— Mama, ich kann mich nicht um dich kümmern! Ich habe mein eigenes Leben!
Ich bin schon über vierzig. Ich habe Kinder, einen Job und viele Verpflichtungen. Tagsüber habe ich nicht einmal Zeit, mich hinzusetzen, und mein Mann beschwert sich, dass ich ihm zu wenig Aufmerksamkeit schenke. Als ob er nicht bemerken würde, dass ich nach der Arbeit putze und koche.
Außerdem muss ich mit den Kindern Hausaufgaben machen – das will er nicht übernehmen. Mama hat mir nie wirklich geholfen. Sie hat sich um die Enkel gekümmert, als sie noch ganz klein waren, aber später hat sie sich irgendwie zurückgezogen. Das hat sie jedoch nicht davon abgehalten, mich jeden Tag anzurufen und mich zu bitten, vorbeizukommen.
— Mama, verstehst du nicht, dass ich mich wie ein Hamster im Rad drehe? Ich habe absolut keine freie Zeit! Außerdem ist mein Laptop in der Reparatur. Ich muss jeden möglichen Zusatzjob annehmen, um ihn zu bezahlen.
Ich konnte am Wochenende nicht vorbeikommen, weil ich zwei Tage lang an einem Bericht gearbeitet habe. Und am Abend sind wir mit den Kindern ins Kino gegangen – sie hatten mich schon einen Monat darum gebeten. Einige Tage später fing Mama wieder an, anzurufen.
— Komm doch wenigstens für zehn Minuten vorbei!
— Mama, ich kann doch nicht einfach alles stehen und liegen lassen! Ich habe mein eigenes Leben. Ich kann mich nicht um dich kümmern!
Nach diesen Worten legte ich auf. Es ärgerte mich, dass Mama mich überhaupt nicht zu hören schien. Ab diesem Moment rief sie nicht mehr an. Ich dachte, sie wäre beleidigt. Aber als ich sie anrief, war ihre Nummer ausgeschaltet. Ich musste alles stehen und liegen lassen und zu ihr fahren.
Mama öffnete die Tür nicht. Zum Glück hatte ich meinen eigenen Schlüssel und konnte hineingehen.
Sie lag da, als würde sie schlafen. Ich rief sie mehrmals, aber sie reagierte nicht. Als ich sie berührte, wurde mir klar, dass ich zu spät gekommen war.
Auf dem Tisch stand eine Schachtel mit einem neuen Laptop. Sie wusste, dass mein alter komplett kaputt war. Sie wollte ihn mir schenken, deshalb hatte sie so hartnäckig angerufen und mich eingeladen. Und was soll ich jetzt damit machen?
Ich setzte mich neben sie und fing einfach an zu weinen. Ich werde mir diese Gleichgültigkeit nie verzeihen. Ich hoffe, dass meine Geschichte für jemanden eine Lehre sein wird.
Sprecht mit euren Liebsten, besucht sie und nehmt euch jeden Tag wenigstens ein paar Minuten Zeit für sie, damit ihr nicht in meine Lage kommt. Niemand weiß, wann das letzte Treffen sein wird.
Ich weiß nicht, wie ich jetzt damit leben soll. Was soll ich tun?