Wer hat dir erlaubt, mein Handy zu nehmen?!

— Wer hat dir erlaubt, mein Handy zu nehmen?! — Anna sah zum ersten Mal das wahre Gesicht ihres Mannes.

— Wenn du es noch einmal nimmst, breche ich dir die Finger! Nie, hörst du? Nie im Leben darfst du mein Handy anfassen! — Daniel riss das Gerät wütend aus den Händen seiner Frau.

— Liebling, es tut mir leid… Ich wollte nicht… Ich wollte nur unsere Fotos von gestern anschauen… — Anna rückte erschrocken an das andere Ende des Sofas.

— Frag mich, und ich werde es entsperren und dir zeigen. Aber ohne Erlaubnis… Nie wieder! — Daniel schüttelte den Kopf und ging in die Küche.

— Gott, was versteckt er nur? — Annas Herz pochte heftig. In sechs Monaten Ehe hatte sie ihren Mann noch nie so wütend gesehen.

— Und ich habe doch nichts Schlimmes getan… Ich wollte nur die Fotos anschauen, — sie kauerte sich in die Ecke des Sofas.

— Betrügt er mich? Nein, das kann nicht sein. Wir sind erst frisch verheiratet. Alles läuft perfekt… — sie schüttelte den Kopf und versuchte, eine logische Erklärung zu finden.

— Vielleicht hat er sich mit all diesen Blogs über persönliche Grenzen beschäftigt… Deshalb zeigt er jetzt seine Zähne, — Anna starrte nachdenklich in die Kerze.

— Mein Schatz, hier, nimm ein paar Kirschen. Ich habe die süßesten ausgesucht, — Daniel lächelte, als wäre nichts passiert, und stellte einen Teller vor sie.

— Was hast du morgen vor? Meine Freunde haben uns eingeladen. Du sagst immer, ich stelle dich niemandem vor… Es wird Zeit. Kommst du mit? — Daniel nahm Annas Hand.

— Ja, natürlich, — sie lächelte und beschloss, den unangenehmen Moment mit dem Handy zu vergessen.

Bis zu diesem Moment hatte ihre Ehe für Anna wie ein Märchen gewirkt. Hätte sie nur gewusst, was auf sie zukommt…

Am nächsten Tag

Sie kamen bei den Freunden an.

— Ich bin Paul, und das ist meine Frau Marina. Kommt rein, das Abendessen ist fast fertig! — das freundliche Paar begrüßte sie herzlich.

Daniel überreichte eine Flasche Wein, und zusammen mit Anna traten sie in das gemütliche Wohnzimmer.

— Anna, was machst du beruflich? Daniel hat uns kaum etwas über dich erzählt… — fragte Marina.

— Ich arbeite in der Filmbranche. Ich organisiere Dreharbeiten, — Anna nahm einen Schluck Wein und griff nach einem Stück Käse.

— Filme sind interessant. Ganz anders als dein Job im Autohaus… — Paul grinste seinen Freund an. — Wie viele Autos hast du diesen Monat verkauft?

— Dreizehn. Ich erwarte eine gute Prämie! — Daniel hob stolz sein Glas. — Auf unsere wundervollen Damen und meine bezaubernde Ehefrau!

Der Abend verlief angenehm, doch Anna konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass ihr die Wohnung bekannt vorkam.

Ein Monat später

Ihre Beziehung blühte auf wie Kirschbäume im Frühling. Alles war perfekt. Bis zu einem bestimmten Moment.

Eines Tages erhielt Anna bei der Arbeit eine Liste mit Wohnungen für Dreharbeiten. Eine davon kam ihr bekannt vor.

— Unmöglich… Das ist die Wohnung, in der wir bei Paul und Marina waren! — sie starrte schockiert auf die Fotos.

Sie entschied sich, genau diese Wohnung zu wählen.

Als die Vermieterin, Irene Petersen, die Tür öffnete, konnte Anna ihre Aufregung nicht verbergen:

— Entschuldigen Sie, aber ich war bereits hier. Kennen Sie Paul und Marina?

— Nein, diese Namen sagen mir nichts… Die Wohnung wird nur kurzfristig vermietet, — zuckte die Frau mit den Schultern.

— Aber… ihre Bilder waren hier…

— Vielleicht hat einer der Mieter sie aufgehängt. Der letzte, an den ich mich erinnere, war ein Mann… Daniel, glaube ich? Groß, gutaussehend.

Ein kalter Schauer lief Anna über den Rücken. Das war eine perfekte Beschreibung ihres Mannes…

Am Abend schlug Anna vor, sich erneut mit Paul und Marina zu treffen. Daniel lehnte ab.

— Sie sind bis Herbst ans Meer gefahren.

Sie glaubte ihm nicht.

Am nächsten Tag passierte etwas noch Merkwürdigeres.

Im Einkaufszentrum kam ein Fremder auf sie zu.

— Sergej?! — rief der Mann überrascht.

Daniel beschleunigte seinen Schritt.

— Du… du bist doch tot… — murmelte der Mann.

— Sie verwechseln mich! — Daniel packte Annas Hand und führte sie schnell zum Ausgang.

In dieser Nacht wartete Anna, bis ihr Mann eingeschlafen war, und entsperrte sein Handy.

Was sie dort fand, schockierte sie zutiefst.

Daniel hatte Schauspieler engagiert, um seine Freunde zu spielen. Und in seinen alten Fotoalben… war ein anderer Mann. Sergej.

Die Wahrheit kommt ans Licht

Am nächsten Morgen lud Anna Daniel in ein Café ein.

Er setzte sich hin und atmete schwer. Er war verletzt.

— Dieser Mann hat mich erkannt. Es ist vorbei… — flüsterte er heiser. — Ich war undercover. Ein Verbrechersyndikat… Ich habe ihnen eine Milliarde gestohlen. Das Geld ist auf diesem Handy. Jetzt gehört es dir.

— Ich bin schwanger… Ich werde dich nicht verlassen! — Anna klammerte sich an seine Hand.

— Du musst überleben… — Daniel verlor das Bewusstsein.

Anna rief sofort ihren Vater an, einen ehemaligen Ermittler.

— Papa, ich weiß, wir haben fünf Jahre lang nicht gesprochen… Aber du musst mich und meinen Mann retten.


Drei Jahre später

Am Ufer des Ozeans bauten ein Mann, eine Frau und ein kleiner Junge eine Sandburg.

— Mama, Papa, schaut, was für eine Festung!

Der Mann legte seinen Arm um seine Frau.

— Die größte Festung… ist unsere Familie.

Die Sonne schien für alle gleich – für gute und für schlechte Menschen.

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