiner als Partner gewählt; das hat mich nicht gestört. Manchmal nannte man mich sogar Miesepeter, weil ich selten lachte und noch seltener gesprächig war.

Der heutige Auftrag versprach nichts Außergewöhnliches: eine bekannte Route, eine gewöhnliche Ladung leere Holzkisten nach Leipzig. Ich fuhr, blickte immer wieder zur Straße und dachte an die nächsten Kilometer.

Am Straßenrand, fast verborgen im hohen Gras, bewegte etwas. Ich wollte nur weiterfahren, doch ein seltsames Ziehen im Herzen ließ mich anhalten. Dort, halb verkrallt in der Erde, lag ein riesiger, gestreifter Kater, der schwach zischte, als wolle er sein Leben verkaufen. Man sagt ja, Katzen haben neun Leben; offenbar hatte er schon mehrere verloren. Er war schmutzig, blutete an seiner Pfote und keuchte.

Wie bist du denn hier gelandet, du alter Kater? fragte ich, während ich mich über ihn beugte.

Er knurrte nur und fauchte, als wolle er sagen: Keine Hilfe, fahr weiter!

Ich musste an den alten Hauskater meiner Großmutter denken, mit dem ich als kleiner Friedel einst die Wärme des alten Holzofens teilte. Damals war das Schnurren ein Schutzschild gegen die kalte Winternacht. Jetzt war weder Katze noch Großmutter mehr da, nur die Erinnerung blieb.

Ich bin kein Tierarzt, aber das lässt sich nicht ignorieren, sagte ich zu mir selbst. Es gibt hier keine Unterkunft, also bringe ich dich erst einmal ins Krankenhaus. Vorsichtig hob ich den erschöpften Kater, legte ihn hinten auf die Ladefläche und ließ ihn sich ein wenig beruhigen.

Ich bog von der Autobahn ab, fuhr in das kleine Städtchen Kleinstadt, wo ich die örtliche Tierklinik aufsuchte. Die Ärztin, Frau Dr. Schneider, nahm uns sofort entgegen, obwohl die Warteliste voll war. Sie prüfte den Kater, desinfizierte die Wunde und legte einen leichten Gips an.

Da haben wir Glück, Herr Müller, sagte sie. Jetzt wird er bald wieder auf die Pfoten kommen. Ich protestierte: Ich habe doch einen Auftrag, ich muss weiter. Sie schmunzelte: Keine Sorge, wir finden keinen Platz im Tierheim, aber er ist nicht mehr nur ein Kätzchen, er ist schon erwachsen.

Der Kater sah mich mit seinen grünen Augen an, als verstehe er meine Zerrissenheit. Ich fühlte plötzlich ein seltsames Schuldgefühl warum sollte ich ihn jetzt hier lassen?

Ich verließ die Klinik und hörte zwei ältere Damen am Wartebereich reden. Die eine, Heike, klagte: Meine Tochter Lena kam wieder zu mir, weil ihr Mann sie nicht mehr erträgt. Die andere, Gertrud, antwortete mitleidend: Armer Mensch, das ist echt ein Unglück. Der Mann ist ein Rüpel, sagt man, er schlägt sogar. Heike fügte hinzu: Kein Wunder, dass sie nicht zur Arbeit geht er macht ihr das Leben zur Hölle. Ich hörte zu, ohne wirklich in ihr Schicksal einzutauchen; schließlich hat jeder seine eigenen Lasten.

Ich verließ die Praxis mit dem halb schlaffen Kater im Schlepptau, setzte mich wieder ans Steuer und fuhr weiter. Nach ein paar Kilometern sah ich am Straßenrand zwei Gestalten: eine verzweifelte Mutter, die wild mit den Armen winkte, und ein kleines Mädchen, das ängstlich an ihrer Hand zog.

Entschuldigung, ich nehme keine Mitfahrer!, rief ich, weil ich immer noch meine Regel befolgte, keinem Fremden zu helfen. Plötzlich ein Miau von hinten.

Bist du wach? fragte ich, als ich das Geräusch hörte. Der Kater schnurrte: Miau. Ich erkannte, dass er etwas wollte. Ich ließ das Fahrzeug anhalten und nahm den Kater vom Sitz, er hob sofort den Schwanz, als hätte er mir die Situation bestätigt.

Wohin willst ihr denn? fragte ich, als die beiden Frauen auf mich zuliefen. Die Mutter keuchte, zog das Mädchen hinter sich her, und flehte: Bitte, wir sind nur dreißig Kilometer von hier entfernt. Wir haben keinen Zug mehr, unser Zug hat Verspätung. Das Mädchen sah mit tränengefüllten Augen zu mir, als würde sie jeden Moment zusammenbrechen.

