„Nimm! Nimm es! Ich hätte dir folgen sollen“, schrie eine Unbekannte meinem Mann zu und reichte ihm ein Baby.

Hey, ich muss dir unbedingt meine Geschichte erzählen, weil ich immer noch darüber staune, was im Leben so passieren kann.

Es war 2005, Thomas und ich hatten ein kleines Unternehmen ein paar Lebensmittelgeschäfte, die wir aus Polen, Italien und natürlich aus Deutschland belieferten. Durch den Laden musste ich nicht mehr arbeiten, konnte mich völlig um das Haus kümmern und unseren fünfjährigen Sohn Lukas betreuen. Thomas kam immer nach Hause mit frischem Schweinebraten, Knödeln und Zwiebelkuchen, und das Haus roch immer nach frisch gebackenem Brot. Sauberkeit war bei uns schließlich das A und O.

Dann kam dieser verfluchte Abend, an dem alles zusammenbrach. Wir kamen von einem Besuch bei Freunden zurück, Lukas schlief bereits im Auto. Als wir vor dem Haus hielten, merkte ich, dass Thomas ein bisschen nervös wurde. Vor dem Tor stand ein junges Mädchen mit einer rosafarbenen Decke in den Händen. Kaum hatten wir das Auto verlassen, rannte sie zu Thomas:

Nimm sie mit! Ich habe dich doch nicht umsonst gehört und keinen Schwangerschaftsabbruch gemacht!

Ich stand wie versteinert da, während Thomas genauso keinen Schimmer hatte, was gerade los war.

Ich will sie weder sehen noch hören! Und fang gar nicht erst an, meiner Tochter etwas zu sagen!

Ein paar Minuten stand ich im eisigen Schneesturm, während die Nachbarn neugierig aus ihren Fenstern blickten. Thomas hielt die rosafarbenen Decke fest in den Armen.

Komm, lass uns nicht hier frieren. Ich erkläre dir alles, wenn wir zu Hause sind

Wie sich herausstellte, war das Mädchen unsere ehemalige Angestellte, die vor einem Jahr gekündigt hatte. Und du ahnst schon, warum sie zurückkam.

Was machen wir jetzt mit ihr?, flüsterte Thomas, als er das kleine Mädchen behutsam ins Bett legte.

Was sonst? Wir erziehen sie. Es ist doch deine Tochter, antwortete ich.

Wir vereinbarten mit dem Arzt, dass er in meinem Krankenblatt eine zweite Schwangerschaft einträgt, damit das Kind offiziell bei mir steht. Das Mädchen hieß Liselotte. Ich hegte keinerlei Hass das Kind war unschuldig, warum sollte ich also ein neugeborenes Kind hassen?

Thomas Untreue zu verzeihen war ein langer Prozess. Wir gingen zu einem Psychologen, dachten sogar an eine Trennung. Aber wie man so schön sagt, Zeit heilt alle Wunden. Thomas zeigte echte Reue, und das Vertrauen wuchs Stück für Stück das kostete Jahre und viele Gespräche, nicht einen Tag.

Lukas verliebte sich sofort in Liselotte, spielte den ganzen Tag mit ihr, fuhr im Kinderwagen spazieren und prahlte bei allen Freunden, wie toll seine kleine Schwester sei. Er ließ niemanden ihr etwas antun.

Achtzehn Jahre später ist Liselotte groß geworden und sieht Thomas fast zum Verwechseln selbst die Art, wie er die Nase runzelt, bevor er niest, ist identisch. Ich betrachte sie immer noch wie meine leibliche Tochter. Manchmal tuscheln die Nachbarn hinter meinem Rücken, doch das stört mich nicht.

Letzte Woche hatte Liselotte ihren 18. Geburtstag. Wir feierten erst im kleinen Familienkreis, dann ging sie mit Freunden in ein Café. Meine Eltern, die Patin von Liselotte und sogar der Schwiegervater kamen vorbei. Und plötzlich tauchte eine neue Besucherin auf die leibliche Mutter von Liselotte.

Was machst du hier?, schnappte Thomas sie und schob sie zur Tür.

Ich bin zu meiner Tochter gekommen. Wo ist Liselotte?, rief sie.

Sie heißt nicht Liselotte, sondern Liselotte, korrigierte Thomas scharf. Was willst du hier?

Könntet ihr nicht einen besseren Namen wählen? Ich habe Geschenke Kosmetik, ein neues Handy. Wo ist sie?, schimpfte die Frau.

Sie hat Eltern, die sie lieben. Du bist hier nur ein leeres Wort. Warum erst nach achtzehn Jahren? Wo warst du vorher?, schoss Thomas zurück.

Was geht dich das an? Ich werde euch verklagen!, knurrte sie.

Verschwinde und komm nie wieder. Sonst rufe ich die Polizei!, befahl Thomas.

Er ließ sie hinauswerfen, und plötzlich war mir klar: Nichts und niemand kann unsere Familie zerstören, solange wir zusammenhalten. Thomas ist ein wunderbarer Vater, und ich bin dankbar, dass unsere Kinder so einen tollen Papa haben.

Du kannst dir vorstellen, wie schwer es ist, ein fremdes Kind anzunehmen, oder? Genau das hat unsere Leserin getan.

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