Er war erst 16, als er sie mit nach Hause brachte… Das Mädchen, das schon lange sichtlich schwanger war, und ein Jahr älter als er.
Sophie ging in dieselbe Berufsschule wie er, nur in einem anderen Jahr. Ein paar Tage lang hat Lukas zugesehen, wie das unbekannte Mädchen sich in die Ecke drückt und leise weint. Ihm ist der runde Bauch nicht entgangen, die gleichen Klamotten, die sie schon seit zwei Wochen trug, und dieser leere, hoffnungslose Blick.
Wie sich rausstellte, kannte fast jeder ihre Geschichte… Der Enkel von einem bekannten Geschäftsmann aus München war mit ihr zusammen, und dann ist er einfach abgehauen, ist wegen einer dringenden Sache nach Hamburg gefahren. Seine Eltern wollten nichts von ihr hören. Haben es ihr klar gesagt. Und ihre eigenen Eltern, als wären sie im Mittelalter, aus Angst vor der Schande, haben sie aus dem Haus geworfen und sind aufs Land gefahren. Die einen hatten Mitleid mit Sophie, die anderen haben hinter ihrem Rücken über sie gelästert.
Sie ist selber schuld. Hätte mit dem Kopf denken müssen!
Lukas konnte das nicht mehr mit ansehen. Er hat überlegt und ist zu ihr gegangen. Wird nicht leicht, hör auf zu schluchzen. Ich schlage vor, du ziehst bei mir ein, wir können sogar heiraten. Aber ich sag gleich ich kann nicht lügen und werde nicht so tun, als ob alles super ist. Ich bin einfach für dich da und verspreche, dass wir es schaffen.
Sophie hat sich die Tränen abgewischt und den Jungen angeschaut. Was soll man da sagen… Ein ganz normaler Typ, ohne viel Drumherum. Und sie hat von einem ganz anderen Mann geträumt! Aber in ihrer Situation gab’s keine Wahl, und Sophie ist mit ihm gegangen.
Die Eltern waren total schockiert, die Mama hat Lukas angefleht, sich zu besinnen, aber er war stur. Mama, mach kein Drama, es wird schon. Ich hab zwei Stipendien, ein normales und ein soziales. Ich verdiene noch was dazu, wir schaffen das! Aber du wolltest doch studieren! Na und? Wir leben irgendwie. Papa arbeitet sein ganzes Leben in der Fabrik, du im Laden. Leute ohne Studium kommen auch klar. Mama, das ist nicht das Ende der Welt!
Sophie ist in Lukas’ Zimmer gezogen. Er hat ihr sein Bett überlassen und ist selbst auf das unbequeme Schlafsofa umgezogen. Ein paar Tage war sie sehr still. Wie ein Schatten ist sie mit ihm Hand in Hand zur Schule und nach Hause gegangen, bis sie endlich explodiert ist. Ich hab die Schnauze voll! Warum gucken deine Eltern mich so schief an? Ich gefalle ihnen nicht! Und warum verbringst du keine Zeit mit mir? Du hockst in den Büchern oder verschwindest irgendwo!
Lukas war überrascht. Und du denkst nicht, dass das normal ist? Na ja, sie mögen dich nicht, aber sie haben dich aufgenommen und nerven dich nicht. Schief gucken? Deine eigenen wollen dich nicht mal sehen. Und die Eltern vom Vater deines Kindes? Wo sind die? Ich hocke in den Büchern, weil ich lerne und nicht nach dem ersten Jahr rausfliegen will. Und das Stipendium brauch ich auch. Verschwinde ich? Weil ich noch arbeite und keine Lust habe, mir kitschige Serien anzugucken.
Sophie hat angefangen zu weinen. Warum sagst du das? Wie? Ich hab dir gesagt, dass ich nicht lügen kann. Und überhaupt, wann gehen wir zum Standesamt? Ich kann nicht so hingehen, kauf mir ein schönes Kleid, mit hohem Bund, damit man den Bauch nicht sieht. Was soll das? Wir bringen eine Schwangerschaftsbescheinigung mit, was für ein Kleid? Ich muss noch für den Kinderwagen und das Bettchen sparen…
Mama hat nach Baldrian gegriffen, aber hat sich langsam mit der Situation abgefunden und hat öfter auf Babyklamotten geschaut. Na ja, es passiert ja nichts Schlimmes… Lasst sie leben, lasst sie heiraten, und wir mit Papa helfen, so gut es geht. Nur das Mädchen ist irgendwie undankbar, immer unzufrieden mit Lukas, mit ihnen, mit der kleinen Wohnung. Vielleicht ändert sie sich, wenn sie das Kind bekommt.
