Liese, am Ende ist doch nichts Schlimmes passiert! So etwas kommt bei Männern vor sie überhören das Stoppsignal, können nicht rechtzeitig bremsen. Sei weiser. Würdest du dich etwa einem anderen Mann hingeben? Er würde denken, er hätte dich besiegt! Kämpfe um deine Familie! rief die Schwiegermutter.
Am Samstagmorgen brachte Liese ihren Sohn Lukas zum Elternhaus. Sie hatte vereinbart, dass Jürgen für eine Weile bei den Schwiegereltern wohnen würde.
Als Liese wieder zu Hause war, holte sie die Kartons vom Balkon und begann, die Dinge zu verpacken. Zuerst das Kinderzimmer.
Sie sortierte Kleidung, Spielzeug, Bücher, klebte die Kartons mit Klebeband zu und beschriftete sie. Noch ein wenig, und im Kinderzimmer blieben nur noch die Möbel, die Liese nicht mitnehmen wollte.
Kurz nach zwölf klingelte das Telefon. Liese sah das Display ihre Schwiegermutter.
Guten Tag, Frau Helga Viktorina.
Guten Tag, Liese. Jürgen hat mir alles erzählt. Ich verstehe, dass du verletzt bist. Aber könntest du nicht etwas langsamer vorgehen? Warte, beruhige dich, überlege es dir noch einmal. Vielleicht solltest du die Familie nicht gleich zerreißen? fragte Helga.
Ich zerreiße die Familie nicht, Jürgen tut es erwiderte Liese.
Liese, ich nehme Jürgen nicht die Schuld ab! Aber könntest du ihm beim ersten Mal verzeihen? drängte Helga.
Von welchem ersten Mal reden Sie? Ihr Sohn trifft sich seit einem halben Jahr mit seiner Kollegin, betrügt mich, und Sie reden von Verzeihen? Nein, das kann ich nicht sagte Liese entschlossen.
Denk bitte noch einmal nach. Du nimmst Lukas den Vater weg, und Jürgen liebt seinen Sohn doch! flehte Helga.
Helga Viktorina, Jürgen kann Lukas sehen, ich werde das nicht verhindern. Aber ich will nicht mehr mit Ihrem Sohn zusammenleben. Und jetzt lass uns das hier beenden ich packe meine Sachen, ich habe keine Zeit mehr.
Liese verpackte die letzten beiden Kartons, ging ins Schlafzimmer und begann, ihren Kleiderschrank in Koffer zu packen.
Eine Stunde später stand Helga Viktorina in der Wohnung. Sie hatte sich fest vorgenommen, Liese in einem persönlichen Gespräch davon zu überzeugen, die Familie nicht zu zerstören.
Das Gespräch drehte sich im Kreis:
Liese, am Ende ist doch nichts Schlimmes passiert! So etwas kommt bei Männern vor sie übersehen das Stoppsignal.
Sei weiser. Wagst du es, dich einem anderen Mann zu ergeben? Er würde denken, er hätte dich besiegt! Kämpfe für deine Familie!
Helga Viktorina, Jürgen ist kein Wechselobjekt, für das ich kämpfen soll! Soll ich ihn etwa zu einem Duell herausfordern? Auf den Boxring? Was soll das? Ohne Jana gäbe es Elly oder Christina.
Weißt du, ich verrate dir ein Geheimnis: Ihr Vater, Heinrich Friedrich, hat in seiner Jugend ebenfalls Fehler gemacht. Doch ich war klüger als du und habe die Familie gehalten. Siehst du wir sind jetzt fast fünfunddreißig Jahre zusammen. Bald feiern wir unser Korallenhochzeit.
Und worin bestand Ihre Klugheit? lächelte Liese.
Ich habe keinen Skandal veranstaltet. Stattdessen wurde ich zärtlicher, kochte Jürgens Lieblingsgerichte, interessierte mich für seine Arbeit, kümmerte mich auch um mich selbst neuer Haarschnitt, schlanker geworden, mit einem Lächeln zur Arbeit gegangen erklärte Helga.
