Sie ist nicht ihre Verwandte, diese fünf… Und würdest du sagen…

Hey, ich muss dir unbedingt die Geschichte von Johann und seiner wilden Truppe erzählen klingt fast wie aus einem Märchen, aber das ist sein echtes Leben in Brandenburg.

Johann Müller hat seine Frau verloren, kurz nach der letzten Geburt. Was für ein Schicksal, aber es blieben fünf Kinder zurück. Der Älteste, Niklas, ist jetzt neun, dann kommt Lukas mit sieben, die Zwillinge Sascha und Leopold sind vier und das kleinste Baby, die drei Monate alte Anke, ist die lange erwartete Tochter.

Man kann nie traurig sein, wenn die Kleinen nach etwas zu essen schreien. Und wenn alles erledigt ist, sitzt Johann oft nachts in der Küche und raucht eine Zigarette, während die Kinder schlafen.

Am Anfang hat Johann alles allein hingeprasselt. Seine Schwägerin kam ab und half ein bisschen, aber sonst war niemand da. Sie wollte sogar Sascha zu sich holen, weil er ja leichter zu handhaben wäre. Dann kamen zwei Nachbarn, die die Aufsicht übernehmen wollten. Man hat sogar vorgeschlagen, die Kinder ins Kinderheim zu geben. Aber Johann? Der wollte keinen seiner Söhne einfach weggeben. Wie soll man denn dann weiterleben?

Die Ältesten schaffen es manchmal noch, ihre Hausaufgaben zu kontrollieren. Anke ist natürlich die größte Herausforderung, aber hier kommen ein paar Helfer ins Spiel. Liesl, die kräftige, rundliche Tante aus dem Nachbardorf, taucht plötzlich auf. Sie ist nicht besonders gesprächig, trägt immer einen dicken Zopf bis zur Hüfte und hat den Dreh raus, das ganze Haus zu putzen, die Kleidung zu waschen und Anke zu versorgen. In der Schule und im Kindergarten fielen sofort die Veränderungen auf die Kinder sind sauber, ihre Knöpfe sind nicht mehr mit schwarzem Garn auf weißen Kleidern vernäht, die Ellenbogen sind nicht mehr verkrustet.

Eines Tages wurde Anke krank, ihr Fieber stieg. Die Ärztin sagte, sie brauche viel Pflege. Nina Schulz, die Pflegeschwester aus dem örtlichen Krankenhaus, kam jede Nacht vorbei und ließ die Kleine nie allein. Sie versprach sogar, eine Tagesmutter zu schicken. Die Tagesmutter heißt Leni, ist 28, arbeitet im Krankenhaus als Kinderpflegerin und ist eine echte Powerfrau.

Leni hat nie eigene Kinder, ist aber aus einer großen Familie und kennt das Aufziehen von Geschwistern. Sie ist klein, robust, mit einer altmodischen Frisur und schweigt fast die ganze Zeit. Und plötzlich blüht das Haus von Johann wieder auf. Sie wäscht die Kinderkleider, kocht und passt Anke im Schlaf an. Die anderen Kinder merken, dass jetzt alles ordentlich ist.

Einmal fiel Anke plötzlich krank zusammen. Die Ärztin meinte, sie erstehe sich gut, aber sie müsse genau beobachtet werden. Nina blieb die ganze Nacht bei ihr, legte sich nicht hin und war immer da. Das hat die Kinder tief beeindruckt, und Leni ist zu einer Art zweiter Mutter geworden sie streichelt, lobt, umarmt und schenkt Zuneigung, die die Kinder so lange vermisst hatten.

Niklas und Lukas, die beiden Ältesten, nannten Leni am Anfang die Fremde, weil sie nicht wussten, wie man sie nennen sollte. Dann hieß sie einfach nur noch Leni weder Kindermädchen noch Mutter, einfach Leni, denn das erinnerte sie daran, dass ihre eigentliche Mutter ja immer noch bei ihnen war. Die anderen aus ihrer Heimat waren nicht begeistert.

Wieso hängst du dir so ein Stück Kleider an den Hals? Wir haben doch genug Jungs im Dorf?, fragten sie.

Ja, wir haben Jungs, aber mir tut Johann leid, antwortete Leni und die Kinder gewöhnten sich daran, dass sie jetzt immer da war.

Fünfzehn Jahre vergingen wie im Flug. Die Kinder wuchsen, gingen zur Schule, lernten, machten Fehler, und Johann wurde manchmal wütend, griff nach dem Gürtel, und Leni zog ihn weg: Halt, Papa, lass uns zuerst reden. Sie stritten, machten Frieden, und die Dorfbewohner nannten sie nicht mehr Leni, sondern Frau Leni Weber, mit Respekt.

Niklas war inzwischen verheiratet, seine erste Frau wartete noch. Er arbeitet im landwirtschaftlichen Betrieb, ist dort Mechaniker, bekommt jedes Jahr Auszeichnungen. Lukas studiert in der Stadt Ingenieurwesen, worauf Leni besonders stolz ist ihr Enkel wird Ingenieur. Anke ist jetzt in die neunte Klasse gekommen, tanzt, singt und ist das Herz jeder Feier.

Johann dachte immer wieder daran, wie gut Nina ihm die Tagesmutter besorgt hat. Im Sommer spürte Leni plötzlich ein unangenehmes Ziehen im Bauch. Sie dachte, es sei nur ein schlechtes Gewissen, doch das war nicht so. Johann schlug ihr vor, nach draußen zu gehen, weil es ihr schlecht ging, und schließlich musste sie doch zum Arzt.

