Sie ist nicht ihre Verwandte, diesen Fünfen… Und würdest du das sagen….

JohannMüller verlor seine Frau, weil sie nach der letzten Geburt nicht mehr mit ihm reden konnte.

Ob man nun weint oder lacht am Ende blieben fünf Kinder. Der Älteste, Klaus, ist neun, dann Friedrich, sieben, die Zwillinge Sascha und Leon, beide vier, und die Jüngste, gerade einmal drei Monate alt, heißt Anke ein richtiger KiezName, den man sonst kaum hört.

Johann hat nie Langeweile, wenn die Kleinen nach Essen betteln. Doch wenn er nachts um halb zwölf in der Küche steht und eine Zigarette raucht, fühlt er sich manchmal wie ein einsamer Fischer im Sturm.

Anfangs schob er alles allein hin. Seine Schwägerin kam gelegentlich vorbei und half ein bisschen. Weitere Verwandte gab es nicht. Sie wollte sogar Sascha mit Leon mitnehmen und meinte, so hast du weniger Arbeit. Dann tauchten noch ein paar weitere Onkel aus der Ferne auf.

Man schlug vor, die Kinder ins Heim zu geben. Johann schüttelte den Kopf: Meine Kinder sind nicht zum Auslaufen. Wie soll man denn fremde Kinder abgeben und dann weiterleben? Schwer, ja, aber was bleibt ihm sonst? Sie wachsen langsam, und irgendwann werden sie groß.

Bei den Ältesten schaffte er es manchmal, die Hausaufgaben zu kontrollieren. Anke bereitete ihm die größten Kopfschmerzen, das ist klar. Zum Glück kamen Nachbarsjunge Kolja und sein Freund Ilja vorbei und halfen aus.

Die Pflegeschwester NinaIwanova kam häufig vorbei, kümmerte sich, brachte sogar an, eine Nanny zu organisieren. Sie erzählte, die Nanny sei eine hübsche, fleißige junge Frau, die im Krankenhaus arbeitet.

Nina selbst ist unverheiratet, hat aber aus einer großen Familie im Nachbardorf schon viele Kinder großgezogen. So kam Luisa zu ihnen nach Hause.

Luisa ist klein, robust, rund im Gesicht, trägt eine nicht mehr modische, bis zur Hüfte reichte Zöpfe. Sie redet wenig, aber das ändert das Haus von Johann komplett. Sie putzt, wäscht die Kinderkleidung, betreut Anke, brät und kocht. In der Schule und im Kindergarten bemerkten die Erzieher sofort den Unterschied: Die Kinder sind sauber, ordentlich, die Knöpfe passen wieder und die Ellenbogen sind nicht mehr zerkratzt.

Eines Tages bekam Anke Fieber. Die Ärztin sagte, sie werde wieder gesund, Hauptsache die Pflege sei gut. Nina blieb die ganze Nacht an Ankes Seite, legte nie ein Auge zu und half, wo sie konnte. So blieb Luisa in Johanns Haus als ErsatzMama, die nie knauserte, wenn es um Zuneigung ging. Sie lobte, strich über die Köpfe, umarmte und schenkte Wärme.

Die Älteren, Klaus und Friedrich, konnten anfangs nicht glauben, dass es keine echte Mama mehr gab. Dann nannten sie sie einfach Luisa. Keine Nanny, keine Mutter einfach Luisa, damit sie nicht vergaßen, dass sie doch eine Art Mutter für sie war. Und weil sie kaum älter war als ihre Mutter, passte der Name sogar gut.

Luisa hatte Verwandte, die protestierten:

Wohin mit so einer Haut am Hals? Haben wir hier nicht genug Buben im Dorf?
Buben gibts genug, antwortete sie, aber ich hab ein Herz für Johann

So lebten sie fünfzehn Jahre, fast unbemerkt, und die Kinder wuchsen. Nicht immer lief alles glatt manchmal steckte ein Sohn einen Stift in den Hintern, Johann schlug nach dem Gurt, Luisa zog ihn zurück und rief: Halt, Vater, denk erst nach!

Sie stritten, sie versöhnten sich, und irgendwann nannte man sie nicht mehr einfach Luisa, sondern FrauLuisaMüller mit Respekt.

