Monika wartet auf die Kinder, es gibt sonst niemanden

Monika wohnt auf der anderen Straßenseite. Wir sind schon seit Jahren befreundet. Sie weiß absolut alles über mich, genauso wie ich über sie weiß. Monika hat drei Kinder. Sie hat sie allein aufgezogen. Die Frau hat sich ganz der Erziehung ihrer Kinder gewidmet. Sie hat nie wieder geheiratet.

Ihre Kinder leben in verschiedenen Teilen der Welt. Sie kommen nur selten zu Besuch. Monika hat ein Telefon gekauft, um mit ihnen zu sprechen, aber sie können nicht lange miteinander reden.

Monika verbringt ihre Abende allein. Tagsüber arbeitet sie im Hof oder im Garten. Ich beobachte meine Freundin. Ich glaube, sie ist oft traurig.

Meine Tochter kommt oft zu mir. Sie verbringt jedes Wochenende mit mir.
Monica kam am Samstag mit einem Kuchen. Sie wollte sich setzen und reden. Ich glaube, sie fühlt sich einsam.

In letzter Zeit war Monika sehr fröhlich. Die Kinder haben versprochen zu kommen, nicht einzeln, sondern alle zusammen! Meine Freundin lief fröhlich herum und kümmerte sich um den Garten. Sie versuchte, alles in Ordnung zu bringen. Die erste Hälfte des Tages putzte sie den Hof. Am Nachmittag kam sie nach Hause. Das Küchenfenster war offen, also kochte sie für den Abend.

Die Uhr zeigte 19.00 Uhr. Moniks Hof war leer. Alle zwanzig Minuten ging sie hinaus und hielt Ausschau nach den Kindern. Die Straße war ruhig, nicht einmal die Katzen waren unterwegs. Monica atmete schwer und ging zurück ins Haus.

Es war schon nach acht Uhr. Es war niemand auf der Straße. Der Zeiger der Uhr näherte sich langsam der Neun-Uhr-Grenze. Ich machte mir Sorgen um meine Freundin. Sie hatte aufgehört, nach draußen zu gehen. Die Lichter in ihrem Haus waren aus.

Ich klopfte an Monicas Tür. Nach ein paar Sekunden kam sie hereinspaziert. Sie hatte ein Lächeln im Gesicht. Als sie mich sah, war sie verärgert.

– Ich entschuldigte mich. Ich hatte jemand anderen erwartet. Nichts für ungut. – Monica entschuldigte sich.

Ich nahm meine Freundin bei der Hand und zerrte sie ins Haus. Ich setzte den Kessel auf und Monica schnitt den Apfelkuchen an. Sie verbrachte den Abend mit mir. Sie beklagte sich über die Kinder. Sie versprachen, zu mir zu kommen. Monica wartete und machte sich fertig. Keiner erinnerte sich an die alte Mutter.

Am Morgen kam Monika zu mir zum Frühstück. Es machte mir nichts aus.
In der Nacht schlief sie kaum. Beleidigung und Schmerz ließen sie kein Auge zutun.

Monica schaute traurig in ihre Tasse.
– Wo soll das ganze Essen hin? – fragte sie.

Ich schaffte es nicht, etwas zu sagen. Meine Aufmerksamkeit wurde durch ein Auto vor dem Fenster geweckt. Es hatte vor Monicas Tor angehalten.

– Was meinst du, wohin? Du fütterst die Gäste! – sagte ich und deutete auf das Fenster.

Monica sprang zum Fenster hinauf. Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht.

– Da seid ihr ja! Endlich bist du da! – rief Monica vor Freude.

 

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: