Meine Tochter hatte überhaupt kein Glück mit ihren Verwandten. Mein Schwiegersohn hat orientalische Wurzeln und einige ihrer Lebensprinzipien stoßen bei mir immer noch auf Unverständnis.
Nach der Hochzeit zog meine Tochter Maria zu ihrem Mann, der bei ihren Eltern lebte. In dieser Familie war der Mann fast ein Heiliger, und es war üblich, dass die Frauen fast auf Zehenspitzen um ihre Männer herumliefen.
In dieser Familie war es ein Segen, als Junge geboren zu werden, und ein Mädchen war ein Fluch. Ironischerweise wurden in den letzten Jahren immer mehr Mädchen in dieser Familie geboren.
Maria war die jüngste Schwiegertochter, und man setzte große Hoffnungen in sie. Von ihrem ersten Hochzeitstag an war sie davon überzeugt, dass es ihre Pflicht war, einen Sohn zu gebären.
Als meine Tochter mir davon erzählte, standen mir die Haare zu Berge. Was macht es für einen Unterschied, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist? Die Hauptsache ist, dass das Kind gesund ist.
Aber die Heiratsvermittler sahen das anders. Als Maria schwanger wurde, freute sich die ganze Familie darauf, das Geschlecht des ungeborenen Kindes zu erfahren.
Aber das Kind schien den neugierigen Blicken absichtlich den Rücken zuzukehren. Die Schwangerschaft meiner Tochter war ein nervenaufreibendes Erlebnis. Und als Maria auf dem Weg zur Entbindung war, erzählten ihr die Heiratsvermittler etwas Unglaubliches.
“Wenn du eine Tochter zur Welt bringst, lassen wir dich nicht mehr nach Hause gehen”, sagte die Heiratsvermittlerin.
Was muss das für eine Einstellung sein, einer schwangeren Frau so etwas kurz vor der Entbindung zu sagen?
Maria ist eine junge, gesunde Frau und hat schnell entbunden. Sie brachte ein gesundes Mädchen zur Welt. Allerdings war ihr Gewicht etwas geringer als normal. Es vergingen noch ein paar Minuten, und Maria begann erneut zu gebären. Die Ärzte konnten ihren Augen nicht trauen.
Diesmal wurde ein Junge geboren. Damit hatte niemand gerechnet, denn alle Ultraschalluntersuchungen hatten keine zwei Kinder gezeigt. Der Arzt sagte einmal, dass er zwei Herzschläge hören konnte, aber das war noch nicht sicher.
Meine Tochter rief mich an und sagte mir mit müder Stimme, dass sie nach Hause kommen könne, und ich sagte ihr, dass ich sie auch angenommen hätte, wenn die Heiratsvermittler ihre Worte erfüllt hätten, und dann hätte ich sie vor dem ganzen Dorf beschämt.
Mein Schwiegersohn war glücklich, zwei Kinder zu haben.
Maria und ihre Kinder wurden mit großer Freude empfangen. Die Schwiegereltern wussten nicht, was sie mit ihrer Freude anfangen sollten. Endlich, ein lang ersehnter Enkel!
Maria wurde nicht mehr mit dem Thema Geburt belästigt und wurde automatisch zur beliebtesten Schwiegertochter.
Die Einstellung der Heiratsvermittler gegenüber Maria änderte sich dramatisch. Maria ist glücklich darüber, aber sie versteht immer noch nicht, wie Kinder nach Geschlechtern getrennt werden können.