„Geduld, meine Tochter! Du bist jetzt in einer neuen Familie, und du musst ihre Regeln respektieren.“

Ertrage das, Mädchen! Du bist jetzt Teil einer anderen Familie, und du musst dich an deren Regeln halten. Du hast geheiratet, nicht nur zu Besuch gekommen.
Welche Regeln, Mama? Alle sind hier völlig verrückt! Besonders die Schwiegermutter! Sie hasst mich, das sieht man sofort.
Hast du je gehört, dass Schwiegermütter freundlich sein können?

Erzählt euch die Nachbarn! Immer nur schwatzen! brüllt Schwiegermutter Klara Schmitt von der Küchenzeile, ihr Gesicht ist rot vor Zorn, die Augen glühen. Wenn der Mann ausschweift, ist die Frau schuld. Was soll ich dir jetzt noch erklären?

Klara ist außer sich. Sie schreit ihre Schwiegertochter Liselotte an, als wäre sie verrückt, weil Liselotte ihr Mann, Bernd Schulz, und sein Vater, den Schwiegervater, des Verrats verdächtigt.

Liselotte, eine junge, zierliche Frau mit großen, naiven Augen, lehnt sich an die Wand und versucht, die wütende Frau zu beruhigen.

Frau Schmitt, das ist doch nicht normal. Er hat eine Familie, Kinder will Liselotte einwenden, doch Klara winkt ihr die Hand ab, als würde sie eine lästige Fliege verscheuchen.

Das ist deine Familie? Oder das Kind, das uns mit Opa nicht zulässt? schnauzt sie verächtlich. Deine Erziehung, übrigens!

Welche Erziehung, Frau Schmitt? Der kleine Jonas ist gerade erst ein Jahr alt. Er ist noch ganz klein, protestiert Liselotte leise.

Klein? Der Enkel der Egors ist noch kleiner. Und er liegt schon im Bett, während du klagt Klara und wirft mit der Hand in Richtung Kinderzimmer.

Er ist doch Ihr Enkel, korrigiert Liselotte, ihre Stimme zittert. Und Kinder spüren böse Menschen. Vielleicht will er deshalb nicht zu Ihnen kommen.

Wir sind böse? Du sprichst von einer verfärbten Ziege! brüllt Klara. Wessen Brot isst du? Wessen Geld gibst du aus? Undankbare!

Liselotte gibt nicht mehr zu streiten. Sie hat schon tausendmal Bernd gesagt, dass sie getrennt von seinen Eltern wohnen will, doch Bernd, das verwöhnte Lieblingskind seiner Mutter, sieht keinen Grund dafür.

Er liebt das Leben im Elternhaus. Dort fühlt er sich sicher wie ein Lamm im Stall. Er geht entspannt zur Arbeit, während die Alltagsprobleme Waschen, Putzen, Kochen von den Senioren erledigt werden. Ein Märchen, kein echtes Leben!

Anfangs versucht Liselotte, mit Klara Kontakt aufzubauen. Sie hilft im Haus, unterstützt sie in allem, hört sich endloses Nörgeln über Nachbarn und das Leben an. Doch nach und nach erkennt sie, dass alles vergeblich ist.

Wie gut sie auch für die Schwiegermutter sein will, sie hasst sie und versucht das nicht zu verbergen.

Ich habe diese ungeschickte Tochter hierher gebracht, als gäbe es keine anständigen Frauen mehr, erzählt Klara einer Nachbarin, während Liselotte hinter dem Hauswinkel die Spielzeuge sammelt, die Bernd verteilt hat, und alles mitbekommt.

Sogar aus dem Nachbardorf kommt sie! Unseren Frauen sind viel besser, fleißiger, klüger. meint die Nachbarin, die tratschtende Grete, die schon alles im Dorf kennt.

Sag das nicht! erwidert Grete, du hast doch selbst gesagt, deine Hände sind nicht zum Arbeiten gemacht.
Du kannst ihr nichts anvertrauen, sie wird alles verlieren oder kaputt machen. Und das Kind, das du hast, ist auch nicht das Richtige.
Bei den Egors ist es ein anderer Fall ein ruhiger, intelligenter Junge. Dieser hier turnt und wimmert nur. Die Gene passen nicht.

Wenn das Zusammenleben fast unerträglich wird, ruft Liselotte ihre Mutter im Nachbardorf an, klagt, weint, und die Mutter antwortet:

Ertrage das, Kind! Du bist jetzt Teil einer anderen Familie, und du musst ihre Regeln achten. Du hast geheiratet, nicht nur zu Besuch gekommen.
Welche Regeln, Mama? Alle hier sind verrückt! Besonders die Schwiegermutter! Sie hasst mich, das sieht man.
Hast du je gehört, dass Schwiegermütter freundlich sein können? Wir alle haben das durchgemacht, du musst es auch tun. Wichtig ist, nicht zu zeigen, wie schwer es dir fällt. Halte durch.

Liselotte erkennt, dass sie mit ihrer ängstlichen Mutter nichts regeln kann, und droht ihr, den Vater anzurufen.

Du wirst Papa damit fertigmachen! erschrickt die Mutter. Du weißt, dass er gerade in einer Bewährungszeit steckt. Ein falscher Schritt und er sitzt hinter Gittern!

