Das erste Verratserlebnis, das Paul Klein sein Leben lang prägte
Von klein auf fühlte sich Paul unsicher, weil er viel kleiner war als seine Altersgenossen. Im Kindergarten in Hamburg war er der Kleinste selbst die Mädchen schienen über ihm zu stehen. Freunde hatte er kaum; er spielte allein und wenn andere Kinder ihm Spielzeug wegnahmen, schwieg er und ertrug es, ohne seinen Eltern darüber zu klagen.
In der Grundschule änderte sich nichts. Man nannte ihn der Knirps, lachte ihn aus, und Paul ballte nur fester die Fäuste. Als die Spötteleien unerträglich wurden, bat er seine Eltern, ihn in einen Sportverein anzumelden.
Jahre später war er kaum wiederzuerkennen. Er war gewachsen, kräftig und muskulös geworden. In der neunten Klasse begannen die Mädchen, ihn zu bemerken, doch Paul trug die Kindheitswunden mit sich und ließ niemanden nahe kommen.
Erste Liebe und erste Enttäuschung
Als er das Studium an der Universität Leipzig aufnahm, änderte sich sein Leben. Er wirkte selbstbewusster, fand leicht Anschluss, und die jungen Frauen sahen ihn gern. So lernte er Anneliese kennen, eine Kommilitonin, die in einer kleinen Wohnung im Stadtteil Connewitz wohnte. Zuerst brachte er sie nur bis zum Eingang, doch eines Abends lud sie ihn ein. So begannen sie eine innige Beziehung.
Doch das Glück blieb flüchtig. Eines Abends, geleitet von seinem Herzen, schlug Paul vor:
Lass uns heiraten.
Anneliese lachte:
Paul, dein ganzes Leben liegt noch vor dir! Du bist attraktiv, sportlich, und du wirst noch viele Frauen kennenlernen. Du kannst mit wem immer zusammen sein und dann die Richtige wählen.
Meinst du das ernst?, fuhr Paul mit eisiger Stimme fort.
Natürlich!, zuckte sie mit den Schultern. Ich habe einen Verlobten. Er ist der Schönste und Reichste in unserer Gegend, schickt mir regelmäßig Geld, damit ich nicht im Studentenwohnheim wohnen muss. Wir sehen uns nur in den Ferien, und du bekommst die Nächte.
Diese Worte durchbohrten ihn.
Also bin ich nur ein Zwischending?, fragte er bitter.
Paul, ich mag dich wirklich, aber du verstehst
Paul stand auf, packte seine Sachen.
Bist du beleidigt?, neckte Anneliese, während sie ihm nachblickte. Gut, dass du jetzt die Wahrheit kennst. Vertraue nicht sofort jeder Frau. Lern sie erst richtig kennen, bevor du dein Herz öffnest.
Er ging, das Gefühl, benutzt worden zu sein, lastete schwer auf ihm.
Heimkehr statt zerbrochener Illusionen
Zuhause ließ er seinen Koffer am Türrahmen fallen.
Sohn, was ist passiert?, fragte seine Mutter besorgt. Kein Hochzeit?, fuhr sie fort.
Ein Reinfall, antwortete Paul knapp und zog einen Ring aus der Tasche. Hier, nimm ihn, er wird dir mehr nützen als mir.
Seine Mutter sah traurig zu ihm.
Ein schöner Ring, den werde ich selbst tragen, seufzte sie. Komm in die Küche, ich habe deine Lieblingsbrötchen gebacken und Pfefferminztee aufgebrüht. Lass uns sitzen und reden.
Das warme Essen und die mütterliche Fürsorge schenkten ihm die Geborgenheit, die ihm in den letzten Tagen gefehlt hatte.
Ein weiterer Schlag ins Stolzgefühl
In der Uni mied Paul den Kontakt zu Anneliese, doch sie tat, als wäre nichts geschehen. Nach den Vorlesungen ging sie Hand in Hand mit Konstantin, flüsterte mit ihm und verschwand dann in unbekannte Richtungen. Paul begriff endlich, dass ihre Worte nur Ausflüchte gewesen waren. Für sie war er nur ein Zeitvertreib, ein Ersatz bis zur nächsten, bequemeren Möglichkeit. Dieser Gedanke hinterließ einen unangenehmen Nachgeschmack in seiner Seele.
Kurz darauf stand er vor einer neuen Prüfung.
Paul, komm zu meinem Geburtstag!, rief Tamara, eine der schönsten Studentinnen seiner Fachrichtung, plötzlich zu ihm.
Ob das eine Chance auf etwas Echtes war oder doch nur ein weiteres Fass ohne Boden?
So blieb ihm die Erinnerung an diese frühen Verratserlebnisse, die ihn lehrten, vorsichtiger zu sein, aber gleichzeitig zu wissen, dass das wahre Zuhause immer dort zu finden ist, wo Familie und ehrliche Begegnungen warten.