Verstehst du nicht, Lotte, sagte Armin Becker kühl, dass Männer wie ich nicht solche Frauen heiraten. Es gibt Frauen zum Vergnügen und zum Lieben, und es gibt jene, die sich bis zur Hochzeit zurückhalten. Du gehörst leider nicht dazu.
Was also passt dir nicht, Armin? Ich koche gut, sehe toll aus, die Wohnung ist sauber. Bin ich dir als Frau nicht gefällig? Lottes Stimme bebte, als sie den Mann ansah, den sie für ihren Freund hielt.
Das genau ist das Problem! Du bist bereits verdorben. Versteh mich richtig: Menschen wie du werden nicht zur Ehefrau genommen. Man trifft sich nur unverbindlich. Man heiratet erst Jungfrauen, bei denen du die erste bist. Frauen, die bereit sind, dem Mann die Schuhe zu putzen und das Wasser zu trinken, wie das Sprichwort sagt. Armin, zufrieden mit seinem letzten Satz, wandte sich zur Wand und stieß ein lautes Schnarchen aus.
Nur eine Woche zuvor saß Lotte mit ihren Freundinnen im Café am Alexanderplatz und erzählte von ihren Plänen: Jetzt läuft alles. Dreißig, kein Mädchen mehr, aber eine Karriere, eine Wohnung, ein Auto, ich sehe großartig aus. Ich kann heiraten und Kinder bekommen! Und dann kam der Kandidat, fast wie aus einem Traum. Armin war noch nie verheiratet, lebte allein, obwohl er mit seiner Mutter eine Wohnung in der Nähe gekauft hatte. Vierzehn Jahre Unterschied, gut aussehend, gepflegt, fast ohne schlechte Gewohnheiten und mit einem verantwortungsvollen Job ein echtes Glückspilz.
Sie hatten sich bei der Arbeit kennengelernt: Er kam zu ihr, weil er einen Termin beim Zahnarzt hatte, und ging mit Herzklopfen wieder hinaus. Lotte arbeitete damals in einer Klinik und in einer Privatpraxis, sodass ihr keine Freizeit blieb. Doch dann brachte er ihr im Februar keine gewöhnlichen Rosen, sondern Pfingstrosen. Ein Restaurantbesuch, und alles begann zu drehen.
Nur ein Punkt störte sie: Nach zwei Jahren Beziehung hatte er noch keinen Antrag gemacht. Die Freundinnen tippten an: Es wird Zeit, dass Lotte heiratet. Auch sie selbst spürte den Druck. Also wagte sie das Gespräch. Kurz vor dem Schlafengehen hörte sie: Sie sei verdorben, nicht für die Ehe.
Im Kopf drehte sich alles. Was glaubte er sich dabei? Am nächsten Abend traf sich Lotte wieder mit den Freundinnen im Café, um Rat zu holen.
Stellt euch das vor, Mädels, begann Lotte, er hat gesagt, ich bin nicht mehr die Richtige! Auf solche heiraten sie nicht!
Ernsthaft?, fragte Katrin überrascht. Du bist doch wunderschön, klug und selbstgenügsam!
Er meint, man heiratet nur Jungfrauen. Und ich sei, wie er sagt, ein zweiter Rang, ein Fehlstück. Und was soll ich jetzt tun? In allem anderen passt er zu mir: er ist intelligent, hat Geld, im Bett ist alles gut.
Lotte, wirf ihn über Bord, bevor er dein Selbstwertgefühl zerstört, schnaufte Lisa.
Noch besser lad ihn zu uns ein! Mein Mann Marius und ich feiern unser zehntes Hochzeitsjubiläum. Lass ihn sehen, wie Familie aussieht, schlug Katrin vor.
Armin, der normalerweise keine Einladungen mochte, stimmte plötzlich zu und fuhr sogar selbst. Lotte freute sich schon auf einen entspannten Tag mit den Freundinnen diesmal würde sie nicht zurückfahren.
Auf Marius Landhaus in Brandenburg herrschte heimisches Treiben: Kinder spielten, Grillfleisch bruzzelte, Vögel sangen, und ihr Hund Balu rannte umher, als hätte er einen unsichtbaren Akku.
Das Essen dauerte von Mittag bis Abend. Die Erwachsenen gingen nach und nach nach Hause, die Kinder schliefen bereits. Am Tisch blieben nur die Freundinnen, die Gastgeber und Armin.
Sie tranken Kräutertee zu Apfelkuchen und plauderten. Dann erhob Armin erneut seine Stimme:
Sagt mir, Katrin, warum ist Lotte immer noch unverheiratet? Ihr seid doch schon zehn Jahre verheiratet.
Nun, nicht jeder hat das Glück, in der dritten Klasse zu verlieben, wie ich, zuckte Katrin mit den Schultern. Damals studierte ich, arbeitete, hatte keine Zeit.
Und ihr habt euch als Jungfrau getraut?
Was?, lachte Katrin. Marius und ich seit dem ersten Semester zusammen!
Aber war er nicht der Erste?
Willst du mir deinen Pass zeigen? schimpfte Marius. Meine Frau ist meine Frau, und das wars.
Siehe da! Sie war also rein. Das ist Respekt. Und sich mit einer Frau zu verheiraten, die bereits mehrere Beziehungen hatte, ist doch eine Schande für die Familie!
Was für einen edlen Stamm habt ihr, dass ihr nur ohne Vergangenheit verlangt?, lachte Lisa. Warum hast du also Lotte Hoffnungen gemacht?
Ich habe niemandem etwas versprochen, zuckte Armin die Schultern. Deine Freundin muss doch verstehen, dass sie eine Frau zweiter Güte ist. Für eine Heirat mit ihr fehlen die Gründe.
Also bin ich der dritte Rang, geschieden und alleinerziehend, grinste Lisa. Schade für dich, Mann. Und dein ganzer Stamm.
Wie sprichst du mit den Frauen in meinem Haus?, rief Marius empört. Sorten nennt er! Du bist doch ein alter, überfälliger Hering! Er packte Armin und zog ihn nach draußen. Zwei Meter groß, kräftig das war kein Problem.
Raus hier! Ich ruinier dir nicht das Fest. Ohne die Mädchen wärst du längst erledigt. Du bist kein Gast.
Lotte, ich fahre. Kommst du mit oder bleibst du? rief Armin stolz, während er Lottes Tasche schnappte.
Lotte brach in Gelächter aus und konnte nicht antworten. Armin fuhr, ohne auf ihr Echo zu warten, und verschwand hinter dem Tor.
Na, Marius, danke, kicherte Lotte. Das wars! Kein Mann mehr, nicht einmal ein überfälliger.
Das war eine dumme Idee, ihn über die Ehe aufzuklären, lächelte Katrin. Aber was für ein Typ! Mädchen, hört zu: Ich bin die erste Sorte, und ihr seid es auch.
Der Humor reichte den ganzen Abend. Anschließend brachte Lisa Lotte nach Hause. Das Leben kehrte zurück zu den gewohnten Patientenbesuchen und dem Ausfüllen von Krankengeschichten. Armin rief nie wieder an.
Frau Lotte, ein Brief liegt für Sie an der Rezeption.
Danke, Fräulein Lena, ich schaue später nach.
Nach der Sprechstunde öffnete Lotte den Umschlag. Darin lag
Und dort erkannte sie, dass ihr eigener Wert nicht von einem fremden Urteil abhängt, sondern von dem Mut, sich selbst zu schätzen. Dieses Wissen begleitete sie fortan, während sie ihr Leben nach eigenen Maßstäben weiterlebte.