Valentina Jurjewna schaute ihren Sohn mit offensichtlicher Missbilligung an:
— Ivan, das meinst du ernst? Kirill, hast du das gehört?
Ihr Mann legte die Zeitung beiseite, sah ihren Sohn an und antwortete ruhig:
— Junge, du bist jetzt erwachsen. Denk gut nach. — Dann stand er auf, sichtlich müde. — Ich gehe schlafen.
— Immer dasselbe, — zischte Valentina ihm hinterher. — Kirill, ist dir das egal? Hast du überhaupt gesehen, wer dieses Mädchen ist? Was für eine Partnerin soll sie sein? Sie kennt wahrscheinlich nicht einmal anständige Manieren!
— Es ist mir nicht egal, aber ich werde nicht an deinen Intrigen teilnehmen, — warf Kirill Konstantinowitsch zurück und ging.
— Mama, warum redest du so über Tanja? — Ivan versuchte, seine Verlobte zu verteidigen.
— Wie soll ich sonst reden? Sie ist eine Schneiderin, und du bist der Erbe eines Weinguts. Denk darüber nach, mein Sohn. Ihr kommt aus völlig unterschiedlichen Welten.
— Wir lieben uns, Mama!
Valentina lächelte kalt:
— Liebe, sagst du? Gut. Du wirst es bald verstehen.
Am nächsten Tag lud Valentina Jurjewna, ohne ihre Absicht zu verbergen, Tanja zu ihrer Geburtstagsfeier in eines der luxuriösesten Restaurants der Stadt ein. Tanja, die genau wusste, dass es darum ging, sie bloßzustellen, nahm die Herausforderung an.
Als Tanjas Kundin und enge Freundin Anastasia Kondratjewna von der Situation erfuhr, bot sie sofort ihre Hilfe an.
— Tanja, mach dir keine Sorgen. Wir werden allen zeigen, wie großartig du bist.
Mit Anastasias Hilfe lernte Tanja die Grundlagen des gesellschaftlichen Benimmens und wählte ein elegantes Kleid sowie Accessoires aus.
Auf der Feier erwartete Valentina Jurjewna ihren Triumph. Sie war sicher, dass Tanja nicht bestehen würde. Doch als Ivans Verlobte das Restaurant betrat, waren alle Augen auf sie gerichtet. In einem indigoblauen Kleid, mit perfekter Frisur und einem selbstbewussten Lächeln sah Tanja atemberaubend aus.
Die Gäste waren beeindruckt.
— Ivan, erkennst du mich? — fragte Tanja mit einem Hauch von Ironie, als sie sich ihrem Verlobten näherte.
— Natürlich… Du siehst fantastisch aus!
Den ganzen Abend über bewahrte Tanja ihre Haltung, beantwortete schwierige Fragen und zeigte sogar hervorragende Manieren. Doch während eines Tanzes hörte sie jemanden flüstern:
— Valentina sagte, ihre Schwiegertochter sei eine provinzielle Schneiderin. Aber tatsächlich ist sie eine beeindruckende Frau!
Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
Draußen holte Ivan Tanja ein.
— Tanja, warum bist du gegangen? Es lief doch alles gut!
— Ernsthaft? Du wusstest, dass deine Mutter mich demütigen wollte, und hast einfach zugesehen! Jetzt soll ich mit diesen Leuten leben? Nein, Ivan, leb wohl.
Tanja ging weg, aber ein paar Minuten später hielt ein Auto neben ihr.
— Tanja, soll ich Sie mitnehmen? — Es war Kostja, Anastasias Assistent.
— Sehr gern! Aber lass uns zuerst einen Döner holen, — lächelte sie.
Von diesem Abend an waren Tanja und Kostja unzertrennlich. Und die Geburtstagseinladung wurde zu ihrem Ticket in ein neues, glückliches Leben.