02.06.2026
Lieber Tagebuch,
Hallo, Heike, du kannst nicht kommen, mir geht es nicht gut.
Andreas und Nina haben mir den kleinen Kilian mitgegeben und sind zu Besuch gegangen; ich erreiche sie nicht mehr.
Schon wieder verlassen? Was soll das! Ich komme gleich, Mama.
Eine halbe Stunde später stand Heike an der Tür.
Der Blutdruck ist zu hoch, ich kriege ihn nicht runter. Mein Kopf zerspringt.
Willst du einen Krankenwagen rufen?
Nee, ich will einfach nur liegen bleiben. Und Kilian springt durch das ganze Zimmer, klettert überall hin er ist noch ganz klein, versteht noch nichts.
Heike brachte den Enkel in ein anderes Zimmer.
*Da haben sie wieder ihr kleines Opfer bei der kranken Urgroßmutter zurückgelassen das ist doch nicht zu fassen. Mama ist schon alt, es fällt ihr schwer, ein Kind zu betreuen, und sie hat sonst nichts zu tun. Nur Feiern und Alkohol im Kopf.*
Eine Stunde später tauchten Sohn und seine Frau wieder auf, leicht schräg vom Alkohol.
Andreas, Oma ist plötzlich krank, ihr geht keiner ans Telefon. Warum habt ihr Kilian wieder bei ihr gelassen?!
Mama, alles halb so wild! Oma tut nur so, ihr geht’s gut wie ein Pferd!
Sag das nicht! Ihr habt kein Gewissen! Ihr seid erst hier eingezogen und belastet die alte Dame noch zusätzlich!
Wollt ihr uns nicht doch eine Wohnung kaufen, wo wir leben können?
Vielleicht solltet ihr beide arbeiten gehen? Kilian könnte jetzt in den Kindergarten, die nehmen Kinder ab zwei Jahren, und ihr könntet Geld verdienen!
Wir arbeiten doch, wir führen einen Blog mit Nina. Wenn wir richtig durchstarten, fließt das Geld wie ein Strom. Wir haben schon Geld in Werbung gesteckt, bald kommt der große Durchbruch.
Quatsch! Blogger gibt’s wie die Flöhe am Kater! Wir können uns nicht einmal eine Wohnung leisten, du weißt das. Bevor ihr heiratet, hättet ihr darüber nachdenken sollen.
Ich bin doch nicht schuld, dass Nina sich so schnell vertragelt hat! Wir mussten heiraten.
Was, du bist nicht schuld? Habe ich das selbst veranlasst, oder was?! rief Nina hinein, ihr Atem nach dem Alkohol riechte.
Fang gar nicht erst an! Ich habe dir gesagt, du sollst dich zurückhalten Du bist jetzt selbst schuld.
Ich will eure betrunkenen Träumereien nicht mehr hören, ich gehe. Und beleidigt bitte nicht Oma!
Heike sah nach oben, die Großmutter schlief bereits. Das Medikament hatte gewirkt.
Und nicht laut sein, Oma schläft. Ich bin weg
Einige Tage später, nachdem die Nachricht über Ninas Fehltritt die ganze Familie erschüttert hatte, musste schnell eine kleine standesgemäße Hochzeit organisiert werden nur die engsten Verwandten.
Die jungen Leute wollten nicht in eine Mietwohnung ziehen und baten deshalb um Wohnraum bei Oma Anna.
Oma, du hast doch zwei Zimmer, das reicht uns. Nina hilft beim Putzen, Kochen und Einkaufen.
Na, willst du etwa deinem geliebten Enkel nicht helfen? Wir werden schon wieder auf die Beine kommen, dann kaufen wir ein Eigenheim und ziehen aus. Das dauert nur kurze Zeit.
Ach, Enkel, ich lebe seit Jahren allein, ihr seid so laut, ihr müsst sicher Musik anmachen und Gäste einladen. Und jetzt kommt noch ein Kind dazu keine Ruhe mehr Und ich habe Bluthochdruck.
Alles wird gut, mach dir keine Sorgen! Wir kümmern uns um die Enkelkinder.
Als Andreas und Nina schließlich zu Heikes Mutter zogen, baten sie sie, nichts zu sagen, weil sie befürchteten, dass Heike protestieren würde.
Kind, hör auf zu schimpfen. Sie werden noch ein bisschen leben und dann gehen. Sie sollen nicht auf der Straße wohnen.
Du hättest doch besser ein normales Arbeitsverhältnis finden sollen, Andreas. Jetzt macht ihr nur Unsinn. Die Kinder werden von den Eltern unterstützt, die Eltern bekommen noch etwas Geld von Ninas Eltern.
Andreas ließ das Studium liegen, hatte keine Ausbildung mehr, wurde wegen Asthma nicht zum Wehrdienst zugelassen, und jetzt verliert er den Verstand.