Manchmal wusste ich genau, dass er gerade von einer Geliebten kommt, und ich wollte ihm nicht die Schuhe reichen, sondern die Pfanne nehmen und fest auf den Herd schlagen. Ich hielt durch, lächelte und hielt den Mann. So wuchs der Sohn mit dem Vater auf, und der Enkel hat einen Großvater.
Sie wissen, Frau Helga Viktorina, Sie sind eine bemerkenswerte Frau. Ich könnte das nicht. Mein natürliches Gespür für Widerwärtigkeit ist zu stark. Was Sie vorschlagen, ist für mich, als würde man aus einem schmutzigen Fass trinken antwortete Liese.
Helga geriet in Rage, sprang abrupt auf und verließ die Wohnung, ohne Abschied zu nehmen.
Liese fuhr fort, die Kisten zu stapeln. Sie wusste, dass das noch nicht das Ende war, dass Jürgen und Helga ihr noch mehr Nerven kosten würden. Deshalb wollte sie die Wohnung so schnell wie möglich verlassen.
Am nächsten Tag am Sonntag kam ihr Vater Karl. Gemeinsam luden sie die Koffer und Kartons in den Kleintransporter und fuhren los.
Unterwegs bat Liese ihren Vater, am Haus der Schwiegermutter vorbeizufahren, um die Wohnungsschlüssel abzugeben.
Du glaubst nicht, was mir meine Schwiegermutter gestern einmal ganz allein eine Stunde lang eingebläut hat erzählte Liese am nächsten Tag ihrer Freundin Margarete. Sie wollte, dass ich Jürgens kleine Launen verzeihe und nicht die Scheidung einreiche.
Und welche Argumente hat sie benutzt? fragte Margarete.
Die üblichen: Du nimmst dem Kind den Vater, Alle Männer betrügen, Frauen müssen weiser sein. Dann erzählte sie mir, wie sie selbst in einer ähnlichen Situation ihren Mann zurückgeholt hat.
Und wie? hakte Margarete nach.
Ich will dir das nicht im Detail wiedergeben, aber glaub mir, das war ein kompletter Reinfall. So mache ich das nicht.
Hast du die Scheidung bereits eingereicht?
Ja, bereits am Freitag bestätigte Liese.
Endlich bist du frei von diesem Casanova. Es war doch traurig, den Mann mit seiner Jana sagte Margarete.
Was bedeutet das genau? Hast du gewusst, dass er mit Jana etwas hat? protestierte Liese.
Ich wusste es nicht sicher, aber ich hatte meine Zweifel erwiderte die Freundin.
Warum hast du es mir nicht gesagt? Ich dachte, wir sind Freundinnen ärgerte sich Liese und stand auf, um zu gehen.
Halt! rief Margarete. Hör erst mal zu. Erstens, ich wusste nichts. Ich sah das Gleiche wie du, zog aber andere Schlüsse. Wir waren zusammen auf einer Betriebsfeier.
Erinnerst du dich, wie Jana um Jürgen kreiste? Hast du das gesehen? Und wie oft hat sie vorgeschoben, mit ihm auf Dienstreise zu gehen?
Du sitzt in der Buchhaltung, bearbeitest Unterlagen, warum hast du nicht darüber nachgedacht, dass Jana immer dann auftaucht, wenn Jürgen jemanden ersetzen muss? Ja, ich hatte den Verdacht, aber ich war mir nicht sicher, deshalb habe ich nichts gesagt.
Du hättest zumindest einen Wink geben können.
Und wenn ich mich geirrt hätte und das alles nur Einbildung war? Was würdest du von mir denken? Willst du, dass wir uns streiten? Erinnerst du dich an Svenja Klose?
Sie erzählte einer Freundin, dass sie ihren Mann mit einer anderen Frau gesehen hatte, sogar ein Foto zeigte, wie er die Frau umarmte.