Aber Sophie hatte nicht vor, sich zu ändern. Als Lukas schmutzig und müde von der Autowäscherei kam und eine abgemagerte Katze ins Zimmer brachte, ist sie ausgerastet. Du Idiot! Wozu brauchen wir diese zerlumpte Katze? Schmeiß sie raus! Wirf sie aus der Wohnung!
Aber Lukas hat nur gelächelt. Nein, sie ist schwanger. Sie bleibt, also fang gar nicht an. Mach lieber den Mund zu und wärm mir das Essen auf. Ach so?! Sophie hat fast gequiekt. Entscheide dich! Entweder sie oder ich! Dieses Vieh guckt mich auch schief an! Wieso? Lukas hat sie ungläubig angeschaut. Das ist mein Zuhause und ich muss nicht wählen. Das ist meine Katze und wenn es dich stört, kannst du gehen. Sogar Mama hat mir keine solchen Bedingungen gemacht. Vielleicht wird’s Zeit, nicht mehr auf alle herabzuschauen?
Sophie ist hysterisch geworden, hat geweint, war eifersüchtig auf diese dünne, vernachlässigte Katze. Woher hat Lukas bloß den Bauch bei ihr gesehen? Aber der Bauch kam die Katze war wirklich schwanger.
Der Junge war müde, aber wenn ihn das Mitleid überkam, hat er diese Gedanken verdrängt. Irgendwie schaffen sie es. Sophie bekommt das Baby, beruhigt sich, und vorher amüsiert die Katze sie alle. Die flauschigen Kätzchen bringen alle in bessere Laune.
Aber alles lief anders… Der Großvater, ein bekannter Unternehmer in München, ist von einer langen Geschäftsreise zurückgekommen und hat alles erfahren. Er hat seinen Enkel gefunden, hat ihm die Leviten gelesen und angekündigt, dass er ihn vom Geld abschneidet, wenn der Urenkel in einer fremden Familie aufwächst. Und der Junge hatte große Angst, diese Geldquelle zu verlieren.
Sophie ist noch am selben Tag mit ihm weggefahren, ohne sich von Lukas zu verabschieden. Glücklicherweise hatte sie die Papiere dabei (sie wollte nach dem Unterricht zum Arzt). Auf ihre Sachen hat sie gepfiffen die kaufen ihr neue! Und in diese billige Berufsschule kommt sie auch nicht mehr zurück!
Lukas war total am Boden zerstört… Wie das? Sie hat sich nicht mal verabschiedet, nicht angerufen, kein Wort gesagt. Er hat all ihre Sachen rausgeworfen und saß lange allein im Dunkeln, seine Katze im Arm.
Die Katze hat alles verstanden. Sie hat sich leise an ihn gekuschelt, hat gespürt, dass sie gebraucht wird. Hat mitgefühlt, geschnurrt, getröstet.
Lukas hat bei ihr selbst die Geburt übernommen, hat die aufgeregte Mama und den verwirrten Papa nicht an die Katze gelassen. Er hat bei ihr gesessen, sanft mit ihr gesprochen, sie beruhigt. Er hat aufgepasst, dass alles gut geht, und das Telefon bereitgehalten, um im Notfall den Tierarzt anzurufen.
Alles ist gut gegangen, die Katze hat vier kleine Kätzchen bekommen. Lukas hat das Unterfutter gewechselt, frisches Wasser und Futter gebracht. Noch mal hat er geschaut, ob alles in Ordnung ist, und erschöpft die Augen zugemacht. Er hat gespürt, wie das kleinste Kätzchen sich in seine Hand kuschelt, und gedacht, dass Tiere manchmal mehr Dankbarkeit zeigen als Menschen.Er war erst 16, als er sie mit nach Hause brachte… Das Mädchen, das schon lange sichtlich schwanger war, und ein Jahr älter als er.
Sophie ging in dieselbe Berufsschule wie er, nur in einem anderen Jahr. Ein paar Tage lang hat Lukas zugesehen, wie das unbekannte Mädchen sich in die Ecke drückt und leise weint. Ihm ist der runde Bauch nicht entgangen, die gleichen Klamotten, die sie schon seit zwei Wochen trug, und dieser leere, hoffnungslose Blick.
Wie sich rausstellte, kannte fast jeder ihre Geschichte… Der Enkel von einem bekannten Geschäftsmann aus München war mit ihr zusammen, und dann ist er einfach abgehauen, ist wegen einer dringenden Sache nach Hamburg gefahren. Seine Eltern wollten nichts von ihr hören. Haben es ihr klar gesagt. Und ihre eigenen Eltern, als wären sie im Mittelalter, aus Angst vor der Schande, haben sie aus dem Haus geworfen und sind aufs Land gefahren. Die einen hatten Mitleid mit Sophie, die anderen haben hinter ihrem Rücken über sie gelästert.
Sie ist selber schuld. Hätte mit dem Kopf denken müssen!
Lukas konnte das nicht mehr mit ansehen. Er hat überlegt und ist zu ihr gegangen. Wird nicht leicht, hör auf zu schluchzen. Ich schlage vor, du ziehst bei mir ein, wir können sogar heiraten. Aber ich sag gleich ich kann nicht lügen und werde nicht so tun, als ob alles super ist. Ich bin einfach für dich da und verspreche, dass wir es schaffen.
Sophie hat sich die Tränen abgewischt und den Jungen angeschaut. Was soll man da sagen… Ein ganz normaler Typ, ohne viel Drumherum. Und sie hat von einem ganz anderen Mann geträumt! Aber in ihrer Situation gab’s keine Wahl, und Sophie ist mit ihm gegangen.
Die Eltern waren total schockiert, die Mama hat Lukas angefleht, sich zu besinnen, aber er war stur. Mama, mach kein Drama, es wird schon. Ich hab zwei Stipendien, ein normales und ein soziales. Ich verdiene noch was dazu, wir schaffen das! Aber du wolltest doch studieren! Na und? Wir leben irgendwie. Papa arbeitet sein ganzes Leben in der Fabrik, du im Laden. Leute ohne Studium kommen auch klar. Mama, das ist nicht das Ende der Welt!
Sophie ist in Lukas’ Zimmer gezogen. Er hat ihr sein Bett überlassen und ist selbst auf das unbequeme Schlafsofa umgezogen. Ein paar Tage war sie sehr still. Wie ein Schatten ist sie mit ihm Hand in Hand zur Schule und nach Hause gegangen, bis sie endlich explodiert ist. Ich hab die Schnauze voll! Warum gucken deine Eltern mich so schief an? Ich gefalle ihnen nicht! Und warum verbringst du keine Zeit mit mir? Du hockst in den Büchern oder verschwindest irgendwo!
Lukas war überrascht. Und du denkst nicht, dass das normal ist? Na ja, sie mögen dich nicht, aber sie haben dich aufgenommen und nerven dich nicht. Schief gucken? Deine eigenen wollen dich nicht mal sehen. Und die Eltern vom Vater deines Kindes? Wo sind die? Ich hocke in den Büchern, weil ich lerne und nicht nach dem ersten Jahr rausfliegen will. Und das Stipendium brauch ich auch. Verschwinde ich? Weil ich noch arbeite und keine Lust habe, mir kitschige Serien anzugucken.
Sophie hat angefangen zu weinen. Warum sagst du das? Wie? Ich hab dir gesagt, dass ich nicht lügen kann. Und überhaupt, wann gehen wir zum Standesamt? Ich kann nicht so hingehen, kauf mir ein schönes Kleid, mit hohem Bund, damit man den Bauch nicht sieht. Was soll das? Wir bringen eine Schwangerschaftsbescheinigung mit, was für ein Kleid? Ich muss noch für den Kinderwagen und das Bettchen sparen…
Mama hat nach Baldrian gegriffen, aber hat sich langsam mit der Situation abgefunden und hat öfter auf Babyklamotten geschaut. Na ja, es passiert ja nichts Schlimmes… Lasst sie leben, lasst sie heiraten, und wir mit Papa helfen, so gut es geht. Nur das Mädchen ist irgendwie undankbar, immer unzufrieden mit Lukas, mit ihnen, mit der kleinen Wohnung. Vielleicht ändert sie sich, wenn sie das Kind bekommt.