Ich habe nie abgelehnt, mich um den Enkel zu kümmern, doch als er täglich gebracht wurde, war ich wütend.
Ihr seid die Eltern, ihr solltet Zeit mit eurem Kind verbringen, nicht den ganzen Tag nur Videos drehen und mit Freunden abhängen. Bringt den Enkel wenigstens ein- bis zweimal die Woche vorbei, ich habe meine eigenen Dinge zu erledigen.
Daraufhin ließ man den Enkel wieder bei Oma Anna. Es fiel ihr schwer, aber Andreas versprach jedes Mal, dass es nicht wieder vorkommen würde.
Heike, deine Mutter ist jetzt ein Star im Internet, hast du das mitbekommen?
Nina sah überrascht zu mir.
Wie bitte? Sie nutzt das Internet nicht.
Andreas stellt ihr immer wieder dumme Fragen, sie antwortet ernst, und dann wird sie im Netz verspottet.
In den Kommentaren staunen die Leute, dass die Jugend ihre Großmutter verspotten würde. Sie weiß das gar nicht, sie filmt heimlich.
Heike war nun wirklich wütend, das ging zu weit. Sie verließ den Raum und wählte meinen Sohn.
Hallo, ja, Mama.
Andreas, warum filmst du Oma und stellst die Videos ins Internet? Bist du verrückt geworden?
Was ist daran schlimm? Das ist jetzt ein Trend! Sie beantwortet einfach die Fragen, nichts Kompliziertes Was ist das Problem?
Das hat Nina ausgedacht. Unser Content lebt von solchen Clips, weißt du, wie viele Likes ihre Videos bekommen?
Keine Ahnung und das will ich jetzt nicht wissen! Ihr habt alle Videos gelöscht! Das ist hinterhältig, versteht ihr das nicht?
Nichts Hinterhältiges. Sie hilft uns, unser Konto zu pushen, wir verdienen schneller und können ausziehen.
Regelt eure Probleme selbst! Schändet nicht die Großmutter! Löscht die Videos sofort, sonst seid ihr obdachlos.
Danke, Mama für die Unterstützung. Aber das Video werde ich nicht löschen. Unser Blog ist dank dieser Aufnahmen in die TopListe geklettert, die Unternehmen wollen jetzt Werbung schalten. Misch dich nicht ein!
Er legte auf. Heike schrie weiter, völlig außer sich.
Am Abend erzählte ich meinem Mann davon, er war ebenfalls empört. Natürlich wollte er nicht, dass die Großmutter zum Gespött wird. Er antwortete nicht auf meine Anrufe.
Heike, wir fahren zu dir, ich rede mit ihm!
Andreas war zu Hause, Nina spielte mit dem Kind, Oma Anna ruhte.
Was soll das hier? Wir haben alles im Griff, hört nicht auf die Neider. Jeder macht, was er kann, und verdient sein Geld.
Aber nicht heimlich Oma filmen! Löscht das Video vor mir! schrie Heike.
Das ist nicht ernst, Mama! Ich bin erwachsen, du kannst mir nicht vorschreiben, was ich tun soll!
Erwachsen? Dann zieh aus und wohn in deiner eigenen Wohnung! Wie ein Floh, der an der Großmutter klebt! Und ihr wollt noch die Rente an mich abgeben? Schäm dich!
Sie hat es selbst vorgeschlagen zu helfen. Und Oma ist nicht unsterblich, nach ihrem Tod fällt die Wohnung mir zu. Warum also im Mietshaus herumirren? Man muss nur warten.
Durch solche Dreistigkeit waren Heike und ihr Mann fassungslos.
Die Wohnung gehört mir, ich bin ihre Tochter! Nach diesem Verhalten überlege ich hundertmal, ob ich sie dir überlasse oder nicht.
Zuerst musst du beweisen, dass du die Familie selbst versorgen kannst. Und lösche endlich die Videos!
Um Gottes willen! Wir gehen, aber ihr seht den Enkel nicht mehr! Morgen wirds hier keinen mehr geben!
Doch am nächsten Tag fuhr Andreas nirgends hin. Oma Anna mischte sich ein.
Heike, das ist meine Wohnung, ich vertreibe euch nicht. Sie können hier bleiben, ich habe mich schon daran gewöhnt. Es geht nicht darum, mit einem Kind zu leben.
Ich sah mir das Video an, das Andreas gezeigt hatte ich sah nichts Schändliches, also durfte er weitermachen.
Sieh selbst, Mama, du musst mit ihnen leben. Ich mache mir Sorgen um deinen Frieden.
Andreas, der gewissenlos ist, verhält sich eben so Dann beschwere dich nicht über sie.
Zwei Wochen später wurde es Oma Anna plötzlich schlecht. Der Rettungswagen kam, aber er konnte nicht helfen
Hallo, Mama, Oma Anna ist nicht mehr da Der Krankenwagen konnte nichts tun Das Herz hat aufgehört zu schlagen.
