Komm mit mir!

Komm mit mir! Ich habe jetzt keinen Hund im Hof. Du könntest ein guter Wachhund sein ich werde dich nicht misshandeln!

Opa Friedrich setzte sich auf sein klappriges Fahrrad und fuhr gen Dorf Kleinburg. Unterwegs warf er immer wieder einen Blick nach hinten, doch niemand folgte ihm.

Der Hund, den er später Stella nannte, war einst ein zurückgezogenes Tier, das man im Wald kaum bemerkte.

Einst, vor vielen Jahren, streifte Opa Friedrich durch den Wald, um Haselnüsse zu sammeln, und entdeckte ein nasses Welpenjunge, das allein zwischen den Bäumen umherirrte. Niemand wusste, wie das Tier dort gelandet war. Es stand zitternd im Regen, ohne Leine, nur ein kleines, durchnässtes Fellbällchen. Friedrich beugte sich zu ihm herunter.

Der Welpe wirkte unbeholfen und wenig hübsch, doch seine braunen Augen blickten klug und alt.

Komm mit mir! Ich habe keinen Hund mehr im Hof. Du könntest ein guter Wachhund sein ich will dir nichts tun!

Er setzte sich wieder auf das Fahrrad und fuhr zurück nach Kleinburg. Auf dem Weg drehte er immer wieder den Kopf, aber niemand lief ihm nach. Das Waldbegegnung geriet fast in Vergessenheit.

Zu Hause erwartete ihn ein stattlicher Bauernhof: drei Ferkel, ein Schwein mit zehn Frühlingen, die Kuh Milka, ein Dutzend Hühner, sechs Enten mit ihren Küken und die Katze Pluto.

Friedrich zündete sich eine selbstgerollte Zigarette an, öffnete das Tor und wollte sich endlich auf die Bank vor dem Haus setzen, als er plötzlich ein leises Knurren hörte.

Vor ihm standen wieder diese braunen Augen, die ihn aufmerksam musterten. Der Welpe rückte ängstlich zurück und verschwand im Schatten.

In den folgenden Tagen starrten die braunen Augen ihn jeden Abend an, als wollten sie seine Seele prüfen.

Eines Morgens, als Friedrich auf der Bank saß, trat die kleine Hündin zu ihm, schnüffelte, legte sich an seine Füße und rollte sich dort ein.

Opa Friedrich war kein besonders zärtlicher Mann; er behandelte Tiere eher wie Nutzgegenstände. Doch er hatte so viele Schweine, Kühe, Hühner und andere Tiere, dass sein Gedächtnis für einzelne Hunde längst verschwommen war. Der Hundehausstall stand leer.

An einem frühen Sommermorgen, als ein Sturm über das Land zog, diagnostizierte der Tierarzt Zeckenbefall. Friedrich, ein harter Kerl, weinte kaum; seine Frau Katrin war noch entschlossener. Das ganze Dorf erinnerte sich noch daran, wie sie einst ein Kälbchen mit bloßer Faust erschlug, weil es zu laut war.

Friedrich blickte auf das Welpenjunge, das nun zu seinen Füßen lag, und die braunen Augen verfolgten ihn aufmerksam.

Also, du hast wohl beschlossen zu bleiben? Dann hör zu: Ich füttere dich zweimal täglich, soweit es Gott erlaubt, und ich werde dich nicht misshandeln. Es gibt einen warmen Stall, ich lasse dich nachts ein Stück weit frei, aber du musst den Hof bewachen, damit niemand unbemerkt vorbeikommt. Wenn du einverstanden bist, komm mit mir.

So begann Stellas neues Leben. Opa Friedrich nannte sie Stella, ein Name, den er einst in einem alten Gedicht gehört hatte. Stella bekam einen warmen Stall, ein großes Anwesen und eine Kette.

Mit der Zeit wuchs sie vom unbeholfenen Welpen zu einem riesigen, kräftigen Hund heran, vor dem das ganze Dorf zurückschreckte. Man munkelte, in ihrer Ahnenreihe könnten sogar Wölfe stecken. Sie war wunderschön und eigenartig: kein Schwanzwedeln, kein Pfötchenlecken. Wenn Opa Friedrich oder seine Frau sich ihr näherten, lag sie ruhig da und beobachtete sie mit klugen Augen.

Fremde jedoch stellte sie mit einem tiefen Knurren zur Wehr. Ihr Gebrüll war furchterregend, besonders tagsüber, sodass man den Stall aus dem Hof ins Feld verlegte, damit die Dorfbewohner nicht über das Tor stolpern.

Nachts ließ Friedrich sie manchmal für ein paar Stunden laufen, rief ihr zu:

In drei Stunden bin ich zurück, damit du hier bist! Die Melkerinnen fürchten das morgendliche Melken, wenn du nicht da bist! Drei Stunden!

Stella biss nie jemanden, sie war nur wachsam. Die Welpen, die sie zur Welt brachte, verbreiteten sich schnell; Leute aus benachbarten Dörfern kamen, um die Welpen zu kaufen, obwohl sie das ganze Dorf einschüchterten.

An einem gewöhnlichen Sommertag lag Stella nach dem Frühstück in der Sonne neben ihrem Stall und beobachtete mit einem Auge das spielende Mädchen Mia, das im Sandkasten unter einem großen Baum spielte, und mit dem anderen das Sprichwort Katrin, die Gärtnerin, schuftete im Beet.

Mia, gerade drei Jahre alt, rannte voller Freude zu Stella und rief:

Stella! Stella!

Stellas Herz pochte vor Freude, als das kleine Mädchen sie umarmte.

Plötzlich spürte Stella einen scharfen Schmerz an ihrer Nase, als die Katze Pluto mit den Krallen kratzte:

Mach was! Mia wird gleich ertrinken! schrie die Katze.

Stella blickte über den Zaun, sah Mia nicht im Sandkasten, nicht auf der Schaukel, nicht am Baum.

Sie ist am Teich! Ihr Badeanzug liegt im Wasser! Hilf mir! Ich höre sie nicht!, jaulte Stella.

Sie bellte lauter als je zuvor, sprang, zerrte an der Kette, rannte zum Teich und ließ ihr Heulen über das Dorf hallen.

Katrin, die das laute Jaulen hörte, sprang auf und sah die verzweifelte Szene.

Stellas Heulen war so wild, dass das Haar der Dorfbewohner zu Berge stand.

Einige Minuten später fanden die Helfer Mia im flachen Wasser und zogen sie heraus. Die Dorfbewohner kamen mit der Krankentransport, die Eltern weinten und lachten zugleich.

Am Abend kam eine Delegation zu Stella: Mias Vater Ilja, seine Frau und Opa Friedrich. Ilja kniete nieder und sprach:

Danke, dass du meine Tochter gerettet hast! Ich vergesse das nie! Komm zu mir in die Stadt, ich habe ein großes Gehege, füttere dich reichlich und wir gehen oft spazieren.

Stella sah ihn mit ihren braunen Augen an, legte kurz ihr Haupt auf seine Schulter und ging dann zurück zu Opa Friedrich, legte sich an seine Füße. Er stand wie erstarrt da, unfähig, die Zuneigung zu erwidern, während heimlich ein Träneperlenlauf über sein knochiges Gesicht rollte.

Und so blieb Stella im Hof von Kleinburg, bewachte den Hof und schenkte dem Dorf Sicherheit und Wärme.

**Lehre:** Oft findet man das, was man sucht, an den unerwartetsten Orten; wahre Freundschaft entsteht aus Vertrauen, Verantwortung und der Bereitschaft, füreinander einzustehen.

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