– Na, schickt ihr mich zurück ins Waisenhaus?

**Liebes Tagebuch, 12.Mai**

Heute war ein Tag voller kleiner Wunder und großer Gefühle. Ich stand in der Küche, während das alte Elektro­herdBlech leise vor sich hin brummte, und briete Pfannkuchen für unser Abendessen. Mein Mann, Thomas, sollte bald von der Arbeit zurückkommen, und wir wollten gemeinsam mit unserem Sohn Lukas das Essen genießen.

Lukas spielte heute ungewöhnlich ruhig in seinem Zimmer. Normalerweise, wenn ich die Pfannkuchen wende, schleicht er neugierig heran, schaut mir in die Augen und fragt:
Mama, darf ich noch einen Pfannkuchen haben?
Ich gebe ihm ein Stück, und obwohl er fast satt wirkt, kommt er immer wieder zurück und fleht mit kindlicher Sehnsucht:
Maa Mom noch einer?

Ich erkannte sofort, dass er nicht mehr nach Essen verlangt, sondern nach dem warmen Wort Mama. Früher habe ich das Blech weggelegt, ihn hochgehoben und gesagt: Komm, wir holen Papa von der Arbeit. Und er hat immer fröhlich geantwortet:
Ja, Mama, wir gehen Papa abholen! seine Augen funkelten vor Aufregung, denn er hatte bis vor kurzem noch nie Eltern gehabt. Jetzt hatte er beides.

Unser kleines Königreich hat jetzt ein eigenes Zimmer für ihn, ein neues Bett und eine Sportwand mit Schaukel ein Geschenk von Thomas. Außerdem gibt es Bauklötze, ein ferngesteuertes Auto, einen Roboter und unzählige andere Spielsachen, die nur ihm gehören. Jeden Abend lese ich ihm vor, streichle seinen Kopf und sage: Ich hab dich lieb. Er saugt die Zuneigung auf wie ein Schwamm und scheint das früher Erlebte fast vergessen zu haben.

Im Moment wollte ich Lukas rufen, doch das kleine Baby im Bauch schob plötzlich gegen mich. Ich legte meine Hand darauf das zweite Kind bewegte sich erneut. Gott sei Dank, ich bete jeden Tag für dieses unerwartete Geschenk, damit alles gut verläuft. Wir haben bereits einen Namen für das Mädchen: Heike. Thomas Schwiegermutter heißt Katrin, und das passt gut.

Man sagte mir, ich könnte keine eigenen Kinder bekommen, also haben Thomas und ich Lukas aus dem Kinderheim geholt. Ein Jahr später sollte unser erstes Kind kommen und nun bald ein zweites. Während ich die Pfannkuchen wende, vergaß ich beinahe, sie zu wenden, und rief:
Lukas, warum bist du heute so still?

Doch keine Antwort. Ich schaltete das HerdBlech aus und ging zum Kinderzimmer. Das Licht war aus, und ich fragte mich, wo er war. Plötzlich hörte ich ein Geräusch, schaltete das Licht ein und sah Lukas auf dem Sofa sitzen, in Jacke und Mütze, mit einem Rucksack voller Spielzeugautos.

Was machst du hier im Dunkeln? fragte ich lachend. Komm, zieh dich aus, wir essen deine Pfannkuchen mit Sahne und Kondensmilch. Doch Lukas lächelte nicht. Er starrte mit ernsten, fast erwachsenen Augen in die Ferne und fragte plötzlich:
Darf ich meine Spielsachen mitnehmen? Braucht Mama sie nicht mehr?

Ich war sprachlos. Konnte es sein, dass er eifersüchtig war, weil das neue Baby bald kommt? Vielleicht war er verwirrt, weil er erst gestern noch so glücklich war.

Er wiederholte plötzlich die Worte, die er immer von mir hörte:
Ihr gebt mich zurück ins Kinderheim? Tante hat gesagt, ihr habt mich zu früh genommen, weil ihr nicht wusstet, dass ein Kind kommt. Ich gehöre nicht hierher

Seine Augen wurden feucht, er hielt sich kaum noch. Ich zog ihn in meine Arme, obwohl er erst wehrte, dann weinte er und ließ sich fallen:
Lukas, das ist nicht wahr. Wir lieben dich über alles, und niemand wird dich jemals weggeben.

Ich zog seine Mütze und Jacke aus, wir saßen still zusammen auf dem Sofa, bis das Baby Heike geboren wurde. Lukas und Thomas kümmerten sich allein zu Hause, dann fuhren wir zu Heike. Lukas fürchtete, er könnte seiner kleinen Schwester nicht gefallen. Doch als er sie sah, schmunzelte er und sagte:
Mama, wie soll ein so kleines Mädchen ohne großen Bruder auskommen? Ich zeige ihr, wie man mit den Autos spielt, dann haben wir zusammen viel Spaß.

Jetzt lässt er Heike nie aus den Augen, wartet darauf, dass sie größer wird, und die Eltern planen, ihr Zimmer mit ihm zu teilen. Für mich ist er jetzt der erste Helfer seiner Mutter.

Am Abend rief ich ihn: Lukas, ich habe Heike fertig gemacht, wir gehen schnell zu Thomas. Er stand schon im Flur, bereit: Mama, ich halte die Tür, du kommst mit der Wiege heraus!

Wir fuhren mit dem Aufzug nach unten, und plötzlich trat dieselbe Frau, die uns beim Einzug geholfen hatte, in den Flur. Lukas packte meine Hand fester, als wäre ich seine Rettung.
Lukas, du bist jetzt groß, hilf der Frau, den Aufzug zu rufen, ihre Taschen sind schwer.
Ja, Mama!, rief er stolz, rief den Aufzug und lief mir nach.

Morgen haben wir frei, wir fahren als ganze Familie in den Tierpark. Schade, dass Heike noch klein ist, aber bald wird sie größer sein und wir können zusammen Karussells fahren. Lukas wird als großer Bruder festhalten, damit sie nicht fällt. So bleibt das Band zwischen Bruder und Schwester für immer stark.

**Persönliche Erkenntnis:**
Liebe und Sicherheit geben Kindern das Vertrauen, selbst in ungewohnten Situationen zu wachsen. Wenn wir als Eltern unser Herz öffnen und jedes Kind als Teil des Ganzen sehen, entsteht ein unerschütterlicher Zusammenhalt, der selbst die größten Veränderungen übersteht.

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