Nach dem Training flitzt Lisa nach Hause, schwört ihrem Mann, Fischsuppe zu zaubern.

Ich denke noch heute zurück an jene Zeit, als ich nach dem Training eilig nach Hause kam, meinem Mann Leonhard versprochen hatte, eine deftige Fischsuppe zu kochen. Kaum hatte ich die Tür geöffnet, sah ich ihn bereits in der Küche stehen, ein Glas Riesling in der Hand.

Ach, Leon, du hast also nicht mehr gewartet, bis ich zurück bin? Dann lass mich wenigstens einen Snack zubereiten, rief ich halb lachend.

Er winkte ab. Setz dich, wir müssen reden.

So etwas hatte ich noch nie von ihm gehört ein ernstes, fast verzweifeltes Gespräch. Ich spürte, wie sich ein Kloß im Hals bildete. Was war geschehen?

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, begann er, und dann kam es plötzlich: Meine Sekretärin Katrin ist schwanger und das Kind ist meines. Ich verlasse dich, um bei ihr zu leben.

Ich war fassungslos. Es klang wie aus einem schlechten SeifenDrama. Wie lange schon? fragte ich.

Seit etwa einem Jahr. Von dem Moment an, als sie kam, hat sie mir ständig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich war jung, verführt von ihrer Frische und Lebensfreude fast so, als hätte ich dich wieder entdeckt, als wir beide noch jung waren. Er senkte den Blick. Ich wollte dir es ehrlich sagen, doch mir fehlte der Mut. Es tut mir leid, dich zu verletzen.

Jetzt gibt es kein Zurück mehr, fuhr er fort, bald werden wir Eltern. Ich habe immer ein Kind gewollt. Dein Sohn Ingolf ist mir wie ein leiblicher Sohn, aber kein Erbteil. Ich brauche einen Erben, dem ich mein Geschäft anvertrauen kann. Mit Katrin fühle ich mich wieder jung vermutlich ein MidlifeCrisis, von dem du bestimmt schon gehört hast.

Er gestand weiter, dass er ein Bösewicht sei, doch versicherte mir, dass er und Ingolf nicht leer ausgehen würden. Ich werde euch die Wohnung, das Auto und alles andere hinterlassen, finanziell für euch sorgen, die Ausbildung von Ingolf weiter zahlen, wie ich es versprochen habe. Ich habe bereits ein neues Haus gekauft und auf Katrin zugelassen sie wird die Mutter meines Kindes.

Ich versuchte, das Unfassbare zu begreifen: Ich verstehe, Leon, es ist schwer, einer so schönen Frau wie Katrin zu widerstehen. Du bist immer ein richtiger Kerl, und du kannst dein Kind nicht einfach im Stich lassen das ist edel von dir. Das Geldangebot danke ich dir, ich will jetzt endlich mein eigenes Leben führen. Ich fragte, wann er ausziehen wolle und bot meine Hilfe beim Packen an.

Leonhard blickte verwirrt, doch er schien ruhig. Keine Szene, kein lautes Geschrei das war fast ein Trost.

Leb wohl, mein Lieber, sagte ich, danke für die gemeinsamen Jahre. Das Leben hat eben andere Pläne. Vielleicht finde ich ja eines Tages wieder die Liebe. Jetzt geh, Katrin wartet sicher schon auf dich. Er ergriff hastig seine Koffer, lächelte verlegen und verschwand im Aufzug.

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, ging ich in die Küche, holte eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, schüttete ein volles Glas ein und trank es in einem Zug. Mein Mann hatte mich verlassen das klang fast lächerlich.

Ich hätte nie gedacht, dass das passieren könnte. Wir hatten Jahre in Frieden miteinander verbracht, auch wenn die leidenschaftliche Liebe nicht mehr brannte, zumindest hatten wir Gewohnheit, Respekt und Verbundenheit geteilt. Nun musste ich loslassen, neue Regeln akzeptieren und mir ein neues Leben aufbauen. Das Geld, das er mir versprach, war ein Ansporn, nicht zu verachten damit konnte ich neue Möglichkeiten ergreifen, auch wenn ich mich nun als Verlassene sah.

