– Nein. Wir haben entschieden, dass du deine Frau und dein Kind nicht in diese Wohnung bringen solltest. Wir können die Unannehmlichkeiten nicht länger ertragen und werden euch schließlich bitten auszuziehen. – Und deine Frau wird dann allen erzählen, dass wir dich mit deinem kleinen Kind auf die Straße gesetzt haben.

Nein, wir haben beschlossen, dass du deine Frau und das Kind nicht in diese Wohnung bringen solltest. Wir können die Unannehmlichkeiten nicht lange ertragen und werden euch schließlich auffordern auszuziehen.
Und deine Frau wird dann allen erzählen, dass wir euch mit dem Kleinen auf die Straße gesetzt haben. Das schadet unserem Ruf, das will ich nicht.

Nach dem Gespräch bemerkte die Nachbarin im Flur sofort, dass Heike nach Hause gekommen war und traurig wirkte. Beide waren erst vor drei Tagen Mütter geworden und sollten übermorgen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ein Grund zum Feiern! Kein Grund zum Traurigsein.

Heike, du siehst ganz platt aus was ist passiert? fragte die Nachbarin.

Niklas meinte, die Vermieterin hat uns sofort ausziehen lassen. Sie hat die Wohnung an ein kinderloses Paar vergeben und wir wollen jetzt ein Baby einziehen. Dann würden nachts alle weinen, die Nachbarn würden sich beschweren das will sie nicht.

Und wo sollt ihr jetzt hin?

Niklas Eltern haben eine Dreizimmerwohnung, aber dort wohnt noch seine jüngere Schwester Lena. Meine Eltern leben in einem Dorf, etwa zwanzig Kilometer außerhalb von Berlin.

Dann wohnt ihr erst mal ein oder zwei Wochen bei den Schwiegereltern, bis ihr eine neue Wohnung findet, schlug die Frau vor.

Niklas hat schon gesucht, aber sobald die Vermieter von einem Kleinkind erfahren, lehnen sie sofort ab.

Ja, das ist ein Problem. Aber noch zwei Tage, dann wird dein Mann schon eine Lösung finden.

Niklas fand jedoch nichts. Er rief bei mehreren Wohnungsanzeigen an, bekam nur Absagen und schleppte schließlich nur das ganze Zeug von der gemieteten Wohnung zu den Eltern.

Doch die Eltern und Lena waren alles andere als begeistert, dass die Familie Niklas und noch dazu mit einem unruhigen Neugeborenen bei ihnen einziehen sollte.

Niklas, erinnerst du dich, wir haben vor der Hochzeit vereinbart, dass du und deine Frau nicht bei uns wohnen, sagte die Mutter. Du darfst dein Zimmer nutzen, aber fremde Personen wollen wir hier nicht.

Heike ist für dich die Frau, für uns aber eine Fremde. Du hast sie gewählt, wir nicht.

Mama, das ist nur vorübergehend, bis wir etwas Passendes finden, versuchte Niklas zu vermitteln.

Du weißt, dass nichts dauerhafter ist als das Wort vorübergehend. Erst kommt ein Sitzungswoche, dann ein Monat, dann wirds ewig.

Nein, wir arbeiten beide, Lena studiert. Wir wollen alle mal richtig entspannen. Mit einem Kleinen in der Wohnung geht das nicht: kein lautes Reden, kein Fernsehen, nachts ständig wach sein vom Schreien.

Wir geben unser Bestes, schneller was zu finden, versprach Niklas.

Nein. Wir haben beschlossen, dass du deine Frau und das Kind nicht in diese Wohnung bringst. Wir können die Belastung nicht lange hinnehmen und werden euch auffordern auszuziehen.

Und deine Frau wird allen erzählen, wir hätten euch mit dem Kleinen rausgeworfen. Das schadet uns, ich will nicht, dass schlecht über uns geredet wird. Also bring Heike und das Kind nicht hierher. Find eine andere Lösung.

Mit diesen Neuigkeiten kam Niklas ins Krankenhaus.

Heike, willst du nicht erst bei deinen Eltern mit dem Kind wohnen? fragte er.

Interessiert deine Mutter nicht, ihren Enkel zu sehen? erwiderte Heike überrascht.

Ich weiß nicht, meine Mutter hat gesagt, wir sollen nicht zu ihnen kommen, sagte Niklas.

Super, das passt! Andere Frauen kommen mit Kindern, werden von Verwandten empfangen Blumen, Geschenke, Freude. Und wir? Wie Obdachlose, die niemand sehen will.

Heike rief am Abend ihre Eltern an. Am Tag, an dem sie mit dem Sohn aus dem Krankenhaus entlassen wurden, kam ihr Vater ebenfalls vorbei.

Packs, Tochter, wir fahren nach Hause. Und du, Niklas, bring bitte alle Sachen von Heike und das Baby-Equipment.

Sie kamen nach etwa dreißig Minuten im Dorf an. Alles war schon für das Kind bereit: ein kleines Kinderbett mit Decken, darauf Bären und HasenMotive, ein Kommode für die Kleider und ein bequemer Stillstuhl.