Aber Sophie hatte nicht vor, sich zu ändern. Als Lukas schmutzig und müde von der Autowäscherei kam und eine abgemagerte Katze ins Zimmer brachte, ist sie ausgerastet. Du Idiot! Wozu brauchen wir diese zerlumpte Katze? Schmeiß sie raus! Wirf sie aus der Wohnung!
Aber Lukas hat nur gelächelt. Nein, sie ist schwanger. Sie bleibt, also fang gar nicht an. Mach lieber den Mund zu und wärm mir das Essen auf. Ach so?! Sophie hat fast gequiekt. Entscheide dich! Entweder sie oder ich! Dieses Vieh guckt mich auch schief an! Wieso? Lukas hat sie ungläubig angeschaut. Das ist mein Zuhause und ich muss nicht wählen. Das ist meine Katze und wenn es dich stört, kannst du gehen. Sogar Mama hat mir keine solchen Bedingungen gemacht. Vielleicht wird’s Zeit, nicht mehr auf alle herabzuschauen?
Sophie ist hysterisch geworden, hat geweint, war eifersüchtig auf diese dünne, vernachlässigte Katze. Woher hat Lukas bloß den Bauch bei ihr gesehen? Aber der Bauch kam die Katze war wirklich schwanger.
Der Junge war müde, aber wenn ihn das Mitleid überkam, hat er diese Gedanken verdrängt. Irgendwie schaffen sie es. Sophie bekommt das Baby, beruhigt sich, und vorher amüsiert die Katze sie alle. Die flauschigen Kätzchen bringen alle in bessere Laune.
Aber alles lief anders… Der Großvater, ein bekannter Unternehmer in München, ist von einer langen Geschäftsreise zurückgekommen und hat alles erfahren. Er hat seinen Enkel gefunden, hat ihm die Leviten gelesen und angekündigt, dass er ihn vom Geld abschneidet, wenn der Urenkel in einer fremden Familie aufwächst. Und der Junge hatte große Angst, diese Geldquelle zu verlieren.
Sophie ist noch am selben Tag mit ihm weggefahren, ohne sich von Lukas zu verabschieden. Glücklicherweise hatte sie die Papiere dabei (sie wollte nach dem Unterricht zum Arzt). Auf ihre Sachen hat sie gepfiffen die kaufen ihr neue! Und in diese billige Berufsschule kommt sie auch nicht mehr zurück!
Lukas war total am Boden zerstört… Wie das? Sie hat sich nicht mal verabschiedet, nicht angerufen, kein Wort gesagt. Er hat all ihre Sachen rausgeworfen und saß lange allein im Dunkeln, seine Katze im Arm.
Die Katze hat alles verstanden. Sie hat sich leise an ihn gekuschelt, hat gespürt, dass sie gebraucht wird. Hat mitgefühlt, geschnurrt, getröstet.
Lukas hat bei ihr selbst die Geburt übernommen, hat die aufgeregte Mama und den verwirrten Papa nicht an die Katze gelassen. Er hat bei ihr gesessen, sanft mit ihr gesprochen, sie beruhigt. Er hat aufgepasst, dass alles gut geht, und das Telefon bereitgehalten, um im Notfall den Tierarzt anzurufen.
Alles ist gut gegangen, die Katze hat vier kleine Kätzchen bekommen. Lukas hat das Unterfutter gewechselt, frisches Wasser und Futter gebracht. Noch mal hat er geschaut, ob alles in Ordnung ist, und erschöpft die Augen zugemacht. Er hat gespürt, wie das kleinste Kätzchen sich in seine Hand kuschelt, und gedacht, dass Tiere manchmal mehr Dankbarkeit zeigen als Menschen.