Die nächsten Wochen wirbelten mich förmlich um. Ich schrieb mich für Tanzkurse ein, besuchte nach der Arbeit die Studios. An den Wochenenden ging ich ins Museum, ins Kino, ins Fitnessstudio zum Glück hatte ich Gesellschaft. Meine Nachbarin Irma, eine alleinstehende Witwe, wurde meine treue Begleitung.

Ingolf studierte in einer anderen Stadt und kam nur selten nach Hause. Ich war nun für mich allein, kochte nur das, worauf mir der Sinn stand, musste mich nicht mehr nach jemand anderem richten. Ich widmete mich den Dingen, die mir Freude machten; niemand durfte mir etwas verbieten. An einen neuen Mann dachte ich nicht allein zu sein war eigentlich gar nicht so schlimm.

Die Scheidung verlief leise, fast freundschaftlich. Im Gerichtsgebäude sah ich Katrin im Flur, eine hübsche Frau, die wohl das süße Gespür ihres Mannes hatte. Leonhard übermittelte monatlich das versprochene Geld, sein Unternehmen lief gut, und er konnte mich und Ingolf weiterhin unterstützen. Katrin schien von dieser Unterstützung nichts zu wissen sicher würde sie das nicht gutheißen.

Ein Jahr verging. Mein Alltag blieb gleich: Tanzen, Sport, ab und zu ein Kurztrip ins Ausland. Leonhards Zahlungen blieben aus, und ich wollte nicht nach dem Grund fragen vermutlich hatte Katrin ein Wort darauf. Ingolf verdiente inzwischen gut neben dem Studium und konnte seine Ausbildung selbst finanzieren. Mein Einkommen reichte für die eigenen Bedürfnisse.

An einem faulen Sonntag, ohne Eile, kochte ich wieder Fischsuppe, stellte fest, dass das Brot, das ich so gern mochte, ausging. Ich rannte zur Bäckerei und dort begegnete mir zu meinem Erstaunen Leonhard.

Leon, was machst du hier? rief ich.

Er lächelte verlegen. Liselotte, hallo. Ich wohne jetzt ganz in der Nähe, habe eine Wohnung gekauft.

Was ist mit Katrin? Und das Kind? fragte ich.

Eine Tochter, sagte er. Die Geschichte ist ein wahres Trauerspiel. Katrin war eigentlich von einem Konkurrenten eingeschleust, hat mich manipuliert, damit ich das Unternehmen auf sie übertrage. Sie wollte mich verlassen, mich ruinieren. In der Aufregung nach der Geburt habe ich alles unterschrieben, habe aber ein geheimes Konto für mich behalten, das sie nicht kennt. Am Ende hat sie mich rausgeworfen, das Kind ist nicht meines, das Unternehmen ging an den Konkurrenten. So ein Schlamassel, wie aus einem schlechten SeifenDrama. Er seufzte. Ich habe jetzt eine neue Wohnung, einen Job, lebe gut, aber das alte Leben ist vorbei. Ich kann dir nicht mehr helfen, tut mir leid. Vielleicht willst du gar nicht mehr mit mir sprechen.

Ich fühlte sogar Mitleid mit ihm, trotz seiner Verfehlungen. Du warst ein Narr, Leon. Komm, ich habe Fischsuppe gekocht, deine Lieblingssuppe.

Wir setzten uns an die alte Küche, die uns so viele Jahre begleitet hatte, und redeten herzlich über das, was war und was blieb. Es war nicht mehr Ehe, sondern ein Abschied unter Freunden.

Gelegentlich telefonierten wir noch, aber eine Versöhnung war nie in Sicht. Jeder ging seinen Weg. Auf einem Tanzabend lernte ich den Mann kennen, den ich später heiratete; wir wurden glücklich.

Leonhard war eingeladen zu unserer Hochzeit, kam und freute sich für mich. Dort lernte er die Schwester meines neuen Mannes kennen. Ein halbes Jahr später tanzten wir gemeinsam auf seiner eigenen Hochzeit.

Das Leben ist ein unberechenbares Spiel. Man darf nie verzagen und sich nicht selbst begraben, egal was passiert. Man weiß nie, welche Wendungen das Schicksal bereithält man muss einfach leben und jeden Tag genießen.

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