Wie ich meinem Hund in drei Stunden fünf tödliche Diagnosen stellte, ergraute, ihn betrauerte und beerdigte

Es war eine Geschichte mit einem glücklichen Ende: Wie ich in drei Stunden meinem Hund fünf tödliche Diagnosen stellte, graue Haare bekam, ihn beweinte, beerdigte… und dann öffnete die Tierarztpraxis.

Fritz weckte mich mitten in der Nacht mit einem langgezogenen Jaulen. Man muss dazu sagen, dass Dobermänner ab und zu leichte Anfälle von Gesangskunst bekommen. Diese Hundesänger können einfach aus Langeweile um drei Uhr nachts ein hohes A anstimmen. Aber häufiger liegt es an Durchfall, natürlich. Es ist einfach eine Eigenart der Rasse.

Daher war ich nicht wirklich überrascht über die nächtliche Hunde-Arie und schlüpfte noch im Halbschlaf gewohnt in meinen Jogginganzug. “Komm schon, komm schon, nicht weinen”, murmelte ich und öffnete ein Auge.

Und erschrak.

Das Bild, das sich mir bot, glich eher einer Low-Budget-Horrorfilm-Szene – mich blickte ein Maul voller weißem Schaum an.

Der Schaum war überall: auf dem Boden, den Teppichen, den Sofas.

Tollwut! war mein erster Gedanke, auch wenn der Hund geimpft ist. Doch die Impfung war natürlich längst abgelaufen, kam mir als nächstes in den Sinn. Denn nichts kann Anjas Paranoia aufhalten.

Als nächstes dachte ich an Piroplasmose (eine Krankheit durch einen Zeckenbiss verursacht) und Vergiftung durch Rattengift.

Fritz ist gegen Zecken behandelt, und woher in meiner Vorstellung das Gift kam, war sowieso unklar.

Aber die Nacht würden wir nicht überleben, plante ich nicht.

In vollkommenem Verzweiflungszustand diktierte ich der wunderbaren Tierärztin Lena die Symptome des nahenden Todes.

Lena, immer noch schlaftrunken, ließ sich von meinem Schluchzen so sehr beeindrucken, dass sie uns in die Klinik am anderen Ende der Stadt schickte. Denn anhand meiner Beschreibungen würde ihre Praxis dem Fall wohl nicht gewachsen sein. Dort gäbe es kein modernes Equipment für solche gruseligen Fälle.

Muss ich erwähnen, dass ich die Eröffnung der Klinik schon mit Baldrian erwartete. Immer wieder den schaumigen Schaum aus dem Maul wischend, überlegte ich, wie ich den fünfzig Kilogramm schweren sterbenden Hund zum Auto transportieren sollte.

Zu meiner Überraschung lief Fritz selbst. Wir waren sehr schnell dort. Entschuldigung an die Polizeikontrolle, an der wir vorbei in den Wind rausten.

Am Eingang der Klinik erwartete uns ein Team mit Handschuhen und Skalpell. Scherz beiseite, aber man konnte sehen, dass sie auf unsere Ankunft vorbereitet waren. Das Gerücht über den Dobermann mit Tollwut, Piroplasmose und einem Schwarzen-Mamba-Biss hatte uns überholt.

Die Untersuchung dauerte fünfzehn Sekunden. Zehn davon überredeten wir Fritz, „sein Mäulchen zu öffnen“. In den restlichen fünf Sekunden holte die Tierärztin Irina mit der Virtuosität eines Zauberkünstlers ein Stück Holz aus dem Hundemaul.

Ein Splitter.

Ein Zweig, den er kaute, dieser kleine Nager.

Mit der furchteinflößenden Diagnose „Fremdkörper in der Mundhöhle“ wurden wir entlassen.

Und während ich Schaum und Baldrian vom Boden wischte, schlief der Dobermann erschöpft mit dem Kopf auf dem Couchtisch ein. Er war todmüde, der sterbenskranke 😉.

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