Paul Schulz fühlt sich seit seiner Kindheit unsicher wegen seiner kleinen Statur. Im Kindergarten ist er das kleinste Kind sogar die Mädchen scheinen größer zu sein. Er hat keine Freunde, spielt allein und wenn andere Kinder ihm das Spielzeug wegnehmen, schweigt er und erträgt es, ohne den Eltern zu weinen.
In der Grundschule ändert sich nichts. Die anderen nennen ihn der Kleine, hänseln ihn, und er ballt nur fester die Fäuste. Als die Spötteleien erdrückend werden, bittet er seine Eltern, ihn in einen Sportverein einzuschreiben.
Nach einigen Jahren ist er kaum wiederzuerkennen. Er ist gewachsen, muskulös und durchtrainiert. In der neunten Klasse zeigen die Mädchen plötzlich Interesse, doch Paul erinnert sich an die Kränkungen seiner Kindheit und lässt niemanden nah an sich heran.
Erstes Liebesabenteuer und erste Enttäuschung
Als er an die Hochschule in Berlin aufgenommen wird, ändert sich sein Leben. Er strahlt mehr Selbstvertrauen aus, findet leicht Anschluss und die Studentinnen zeigen offen Interesse.
So lernt er Liselotte Krüger kennen, eine Kommilitonin, die eine kleine Wohnung in Friedrichshain mietet. Zunächst begleitet er sie nur bis zum Hauseingang, doch eines Abends lädt sie ihn ein. So beginnen sie eine enge Beziehung.
Doch das Glück bleibt flüchtig. Eines Abends, dem Herzen folgend, fragt Paul:
Lass uns heiraten.
Liselotte lacht:
Paul, du hast das ganze Leben vor dir! Du bist attraktiv, sportlich, und glaub mir, es werden noch viele Frauen kommen. Du kannst mit wem immer ausgehen und dann die Beste wählen.
Meinst du das ernst?, klingt seine Stimme kühl.
Natürlich!, zuckt sie mit den Schultern. Ich habe einen Verlobten. Er ist der Schönste und Reichste in unserer Straße, schickt mir regelmäßig Geld, damit ich nicht im Studentenwohnheim leben muss. Wir sehen uns nur in den Ferien, und du bekommst die Nächte.
Ihre Worte schneiden tief.
Also bin ich nur ein Zeitvertreib?, fragt er verbittert.
Paul, du gefällst mir wirklich! Aber du verstehst doch
Paul steht auf, packt seine Sachen.
Bist du beleidigt?, neckt Liselotte, während sie ihm nachblickt. Gut, dass du die Wahrheit jetzt kennst. Vertraue Mädchen nicht sofort. Lerne sie erst richtig kennen, bevor du dein Herz öffnest.
Er geht, fühlt sich ausgenutzt.
Zuhause wartet warme Geborgenheit
Zurück in seiner Wohnung lässt er den Koffer an der Tür stehen.
Sohn, was ist los?, fragt seine Mutter besorgt. Die Hochzeit fällt flach?
Mist, antwortet er kurz und holt einen Ring aus der Tasche. Hier, nimm ihn. Du brauchst ihn mehr als ich.
Seine Mutter schaut traurig.
Ein schöner Ring, den trage ich selbst, seufzt sie. Komm in die Küche, ich habe deine Lieblingsküchlein gebacken und Minztee aufgebrüht. Setzen wir uns, reden wir.
Paul spürt die Wärme und Fürsorge, die ihm in den letzten Tagen gefehlt haben.
Ein weiterer Schlag ins Selbstwertgefühl
Auf dem Campus meidet er Liselotte, doch sie verhält sich, als wäre nichts geschehen. Nach den Vorlesungen geht sie arm in Arm mit Konstantin Müller, flüstert ihm etwas zu und verschwindet dann in eine unbekannte Richtung.
Paul erkennt, dass ihre Worte nur Ausflüchte waren. Für sie war er nur ein vorübergehender Zeitvertreib, ein Ersatz bis zur nächsten passenden Option. Dieser Gedanke nagte an ihm.
Kurz darauf steht eine neue Prüfung an.
Paul, komm zu meinem Geburtstag!, ruft plötzlich Klara Neumann, eine der attraktivsten Studentinnen seiner Gruppe, zu ihm.
Ist das ein echter Anlass für etwas Neues oder doch eine weitere Falle?