— Aber du weißt doch, Lieselchen, dass man solche wie dich nie heiratet, — sagte Arno gelassen.

Du verstehst doch, Liese, dass man so jemanden wie dich nicht heiraten kann, sagte der Arzt Klaus ruhig, es gibt Frauen, mit denen man nur eine Zeit lang etwas hat, und es gibt solche, die bis zur Trauung warten. Du gehörst leider nicht zu denen.

Und was gefällt dir an mir nicht, Klaus? Ich koche gut, sehe toll aus, die Praxis ist sauber. Bin ich als Frau nicht passend für dich? fragte Liese verwirrt und sah den Mann an, den sie für ihren Liebhaber gehalten hatte.

Genau das ist das Problem! Du bist schon ruiniert. Versteh mich richtig: Menschen wie du werden nicht zur Ehefrau genommen. Man trifft sich nur unverbindlich. Heiraten tut man mit Jungfern, bei denen du ja erst die Erste wärst. Damit du bereit bist, ihm die Füße zu waschen und das Wasser zu trinken, wie das Sprichwort sagt. Klaus, zufrieden mit seinem letzten Satz, wandte sich zur Wand und gähnte.

Nur eine Woche zuvor hatte Liese mit ihren Freundinnen im Café am Alexanderplatz gesessen und von Zukunftsplänen geträumt: Das Leben läuft jetzt, ich bin dreißig, kein Mädchen mehr, aber Karriere, Wohnung, Auto alles passt. Heiraten und Kinder bekommen ist drin! Und dann ist da noch der Kandidat, wie aus einem Traum.

Klaus war nie verheiratet, wohnte allein, obwohl er zusammen mit seiner Mutter ein Haus in der Nähe von München gekauft hatte. Vierzehn Jahre Unterschied, gut aussehend, gepflegt, fast ohne schlechte Gewohnheiten und mit einer verantwortungsvollen Position ein echtes Glücksrad.

Sie hatten sich bei der Arbeit kennengelernt: Klaus kam zu ihr zum Zahnarzttermin und verließ die Praxis bereits verliebt. Liese war damals überarbeitet, arbeitete sowohl in einer städtischen Poliklinik als auch in einer privaten Praxis, sodass ihr keine Freizeit blieb. Und dann Blumen, keine gewöhnlichen Rosen, sondern Pfingstrosen, im Februar! Ein Restaurantbesuch und es drehte sich alles.

Nur ein Punkt störte sie: Nach zwei Jahren Beziehung hatte er noch keinen Antrag gemacht. Die Freundinnen stichelten: Zeit, Liese, zu heiraten. Auch Liese spürte den Druck und wagte das Gespräch. Vor dem Schlafengehen brachte sie das Thema zur Sprache und hörte: Sie sei ruiniert, nicht heiratsfähig.

Was ging ihm nur durch den Kopf? Am nächsten Abend traf Liese wieder ihre Freundinnen im Café, um Rat zu holen.

Stellt euch das vor, Mädels, begann Liese, er hat gesagt, ich bin nicht mehr die Richtige! Auf solche heiratet man nicht!

Ernsthaft?, staunte Katharina. Du bist doch hübsch, intelligent, völlig selbständig!

Er meint, man heiratet nur Jungfrauen. Und ich sei der dritte Typ, fehlerhaft. Und was soll ich jetzt machen? In allem anderen passt er zu mir: klug, mit Geld, im Bett gut.

Liese, wirf ihn weg, bevor er dein Selbstwertgefühl zerbricht, schnappte sich Lina.

Noch besser: lad ihn zu uns ein! Wir feiern mit Heinz und mir unser zehntes Jubiläum. Er soll sehen, wie eine Familie funktioniert, fügte Katharina hinzu.

Sie beschlossen, Klaus einzuladen. Klaus, der normalerweise solche Anlässe mied, stimmte plötzlich zu und fuhr sogar selbst. Liese erwartete bereits einen entspannten Nachmittag mit den Freundinnen endlich würde sie nicht mehr nach Hause fahren.

Auf dem Schrebergarten von Katharina und Heinz war es heimisch: Kinder spielten, Grillgut brutzelte, Vögel sangen, der kleine Hund Balu rannte, als hätte er einen unsichtbaren Akku. Das Essen dauerte von Mittag bis zum Abend. Die Erwachsenen zogen sich zurück, die Kinder schliefen ein. Am Tisch blieben nur die Freundinnen, die Gastgeber und Klaus.

Man trank Tee mit Beerenkuchen und plauderte. Dann begann Klaus erneut:

Sagt mir mal, Katharina, warum ist Liese noch unverheiratet? Ihr seid doch schon zehn Jahre verheiratet.

Nicht jeder hat das Glück, in der dritten Klasse zu lieben, wie ich, zuckte Katharina mit den Schultern. Liese war damals studierend und arbeitete, hatte keine Zeit.

Habt ihr als Jungfrauen geheiratet?

Ach was!, lachte Katharina. Heinz und ich seit dem ersten Semester zusammen!

Aber er war doch der Erste?

Willst du einen Ausweis sehen?, erwiderte Heinz empört. Meine Frau ist meine Frau, Punkt.

Siehst du, sie war rein. Das ist Respekt. Wie soll man mit einer Frau heiraten, die schon mehrere Beziehungen hatte? Das wäre eine Schande für die Familie!

Und warum sollt ihr dann jemanden ohne Vergangenheit bevorzugen?, kicherte Lina. Und warum hast du Liese überhaupt Hoffnungen gemacht?

Ich habe niemandem etwas versprochen, zuckte Klaus mit den Schultern. Deine Freundin sollte doch verstehen: Sie ist eine Frau zweiter Klasse. Für eine Heirat braucht man triftige Gründe, die ich nicht sehe.

Also bin ich der dritte Typ, geschieden, mit Kind, lächelte Lina. Schade für dich, Mann. Und für deine Familie.

Wie kannst du so mit Frauen in meinem Haus reden?, rief Heinz. Klassen! Er packte Klaus und schob ihn nach draußen. Zwei Meter groß, kräftig, das war kein Problem.

Raus hier! Ich lasse euch das Fest nicht verderben. Ohne euch wäre ich längst fertig.

Liese, ich geh. Kommst du mit oder bleibst du? rief Klaus stolz, während er die Tasche ergriff.

Liese prustete vor Lachen, konnte nicht antworten. Klaus sprang ohne ihr Einverständnis zur Tür und fuhr davon.

Na, Heinz, danke, kicherte Liese. Kein weiterer Mann mehr! Nicht mal einer abgelaufenen Sorte.

Es war eine dumme Idee, ihn über die Ehe aufzuklären, grinste Katharina. Aber was für ein Charakter! Mädels, hört zu: Ich bin die erste Sorte! Und ihr seid es auch.

Die Späße reichten den ganzen Abend. Danach fuhr Lina Liese nach Hause. Das Leben kehrte zurück zu den gewohnten Patientenbesuchen und dem Ausfüllen von Krankengeschichten. Klaus rief nicht mehr an.

Frau Liese, hier liegt ein Brief für Sie an der Rezeption.

Danke, Lina, ich schaue später drüber.

Nachdem der Tag beendet war, öffnete Liese den Umschlag. Darin war

Und so lernte Liese, dass das wahre Glück nicht davon abhängt, welchen Typ man in den Augen anderer einnimmt, sondern davon, sich selbst zu akzeptieren und den eigenen Weg zu gehen denn nur wer sich selbst respektiert, kann anderen echten Respekt entgegenbringen.

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