Natürlich gab es einen Familienstreit, aber sie versöhnten sich, und Svenja wurde schuldig gesprochen, weil sie aus Neid die stabile Familie zerstören wollte.
Svenja verließ danach die Firma. Also nimm das nicht zu schwer. Wenn ich harte Beweise hätte, hätte ich sie dir gesagt. Wie geht es jetzt für dich weiter?
Die Wohnung gehört nicht mir, sie steht auf den Namen der Schwiegermutter, also sind Lukas und ich ausgezogen. Wir wohnen vorerst bei meinen Eltern.
Aber in einer Woche renovieren wir das Haus meiner Großmutter meine Eltern haben es vermietet, die Mieter sind vor einem Monat ausgezogen. Es hat nur zwei Zimmer, aber das reicht uns.
Wir müssen noch die Kita klären die alte ist weit weg, aber meine Mutter kennt jemanden, der uns in die Kita direkt vor unserem Haus umziehen lässt. Wir lassen die Scheidung laufen, ich werde Unterhalt beantragen. Alles klar.
Stimmt Jürgen der Scheidung zu? fragte Margarete.
Er sagt, er will nicht scheiden, behauptet, er habe alles verstanden und es könne nie wieder vorkommen. Aber ich habe genug. Er bat mich, keinen Unterhalt zu verlangen, er würde selbst zahlen.
Und du?
Ich bin dagegen. Ich will ihn nicht noch einmal treffen. Lass es offiziell werden. Er hat gesagt, er würde den Sohn mitnehmen: Ich habe eine bessere Wohnung und ein höheres Gehalt.
Ich habe nichts gesagt, nur gerechnet, wie oft er im letzten Jahr auf Dienstreise war achtmal.
Und was hat er dir gesagt?
Ich habe diese Zahlen für das Gericht aufbewahrt. Wenn er verlangt, Lukas mitzunehmen, frage ich, wo das Kind sein soll, wenn er unterwegs ist. Ich habe Arbeit und eine eigene Wohnung, er wird nichts erreichen.
Jürgen reichte tatsächlich einen Antrag auf Obsorge des Kindes ein und behauptete, Liese könne Lukas nicht ausreichend versorgen. Helga Viktorina meldete, dass die frühere Schwiegertochter das Kind verberge:
Sie hat die Wohnung verlassen, den Jungen aus dem Kindergarten geholt. Wir dachten, sie würden bei den Eltern von Liese wohnen, aber sie waren nur eine Woche dort und verschwanden dann.
Liese musste den Nachbarn beweisen, dass sie und Lukas in einer ZweiZimmerWohnung leben, dass der Junge den nahegelegenen Kindergarten besucht und dass Jürgens häufige Dienstreisen die Erziehung kaum ermöglichen.
Am Ende kam nichts für die Schwiegermutter oder den ExMann. Liese wollte keinen Kontakt mehr zu Jürgen und fand nach der Scheidung eine neue Stelle sie ist Fachkraft, das ging problemlos.
Kurz darauf brachte Margarete ihr Neuigkeiten:
Jana hat gekündigt und ist weggezogen.
Was? staunte Liese.
Unsere Schwestern haben ihr das ermöglicht. Sie war einen Monat lang unterwegs, merkte, dass hier nichts mehr zu holen ist, und zog in die Hauptstadt. Jetzt bleibt dein ExMann allein.
Das ist mir jetzt egal antwortete Liese.
Und sie sagte die Wahrheit: Aus einem Brunnen zu trinken, aus dem man nicht schöpfen kann, bringt keinen Durststill.
Was meint ihr? Hat Liese richtig gehandelt? Hinterlasst eure Meinung.
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**Die Erkenntnis:** Man muss nicht jedem Sturm nachgeben, sondern den eigenen Kurs halten; nur wer seinen eigenen Wert kennt, kann wahre Freiheit finden.