Ein Mäuseproblem im Ferienhaus

Es gibt eine Maus in unserem Schrebergarten. Lara sagt, dass ich als Mann “dieses Vieh fangen muss, bevor es unsere Laube auffrisst.” Ich habe nur gefragt, ob das nicht die Aufgabe der Katze sein sollte.

In Abwesenheit der Katze seien ihre Pflichten auf mich übergegangen, erklärte Lara. Schlafen, essen und sich erleichtern kann ich bereits; es sei Zeit, auf die Jagd zu gehen. Oder rieche ich die Beute etwa nicht? Wo sind meine Instinkte? Für mich fängt Beute bei einem Bären an. Aber Lara will nicht abwarten, bis Bären aus den Ritzen kommen. Sie drohte, unseren Nachbarn Jan zur Hilfe zu rufen.

Dieser Jan ruiniert meinen ganzen Schrebergarten. Er mäht den Rasen wie ein Gott, hat keine Angst vor Kühen und stiehlt Holz besser als ich. Und jetzt ist er auch noch Mäusefänger. Ich habe eine Flöte à la Rattenfänger von Hameln gekauft.

Ich spielte „Über sieben Brücken musst du gehn“ und dann den Polonez von Ogiński. Die Maus zeigte keine Reaktion. Stattdessen kam die Nachbarin und fragte, wen wir hier abschlachten. Also baute ich eine Falle aus Rohren und Gegengewichten. Die Anleitung fand ich auf YouTube. Das Video heißt „40 Mäuse in drei Minuten“. Den Köder kauften wir im Laden. Lara entschied sich für Cornflakes für 1 Euro für die Maus. Ich sagte, “das ist zu teuer” und nahm Haferflocken für 30 Cent. Die Verkäuferin dachte, ich gönnte Lara den Mais nicht.

So einen Geizhals hatte sie noch nie gesehen. YouTube stellt Mäuse als dumme Tiere dar. Das ist nicht mehr als ein Klischee aus Hollywood. Eine echte Maus kennt Physik und kann lesen. Sie ist extrovertiert, setzt sich zu uns ins Wohnzimmer und betrachtet das Feuer im Kamin. Die Falle aus Rohren und Stäben besuchte sie, fraß alles und verschwand danach mit großer Dankbarkeit. Daraufhin kaufte ich eine Falle aus Klebekarton.

Die Maus sollte festkleben. Ich legte alles aus und streute die Haferflocken. Die Maus fraß den Karton, den Kleber und die Flocken. Ein bemerkenswerter Appetit hat dieses Tier. Ich studierte alle Arten von Fallen. (Manche knallten einem einfach so auf die Finger, aus Langeweile). Ich übernachtete mit einer Armbrust in der Küche.

Ich hörte ihr spöttisches Lachen unter dem Kamin. Für uns beide wurde die Laube zu klein. Dann ertrank sie. Im Klo. Von allein. Wenn Lara gut gelaunt ist, sagt sie, die Maus wollte trinken und sei ausgerutscht.

Wenn man Lara ärgert, heißt es, die Maus habe sich umgebracht, weil das Leben mit mir unerträglich sei. In Wirklichkeit wirkte die Flöte. Nicht sofort, weil ich kein Dizzy Gillespie bin und nicht mit zwei Noten die Zuhörer in den Tod treiben kann.

So starb zum ersten Mal jemand wegen meiner Musik, wie es Lara vorhergesagt hatte.

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