Klaus war inzwischen verheiratet, wartete auf das erste Kind. Er lebte im Dorf, arbeitete im Landwirtschaftsbetrieb, wurde jedes Jahr mit Urkunden und Prämien bedacht. Friedrich schloss sein Ingenieurstudium in der Stadt ab; Luisa war besonders stolz: Jetzt wird unser Sohn Ingenieur!

Alle halfen einander spielten, standen wie ein Berg zusammen und feierten jedes Fest. Anke kam in die neunte Klasse, war Luisa ebenfalls ein ganzer Stolz und sang, tanzte, machte jedes Fest erst richtig bunt.

Johann dachte immer wieder daran, wie Nina Iwanova die richtige Frau für ihn gefunden hatte. Im Sommer dieses Jahres spürte Luisa ein seltsames Ziehen im Bauch, ging zum Arzt und hörte: Sie bekommen noch ein Kind. Am Abend rief sie Johann auf den Balkon:

Setz dich, Vater, wir müssen reden Der Arzt hat gesagt, ich bekomme ein Baby. Es ist zu spät, etwas zu verheimlichen Schäm dich nicht!

Johann staunte: Nach all den Jahren noch ein Baby? Und das, wo wir schon fast alle zu Haus sind?

Was, 39 Jahre alt, das ist doch kein Grund, warf Anke ein, während sie ihr Haar zurückstrich. Was soll ich nur tun? Schäm dich nicht!

Okay, ich sags morgen, sagte Johann und ließ das Gespräch ruhen.

Am nächsten Morgen versammelten sich alle am Küchentisch. Meine lieben Kinder, sagte Johann, bald gibt es wieder einen Bruder oder eine Schwester. Luisa senkte den Kopf, ihre Wangen röteten sich bis zu den Tränen.

Klaus lachte: Klasse, Mama! Noch ein kleines Wesen! Dann haben wir wieder genug zu tun!

Sascha jubelte: Ja, Mama, ein Bruder!

Leon widersetzte sich: Nein, ein Mädchen! Wir haben schon zu viele Jungs, ein Mädchen würde die Prinzessin im Haus ausgleichen.

Anke blickte Leon an: Ausgleichen? Dann machst du das? Ich will Schleifen machen und schöne Kleider kaufen!

Friedrich grinste: Ist sie jetzt ne Puppe? Wir müssen ja noch was zu erziehen.

Johann nickte: Wir erziehen sie zusammen.

Luisa bedeckte ihren wachsenden Bauch mit einem Tuch, zog im Sommer einen leichten Mantel drüber und tat, als wäre alles ganz normal.

Die Monate vergingen, das erste Kind kam ein Junge, den sie Tobias nannten. Klaus bekam endlich sein erstes Kind, ein kleiner Junge namens FriedrichJuniMüller. Sascha und Leon gingen ins Agrartechnikum, Friedrich kehrte an die Uni zurück, und Anke startete ihr Schuljahr.

Das Haus war plötzlich still, das letzte Lachen verklang. Luisa wartete auf Anke, dann kam plötzlich ein stechender Schmerz im Unterleib. Johann rief: Lustige, ich ruf den Rettungswagen!

Kurz darauf stand ein Krankenwagen vor der Tür, eine junge Pflegerin überreichte zwei kleine Pakete, eines mit Blau, das andere mit Rosa, und Luisa hielt das rosa Bündel zärtlich in den Händen.

Johann nahm das blaue, Klaus das rosarote, und Anke öffnete ihr Paket: Schwesterchen, du hübsche Kleine!

Sie gaben der Pflegerin Blumen und einen kleinen Kuchen, wie es sich gehört, stiegen dann in den Bus des Landwirtschaftsbetriebs, den der Betriebsleiter bereitstellte schließlich ein wichtiges Ereignis.

Danke, Mama, du hast uns allen ein Lächeln gebracht, sagte Klaus, während er das rosarote Paket hielt.

Luisa lächelte leise und dachte bei sich: Wir werden die Kinder zu guten Menschen erziehen Gott sei Dank.

Sie blickte zu Johann, der das blaue Paket hielt, und sagte: Wir werden sie nennen

Alle warfen gleichzeitig Namensvorschläge in die Runde, jeder suchte etwas, das ihnen gefiel oder an jemanden erinnerte.

Der Busfahrer, ein alter Freund von Johann, hörte das fröhliche Stimmengewirr und dachte bei sich: Sie sind ja fast wie eine eigene kleine Familie.

Und so ging das Leben weiter mit ein bisschen Ironie, viel Liebe und einer ordentlichen Portion Humor.

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