Wie kann das sein? Gerade noch gestern ging es ihr gut, sie hat nichts beanstandet Wir kommen gleich mit meinem Vater.
Heike war am Boden zerstört, sie hatte nicht einmal Abschied nehmen können.
Bei der Beerdigung weinte Andreas, und Heike glaubte, er meinte es ernst. Er hatte die Oma doch geliebt, trotz seiner Nervensägen.
Mama Oma hat mir die Wohnung vererbt. Das habe ich erst jetzt erfahren, kurz bevor sie starb. Ich habe sie nicht bedrängt, sie hat das selbst entschieden.
Heike war fassungslos, schwieg und sagte nichts. Was nun? Das war ihr Wille
Einige Tage nach der Beerdigung kam die Frau zu meiner Mutterwohnung, um ein paar Sachen zu holen und sie an die Nachbarn zu verteilen. Die Tür stand offen, sie schlich leise hinein. Im Schlafzimmer hörte sie Ninas Stimme.
Was sie hörte, schockierte sie zutiefst.
Marina, wie lange soll man noch bei dieser alten Frau wohnen, es reicht! Immer das Getue, sie will Ruhe, will nicht mit Kilian zusammen sein.
Ich will jetzt endlich in meiner eigenen Wohnung leben.
Wir schaffen uns keinen Kredit, das Einkommen ist klein, wir verdienen kaum etwas mit dem Blog, Andreas will einen Job finden, aber wer braucht ihn? Er ist schwach und hat Asthma.
Als es Oma schlecht ging, war er nicht da, sie bat um Tabletten und einen Krankenwagen, ich habe alles geschoben, sagte, ich sei beschäftigt, gab ihr das falsche Medikament.
Er rief den Krankenwagen erst, als sie zu ersticken begann. Dann erst starb sie.
Sie hat doch bereits einen Erbvertrag auf Andreas unterschrieben, ich habe Mitleid gezeigt, die Oma hat geweint.
Andreas denkt, das wäre alles seine Schuld. Das ist alles, was ich dir erzählen kann, liebe Schwester. Aber jetzt haben wir ein Zuhause! Die Schwiegermutter wird sich nicht einmischen.
Heike stürmte wütend in das Zimmer.
Verdammt! Du hast die Oma ins Grab gebracht und bist noch stolz darauf? Ich melde das bei der Polizei! Du bist ein Teufel!
Nina legte sofort auf, überrascht von der Wut der Schwiegermutter.
Ihr habt das missverstanden Das war alles nur erfunden Was macht ihr hier überhaupt?
Was mache ich hier?! Was machst du hier? Ich erzähle das gleich Andreas!
Er wird dir nicht glauben. Und wenn er doch glaubt ist mir das egal! Kilian ist nicht sein Sohn!
Genau das. Und du hast meine Oma nicht unterstützt.
Du beweist nichts. Oma hatte ein krankes Herz, kein Krankenwagen hätte sie gerettet. Es ist Zeit.
Der Sohn ist nicht von dir, sondern von Viktor. Er hat mich verlassen und ist weggefahren, ich habe sofort mit dir eine Beziehung angefangen.
Die Wahrheit wird früher oder später ans Licht kommen. Ich gehe, ich bleibe keine Minute hier.
Andreas wollte ihr mit den Fäusten zuschlagen, doch Heike hielt ihn zurück. Er verließ den Raum, Nina packte schnell die Sachen und ging mit dem Kind.
Sie riefen nicht die Polizei, weil es keine Beweise gab niemand wollte sich damit befassen. Die Schuld blieb bei Nina.
Andreas, du bist auch schuld. Wie oft habe ich gesagt, ihr sollt ausziehen. Oma war gut, ihr habt sie nur ausgenutzt.
Ich bin schockiert, Mama Kilian ist nicht mein Sohn, Oma ist gestorben
Ich ging zur Arbeit, löschte den Blog. Das alles war Unsinn. Es ist Zeit, das Leben zu ändern.
Gut, mein Sohn, jetzt wird vernünftig.
Andreas ließ sich scheiden, kämpfte vor Gericht um das Sorgerecht. Er fand schließlich einen guten Job und verdiente ordentlich.
Ich sah, wie sich mein Sohn veränderte, er nahm meine Ratschläge an, fragte nach meiner Meinung.
Kurz darauf heiratete er eine nette Frau, ganz anders als Nina.
Nina und ich sind froh, dass unser Sohn endlich erwachsen und menschlich handelt. Wir hoffen, dass solche Konflikte nie wieder unser Leben belasten.
**Persönliche Lehre:**
Man darf die Schwäche der Ältesten nicht für eigennützige Ziele missbrauchen; Respekt und Ehrlichkeit gegenüber der Familie sind der Grundstein für ein friedliches Leben.