Mein Schwiegersohn droht: Keine Tochter mehr, wenn ich das Haus meiner Mutter nicht verkaufe.

Ich habe fast ein halbes Leben lang allein überlebt. Nein, ich war zwar verheiratet, doch mein Mann Peter verließ die Familie ein Jahr nach der Hochzeit. Zu dieser Zeit brachte ich gerade meine Tochter Liselotte zur Welt. Am Ende hinterließ Peter uns eine DreiZimmerWohnung wenigstens ein bisschen Fairness. Noch ein zweites Mal zu heiraten, hatte ich nicht vor. Und ich war ja auch nicht die Typfrau, die das will.

Liselotte wuchs heran und musste auf eigenen Beinen stehen. Das war ein ständiges Auf und Ab, das Chaos war bis zum Hals. Ich gab alles, doch mir wurde klar, dass ihr das väterliche Schulterklopfen fehlte das konnte ich ihr nicht mehr geben. Deshalb klammerte sich meine Tochter immer stärker an jeden Burschen, mit dem sie befreundet war oder eine Beziehung hatte. Nicht jeder mochte diese Anhänglichkeit. Ich musste oft Liselotte beruhigen und ihr gebrochenes Herz kitten. Aber das Schicksal war gnädig, und schließlich traf sie ihren Mann.

Klaus war ein richtiger Hausmann und ein netter Kerl. Ich war nur dafür da, dass Liselotte ihn heiratet. Er behandelte mich und meine Liselotte mit Respekt. Was wollte man mehr? So hielt ich ihn für den perfekten Schwiegersohn. Aber das Märchen endete nicht ganz so glücklich. Ein halbes Jahr nach der Hochzeit hatte Klaus sich merklich verändert.

In der Zwischenzeit kümmerte ich mich um meine eigene Mutter, die noch lebte. Sie hatte mich früh geboren, genau wie ich Liselotte, und war daher noch die Großmutter. Plötzlich wurde sie jedoch krank. Die Schwäche übermannte sie, sodass ich die alte Dame zu mir nehmen und rund um die Uhr pflegen musste. Es gab keinen anderen Ort, an den sie gehen konnte, also wohnte sie bei mir. Diese Idee gefiel Klaus überhaupt nicht.

Was ihn so auf die Palme brachte, weiß ich nicht. Ich zwang ihn ja nicht, die alte Frau zu versorgen. Ganz im Gegenteil, die ganze Belastung fiel auf meine Schultern. Und meine Mutter war auch nicht gerade anspruchsvoll, wenn man es rational betrachtet. Ich verstehe nicht, was Klaus an der Situation störte.

Mit der Zeit verschlechterte sich alles weiter. Liselotte stellte sich auf Klaus Seite. Beide mieden mich. Früher saßen wir gemeinsam am Esstisch, jetzt verstecken sich die Kinder in ihrem Zimmer. Ich versuchte, mit meiner Tochter zu reden, aber vergeblich. Sie schwieg und suchte Ausflüchte.

Die Enkelkinder trösteten mich nicht. Sie sagten, solange sie nicht eilig seien, leben sie für sich. Zuerst bestand ich darauf, später ließ ich es locker. Das ist ihre Sache, sie regeln das selbst. Doch Klaus begann, mich zu nerven wie man so sagt. In meinem Haus benahm er sich wie ein richtiger Herr im Haus, obwohl er nicht einmal einen Finger rührte, um zu reparieren oder etwas für die Wohnung auszugeben. Stattdessen verschwand er häufig mit Freunden in Clubs. Ich verstehe nicht, wohin der einst so wunderbare Schwiegersohn verschwunden ist.

Jetzt zeigte er erst seine wahre Natur.

Wöchentlich wurde Klaus unerträglicher. Und dann kam Silvester, und er weigerte sich, mit uns im Familienkreis zu feiern. Er zog Liselotte in ein separates Zimmer und sie feierten mit mir und meiner Mutter allein. Um Mitternacht kam die Tochter noch, um zu grüßen, aber ihr Mann hob nicht einmal die Nase.

Am nächsten Tag erklärte er: Wir verkaufen das Haus deiner Mutter und kaufen uns eine eigene Wohnung. Ich wusste nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Und warum eigentlich? Sie wohnen seit einem halben Jahr bei mir auf meine Kosten! Ist das nicht genug?

Nein, das sehe ich anders. Kauft euch selbst eine Wohnung. Das ist das Haus meiner Mutter. Wir verkaufen nichts. Das ist ihr Eigentum, und sie wird selbst entscheiden, protestierte ich.

Klaus war darüber empört. Noch am selben Tag packte er seine Sachen, nahm Liselotte und fuhr zu seinen Eltern.

Es war traurig, dass meine Tochter nicht einmal ein Wort protestierte, aber das ist ihr Leben. Wenn sie meint, das sei besser für sie, soll sie mit Klaus leben.

Hat die Frau richtig gehandelt?

Wie würdet ihr an ihrer Stelle entscheiden?

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