Im Wohnzimmer stand ein festlich gedeckter Tisch für das Mittagessen. Keine fremden Gesichter, nur Heikes Eltern, ihre Oma und ihre jüngere Schwester Lena.

Bei den Schwiegereltern wurde nicht über die Familie von Niklas gesprochen, aber sie diskutierten lebhaft, wie sie den Jungen nennen sollen. Sie entschieden sich für den Namen Lukas.

Niklas fuhr nach dem Essen sofort zurück in die Stadt und versprach, am nächsten Tag die restlichen Sachen zu holen.

Als er zurückkam, erwarteten ihn gute Nachrichten.

Heike, Niklas, sagte Heikes Vater, als die ganze Familie am Tisch saß. Wir haben mit deiner Mutter überlegt und beschlossen, das Haus der Großmutter zu verkaufen. Das Geld geben wir euch.

Wir machen das als Geschenk von unserer Familie an Heike. Aber die Bedingung ist, dass das Haus, in dem wir jetzt wohnen, per Testament an Lena geht. Heike, bist du einverstanden?

Natürlich, einverstanden.

Dann gebe ich morgen die Anzeige für den Verkauf auf.

Der Verkauf dauerte nur drei Monate. In der Zwischenzeit lebten Heike und Lukas im Dorf, Niklas in der Stadt in der Wohnung seiner Eltern, kam aber jedes Wochenende zu seiner Frau und dem Kleinen.

Ein anderthalb Monate später war die neue Wohnung gefunden, die Finanzierung geklärt und der Renovierungsplan fertig.

Endlich zogen Heike, Niklas und der kleine Lukas in ihre eigene Wohnung ein. Fast einen Monat richteten sie alles ein, dann feierten sie Einzugsparty.

Sie luden Heikes Eltern, ihre Freundinnen und Niklas Freunde ein aber seine Eltern waren nicht dabei. Sie hatten zufällig erst erfahren, dass ihr Sohn ein eigenes Heim gekauft hatte.

Als er seine Sachen einräumte, dachte seine Mutter, sie würden nur in die nächste Mietwohnung umziehen.

Na, Sohn, du hast die Landleute zur Einweihung eingeladen, aber uns nicht gesagt, dass du jetzt eine eigene Wohnung hast? Du hättest uns einladen können!

Wir haben das Baby noch nie gesehen. Ihr seid nicht gerade familiär, ihr.

Und meine Frau und das Neugeborene nicht zu uns zu lassen ist das etwa familiär? fragte er.

Aber ich habe dir doch alles erklärt wir sind alte Menschen, wir brauchen Ruhe, sagte die Mutter. Können wir jetzt überhaupt Besuch empfangen?

Wozu? Schließlich ist Lukas unser Enkel.

Mutter, unser Sohn ist bald ein halbes Jahr alt, aber warum willst du ihn erst jetzt sehen? Seltsam, nicht?

Nichts Seltsames. Wenn er klein war, gab es nichts zu sehen alle Babys sehen gleich aus.

Ich glaube, der Grund liegt woanders. Ihr habt Angst, dass ich meine Familie in eure Wohnung bringe und ihr eure Mauern wie eine Bastion verteidigt.

Und solange Heike bei ihren Eltern mit Lukas wohnte, habt ihr euch nicht darum bemüht, den Enkel kennenzulernen. Jetzt, wo wir eine eigene Wohnung haben, wollt ihr uns plötzlich besuchen. Tut mir leid, aber wir sind noch nicht bereit, euch zu sehen.

Also seid ihr beleidigt? fragte die Mutter. Ich wollte eigentlich deine Frau und das Kind den ganzen Sommer über auf unserem Schrebergarten wohnen lassen.

Warum plötzlich? fragte der Sohn überrascht.

Das Kind braucht frische Luft. In der Stadt ist es im Mai schon heiß, im Sommer noch schlimmer.

Dann könnte deine Frau den ganzen Sommer allein auf dem Schrebergarten wohnen, wir kommen nur am Wochenende.

Ich habe im Oktober Urlaub, mein Mann im November. Wir nehmen kein Geld von euch, Heike pflanzt im Gemüsebeet, sammelt Gurken, damit sie nicht überwuchern das wars.

Alles klar, Mama! Ihr braucht für den Sommer nur eine Arbeitskraft auf dem Schrebergarten. Nein, macht es selbst. Und wenn wir Lukas an die frische Luft bringen wollen, fährt Heike mit ihm zu ihren Eltern.

Zum ersten Mal sahen die Mutter und die Schwester von Niklas Lukas, als er zweieinhalb Jahre alt war zufällig im Einkaufszentrum, wo sie Heike erblickten. Sie schauten aus der Ferne, traten aber nicht näher.

So kann es manchmal mit Omas und Müttern sein!

Schreib mir in die Kommentare, was du darüber denkst, und gib einen Like, wenn dir die Geschichte gefallen hat.

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