Ich bin kein Taxifahrer, ich bin Fernfahrer!, sagte ich und wies sie auf die nächste Bushaltestelle. Wir haben nur einen Auftrag, wir können nicht

Sie bat weiter: Wir bitten dich, wir beten für dich, wir werden Gott danken!

Der Kater, immer noch bei mir, stupste das Mädchen an und schnurrte. Sie streichelte ihn und lächelte. Ich überlegte kurz, dann sagte ich: Okay, ich bringe euch ein Stück, aber ihr müsst den Kater behalten. Die Frau, die sich als Helga vorstellte, nickte dankbar: Ich arbeite in einer Tierarztpraxis, ich kümmere mich gern um Tiere. Sie erzählte, dass ihre Tante in der Nachbarstadt wohnt, aber sie wisse nicht, wo das Kind unterkommen könnte.

Ich schaute das Mädchen an: Wie heißt du? Sie flüsterte: Veronika. Ihre Mutter sagte: Ich heiße Helga, das ist meine Tochter Veronika. Ich fragte: Kann deine Tante den Kater aufnehmen? Helga seufzte: Kein Telefon, mein Mann ist krank. Ich reichte ihr mein Handy, doch das Gespräch drehte sich nur um den Mann, das Verschwinden und den Kater.

Veronika klammerte sich an den Kater, während Helga weinte. Ich war hin- und hergerissen das Herz schmerzte, denn ich hatte selbst einst eine Frau und Kinder versprochen, die nie kamen. Ich konnte den Kater nicht einfach zurücklassen, also nahm ich die beiden mit zum Zielort, ließ den kleinen Kater im Auto zurück, wo er zufrieden schnurrte.

Nach der Ankunft bei Helgas Tante waren die Wege klar: Veronika wollte den Kater behalten, aber die Tante sagte, es gäbe keinen Platz für ihn. Der Kater blieb bei mir. Ich fuhr weiter, das Bild der kleinen Veronika und ihrer weinenden Mutter brannte sich in mein Gedächtnis ein.

Später, als ich auf der Autobahn fuhr, hörte ich ein lautes Krachen. Am Straßenrand stand ein Wagen, zwei Männer stritten, einer zog eine Pistole. Plötzlich flog ein Projektil vorbei, und der Kater sprang wie ein wütender Tiger auf den Angreifer, kratzte ihm das Gesicht. Ich griff nach der Waffe, richtete sie auf den zweiten Mann und rief: Hände hoch!

Die beiden Gauner wurden innerhalb von zwanzig Minuten gestellt, die Polizei teilte mir mit, dass sie schon öfter in Schlägereien verwickelt waren. Der Beamte fuhr mich an: Sie haben einen tapferen Tiergefährten, das nennt man Heldentum. Ich lächelte nur müde: Ich bin kein Held, ich habe nur mein Kerlchen dabei.

Die Geschichte meines Kater-Abenteuers verbreitete sich im Internet, und plötzlich schwenkten Leute beim Vorbeifahren den Kopf, winkten und dankten. Es fühlte sich an, als würde ein dicker Eisschichtschmelz über meinem Inneren schmelzen, und ich atmete leichter.

Drei Wochen später kam ich zurück nach Kleinstadt, um den Gips des Katers zu entfernen. Dr. Schneider öffnete die Tür, sah mich an und sagte: Ihr habt mich im Traum besucht. Ich grinste: Vielleicht war das ein gutes Omen. Sie fragte nach Veronika, und ich nickte: Sie heißt jetzt Veronika, und sie hat mich nie vergessen. Ich fügte hinzu: Ich würde gern für euch da sein. Ihr Blick wurde groß, und unser Kater, jetzt völlig erholt, fauchte leise.

Ein Monat später heirateten Helga und ich nun heißt sie endlich Helene und wir zogen nach Berlin, wo ich als Fahrer für einen medizinischen Transportdienst arbeite. Der Kater, den ich Klaus nannte, lebt mit uns, bewacht Veronika, die jetzt in der Schule ist, und legt sich abends auf das weiche Sofa, während ich über die langen Strecken nachdenke.

Die Romantik der Fernfahrt bleibt, doch ohne einen treuen Begleiter wäre sie nur ein leerer Weg. Ich bin dankbar, dass solche klugen Katzen die Menschen an den rechten Platz führen.

Bis morgen,
Friedrich Müller.

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