Zu Hause war es still, Leni wirkte nachdenklich. Sie schob Johann auf den Balkon und flüsterte: Papa, ich habe etwas zu sagen Der Arzt hat mir gesagt, ich bekomme ein Kind. Es ist zu spät, aber ich muss Ich schäme mich. Johann war völlig überrascht nach all den Jahren keine Kinder mehr, und jetzt plötzlich?

Ach, das ist doch kein Grund zum Schamen, Mama! Wir haben doch noch die älteren Kinder, die fast ausgesiebt sind die Natur hat alles richtig verteilt. Wir können uns darauf freuen, sagte er. Leni widersprach nicht, sondern nickte nur.

Am nächsten Tag versammelten sich alle am Küchentisch. Johann verkündete: Liebe Kinder, ihr bekommt bald einen neuen Bruder oder eine neue Schwester. Leni senkte den Kopf, wurde rot bis zu Tränen. Niklas, der gerade mit seiner jungen Frau zu Besuch war, lachte laut: Klasse, Mama! Dann gibts noch mehr zu feiern!

Sascha rief begeistert: Ja, ein kleiner Bruder, bitte!

Leopold meinte: Nein, ein Mädchen! Wir haben schon so viele Jungs, das Mädchen wäre die Prinzessin. Anke blickte ihn nur an.

Du hast die Prinzessin schon, Anke!, sagte er lachend. Wir kaufen ihr schöne Kleider, du würdest doch gern ein bisschen nähen?

Kleider? Was, soll ich jetzt mit einer Puppe spielen?, meinte Lukas spöttisch. Ein Kind großziehen ist harte Arbeit, fügte er ernst hinzu.

Johann nickte: Ja, wir werden das zusammen schaffen. Leni vergrub ihr Gesicht in den Händen, deckte ihren wachsenden Bauch mit einem Tuch zu, dann ein Schal, dann der Sommerwind, alles, um sich ein bisschen zu verstecken.

Die Monate vergingen, und dann kam endlich das freudige Ereignis: Niklas wurde Vater eines kleinen Jungen, Lukas schloss sein Studium ab und fuhr zurück, Sascha und Leopold gingen in die landwirtschaftliche Fachschule. Anke begann das neue Schuljahr und das Haus wurde plötzlich still nur noch das leise Rascheln der Blätter.

Leni wartete ungeduldig auf Anke, und plötzlich verspürte sie einen stechenden Schmerz. Sie rief nach Johann: Johann, ich glaube, es geht los Johann sprang sofort auf, rief den Krankenwagen, während Anke schrie: Mutter, warte! Der Sohn, Timo, kam herbei und sagte: Vater holt uns das Auto, du musst mitkommen. Johann riss die Jacke vom Kleiderbügel, drückte Leni an sich und sagte: Keine Angst, ich bin da.

Die ganze Nacht saß Johann auf dem Balkon des örtlichen Kreißsaals und rauchte, bis die ersten Sonnenstrahlen kamen. Am Morgen kam eine junge Krankenschwester raus, die sagte: Du rauchst noch? Das musst du jetzt reduzieren. Sie sah Johann an: Fünf Kinder hast du, das ist doch ein Fest. Johann stammelte: Fünf? Nein, sieben! Meine Frau hat doch noch zwei weitere gebracht! Die Schwester lachte: Zwei? Ein Junge und ein Mädchen! Der Junge ist laut, das Mädchen ein Sonnenschein. Sie bat Johann, die beiden Pakete mit Babykleidung zu holen.

Der ganze Familienverband kam zum Entlassungsritual. Die drei Studenten, die bei der Geburt geholfen hatten, kamen vorbei, brachten Blumen und einen Kuchen. Die Krankenschwester verteilte zwei gewickelte Pakete, eines mit blauem Band, das andere mit rosa. Leni stand verlegen im Hintergrund, nahm das eine Paket, das andere nahm Niklas.

Da ist etwas komisch, murmelte Johann, wie soll man das zu zweit tragen? Niklas nahm das zweite Paket und sagte: Hier, Papa, ich will das auch. Anke schielte neugierig hinein und rief: Schwesterchen, du bist so süß!

Sie gaben dem Arzt ein paar Blumen, das Krankenhaus schickte den Familienbus, den der Direktor des Landwirtschaftsbetriebs bereitstellte. Der Tag war gerettet.

Leni hielt das Paket in den Armen, lächelte leise und dachte: Wir werden die Kinder gut erziehen. Sie sah zu Johann, der das andere Paket hielt, und flüsterte: Wir schaffen das. Dann wandte sie sich an die Kinder: Wie sollen wir die Kleinen nennen?

Alle begannen sofort, Namen vorzuschlagen, die ihnen gefielen oder die an Verwandte erinnerten. Der Busfahrer, ein Freund von Johann, hörte das fröhliche Gemurmel und dachte: Nun, sie sind wirklich eine Familie, auch wenn sie nicht alle blutsverwandt sind.

Und das wars, mein Freund. Eine echte Geschichte aus unserem kleinen Dorf, voller Chaos, Liebe und einer Menge Euro, die wir alle zusammen durch die Jahre gehoben haben. Ich wollte sie dir einfach mal erzählen, weil sie mich immer wieder zum Lächeln bringt. Bis bald!

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