Vor langer Zeit: Ein roter Kater lebte bei mir.

Es ist lange her. Ich hatte einen rothaarigen Kater. Ein hübscher Kerl, Genussspecht und Spaßvogel. Er war unglaublich sanft und freundlich. Seinen richtigen Namen verrate ich nicht, denn ich nannte ihn “Sonnenschein”. Genau wie sein Name war auch sein Wesen ein Lichtblick in meinem Leben.

Er kam immer zu mir und wollte, dass ich ihn streichle und mit ihm rede. In den seltenen Momenten, in denen ich nach Hause kam, war er meine einzige Freude.

Damals hatte ich zwei Jobs und war selten zuhause, was allerdings niemanden zu stören schien und auch niemanden beunruhigte. Mein Familienleben war zu der Zeit nicht besonders glücklich.

Er ersetzte alles, was mir fehlte. Liebe, Wärme und Aufmerksamkeit bekam ich von meinem Sonnenschein.

Auf diesen Namen hörte er auch.

In einem ungemütlichen Herbst wurde er krank. Er hustete, und ich brachte ihn nicht zum Tierarzt. Ich dachte immer, es würde von alleine besser. Morgen würde ich Zeit finden, sagte ich mir immer wieder. Und dann war es zu spät.

In den wenigen Momenten, in denen ich zuhause war, kuschelte er sich auf meinen Schoß und sah mir in die Augen. Und eines Tages schlief er in meinen Armen ein und wachte nicht mehr auf. Er ging leise auf die andere Seite, während eines meiner seltenen Besuche zuhause war.

Das ist jetzt fünfzehn Jahre her. Fünfzehn lange Jahre. Andere Katzen kamen und gingen. Ich liebte sie alle und liebe sie noch immer.

Aber oft, ja sehr oft, träume ich von meinem Sonnenschein. Er kommt zu mir im Schlaf, kuschelt sich auf meinen Schoß und schaut in meine Augen. Und ich versuche, ihm alles zu erklären und bitte um Verzeihung. Doch finde ich nie die richtigen Worte.

Jedes Mal, wenn ich daran denke, tut es so weh, als wäre es erst gestern passiert. Ich würde alles geben, um die Zeit zurückzudrehen und meinen Sonnenschein zum Arzt zu bringen. Um ihm das Leben zu retten.

Ich kann mir nicht verzeihen. Niemand könnte mich mehr verklagen als ich selbst. Ich glaube fest daran, dass er überlebt hätte.

Ich weiß, dass ich diese Bürde bis zum Ende tragen werde, und an meinem letzten Tag werde ich bedauern, dass ich meinen einzigen Sonnenschein nicht gerettet habe.

Bereut nicht…

Bereut niemals, um Gottes willen, auch nur irgendetwas für eure vierbeinigen Sonnenscheine. Weder Liebe, noch Zeit, noch Geld, noch Aufmerksamkeit. Wenn ihr dafür alles andere beiseitelegen müsst, all eure vermeintlich wichtigen Verpflichtungen, dann tut es!

Tut es sofort! Damit ihr euch nicht euer Leben lang Vorwürfe macht und in dunklen Nächten um Vergebung bittet, während ihr in die trauervollen Augen schaut…

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