„Sie darf hier nicht wohnen, sie ist uns nichts“, höre ich, wie die Tochter meines Mannes ihrem Bruder laut erklärt, dass ich das Haus verlassen muss, in dem ich die letzten 15 Jahre gelebt habe. – „Warte, Marina. Das ist nicht so einfach. Wohin wird Tante Tamara jetzt gehen?“ sagt Juri, der Sohn meines Mannes, den ich immer für menschlicher und anständiger gehalten habe als seine Schwester; nach 15 gemeinsamen Jahren mit meinem Mann habe ich endlich etwas erkannt. Mein Mann ist kürzlich verstorben. Seine Kinder aus der ersten Ehe kamen und begannen sofort, das Erbe zu regeln. Das Erbe ist nicht klein: Haus, Garten, Garage, Auto. Ich habe nichts beansprucht, aber ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass man mich so schnell aus dem Haus werfen wird.

Hier kann ich nicht mehr wohnen, wir kennen uns gar nicht, hörte ich lautstark von meiner Stieftochter, während sie ihrem Bruder erklärte, dass ich aus dem Haus vertrieben werden müsse dem Haus, in dem ich die letzten fünfzehn Jahre meines Lebens verbracht hatte.

Warte mal, Brigitte, das ist nicht so einfach. Wo soll Tante Brigitte denn jetzt hin? erwiderte Jürgen, der Sohn meines verstorbenen Mannes, den ich immer für den Vernünftigeren gehalten habe, im Vergleich zu seiner Schwester. Nach fünfzehn gemeinsamen Jahren mit Helmut hatte ich doch schon ein bisschen Durchblick.

Vor kurzem ist Helmut von uns gegangen. Seine Kinder aus seiner ersten Ehe kamen sofort an, um die Erbschaft zu regeln. Und ja, das Erbe ist alles andere als klein: ein Haus, ein Schrebergarten, eine Garage und ein gut erhaltenes Auto alles in Euro bewertet.

Ich hatte nie Anspruch erhoben, doch ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet, dass man mich so schnell aus der eigenen vier Wänden werfen würde.

Wolfgang und ich lernten uns erst in reiferen Jahren kennen, beide bereits durch missglückte Ehen und erwachsene Kinder gegangen. Ich hatte zwei Töchter, er hatte eine Tochter und einen Sohn.

Gerade hatte ich meinen 50. Geburtstag gefeiert und meine ältere Tochter, Liselotte, heiratete. Sie brachte ihren Schwiegersohn nach Hause, während die jüngere, Marleen, noch ledig war. Ich dachte, in unserer kleinen Wohnung wird es eng, aber das war erst der Anfang.

Fast sofort traf ich dann Wolfgang, fünf Jahre älter als ich, seit Langem verwitwet. Seine Kinder waren bereits verheiratet, und er hatte seiner Tochter und seinem Sohn ein Eigenheim geschenkt, weil er in leitenden Positionen gearbeitet und gut verdient hatte.

Kurz nach dem Kennenlernen schlug Wolfgang vor, dass ich zu ihm aufs Land ziehen könnte. Ich überlegte, schüttelte den Kopf und dachte: Warum nicht? Er war ein netter Kerl und ein richtiger Gentleman, der mich gut behandelte.

So zog ich in sein Landhaus um. Wir rannten einen Garten, hielten Hühner, Kaninchen und zu einer Zeit sogar eine Kuh und ein Schwein. Die Kinder aus beiden Familien kamen häufig zu Besuch, und wir schickten sie nie mit leeren Händen nach Hause stets gab es Käse, frisches Brot und selbstgepressten Apfelsaft.

Wolfgang und ich waren nie offiziell verheiratet; am Anfang diskutierten wir das noch, doch dann beschlossen wir, dass ein Eintrag im Pass mit 60plus nicht mehr das Wichtigste ist.

Fünfzehn wundervolle Jahre vergingen, und ich bereue nichts.

In der Zwischenzeit heiratete auch meine jüngere Tochter. Die Schwestern stritten fast täglich darüber, wem die Wohnung gehören sollte. Liselotte, die bereits eingezogen war, wollte weder teilen noch Marleen mit ihrem Mann einlassen. Schließlich zahlte Liselotte ihrem Schwager eine Geldentschädigung, und man dachte, das sei erledigt.

Ein Jahr später ließ sich Marleen scheiden, zog mit ihrem Kind zurück nach Hause, und das sorgte erneut für Zoff. Ich hatte noch gehofft, dass die beiden sich versöhnen, doch bislang blieb das aus.

Jetzt ist Helmut auch nicht mehr da, und ich muss zurück nach Hause. Doch ich weiß, dort ist es ohne mich sowieso zu eng.

Tante Brigitte, wenn Sie wollen, können Sie hier bleiben, bis wir Käufer finden, bot Jürgen am nächsten Morgen an.

Ich freute mich über das großzügige Angebot, bis Marina, die andere Schwester, die Bedingungen klarstellte: Ich müsse den Haushalt allein weiterführen.

Also soll ich kostenlos für sie arbeiten, während ich selbst keine Miete zahle? Das klingt doch eher nach einem Leiharbeitsvertrag ohne Lohn.

Mir gefällt die Idee nicht. Im Dorf muss man sich um den Garten und die Tiere kümmern, und ich bin keine junge Hündin mehr 65 Jahre auf dem Buckel. Jetzt stehe ich an einem Scheideweg: Bleibe ich hier als kostenlose Hilfskraft für Kinder, die mich rauswerfen, sobald ein Käufer auftaucht, oder kehre ich in die alte Wohnung zu meinen Kindern zurück, die zwar rechtlich noch mir gehören, mich dort aber ebenfalls überflüssig machen?

Was soll ich tun? Irgendwelche Ratschläge wären gut zu hören.

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