Liselotte versteht das. Ihr Vater Heinrich liebt seine einzige Tochter über alles. Er hat seine Bewährungszeit wegen eines Streits in der Dorfladen erhalten, bei dem jemand Liselotte beleidigt hat. Sie weiß, dass ihr Vater nicht schweigen würde, wenn er erfährt, wie schlecht sie behandelt wird. Er ist ein hitziger Mensch.

Gut, ich sage es nicht meinem Vater, meint Liselotte. Aber wenn das so weitergeht, wenn die Schwiegermutter sich so benimmt ich weiß nicht, was ich tun werde.

Alles wird gut, mein Kind, wiederholt die Mutter beruhigend. In ein paar Wochen wirst du diese Geschichte vergessen haben.

Liselotte möchte nicht mehr an die Schwiegermutter denken, doch das Verhältnis bessert sich nicht. Klara scheint nur noch wütender zu werden, als wäre Liselotte schuld an allen ihrer Sorgen. Selbst ihr Mann, der alte, vom Leben erschöpfte Ivan Stepanovich (nun Karl Schulz), hält es nicht mehr aus.

Warum schreiest du die ganze Zeit die Frau an? versucht Karl eines Morgens, als der Streit den Höhepunkt erreicht hat, zu vermitteln. Sie wird doch von uns gehen! Und das wäre das Richtige!

Ich gehe! brüllt Klara, richtet ihren Zorn auf Karl. Ich reiche Klage ein, fordere jedes Geld zurück, das wir in all den Jahren gezahlt haben! Und ich nehme das Kind, damit es nicht in so einer wertlosen Familie aufwächst!

Liselotte erkennt Klaras leere Drohungen, hat aber trotzdem Angst. Sie liebt Bernd noch immer.

Gerüchte, dass Bernd heimlich mit seiner ExFreundin Oksana ausgeht, bleiben bloße Dorfklatsch, den Schwiegermütter wie Klara aufschnappen und weitertragen.

Wie lange Klaras Schikanen noch dauern würden, wenn nicht ihre lange Zunge sie ständig in Schwierigkeiten brachte, ist unklar. Nachdem sie wieder einmal einen Sieg über Liselotte gefeiert hat, schildert sie ihre Heldentaten ihrer besten Freundin Grete, die sie weiter ausschmückt und dann weitergibt und so erreicht die Geschichte vom dummen Schwiegersohn und seiner strengen Schwiegermutter das Ohr von Liselottes Vater.

Heinrich, ein zweikomischer Mann beinahe zwei Meter groß, mit breiten Schultern, denkt nicht lange nach. Er schnappt sich seine Axt, mit der er gerade Holz hackt, wirft seine Arbeitsjacke nicht ab, steigt auf sein altes Motorrad, einen Moped, und fährt, ohne ein Wort zu seiner Frau zu sagen, ins Nachbardorf, um seine Tochter aus der Demütigung zu befreien.

Zur selben Zeit bricht im Haus von Klara ein echter Skandal aus. Die junge Mutter lässt für einen Moment ihr Baby Jonas auf einem knallgelben Sofa zurück, um frisch gewaschene Windeln zu holen. Als sie zurückkommt, entdeckt sie einen kleinen braunen Fleck unter dem Kind. In Klaras Augen wird dieser Fleck zur riesigen schwarzen Mulde, die das ganze Wohnzimmer zu verschlingen droht.

Wie ein Donnersturm erscheint Klara und brüllt sofort:

Du hast das Sofa ruiniert! Mein Lieblingssofa! Weißt du, wie viel das gekostet hat? Ich reiß dir die Hände ab, dann nähe sie dran, damit du nicht mehr schreien kannst!

Ich werde alles wieder herstellen, alles säubern, versucht Liselotte mit zitternden Händen, während sie ein Tuch schnappt.

Was willst du säubern? Es ist brandneu! Woher soll ich das wissen? Du hast noch nie etwas aus eigenem Geld gekauft!

Und warum kauft ihr eigentlich alles für euch?, platzt Liselotte schließlich heraus, und ihr Ärger bricht über die Schwiegermutter herein.

Schau dich an! Du hast die Kraft, einer Schwiegermutter zu spotten! schreit Klara, ihr Gesicht wird noch röter.

Wisch den Fleck weg, dann zieh dich mit deinem Sohn raus! Ihr werdet bei mir leben und ekeln, bis ihr euch endlich anständig verhaltet!

Liselotte, Tränen laufen, versucht verzweifelt, den Fleck zu entfernen. Die braune Marke weigert sich, vom gelben Stoff zu gehen, als wolle sie ihr Scheitern feiern.

Der kleine Jonas, der die Aufregung seiner Mutter spürt, schreit laut, sein Weinen erhöht die angespannte Atmosphäre noch weiter.

Klara steht über Liselotte und wirft weitere Schimpfwörter. Sie bemerkt nicht, dass plötzlich die Tür öffnet und Heinrich, ihr Vater, eintritt. Er steht wie ein Monument, die Axt fest in der Hand, das Holzgriffende Werkzeug glänzt im Licht.

Ein Moment lang dreht Klara den Kopf, als spüre sie eine Präsenz. Ihr Blick fällt auf die Axt.

Sie kennt Heinrich gut sie weiß, dass er ein hitziger Mann ist und kennt seine Bewährungszeit. Angst kriecht sofort in Klaras Rücken.

Heinrich spricht mit tiefer Stimme: Oh, hallo Heinrich! Ich erziehe eure Liselotte hier

Ich habe gehört, wie du sie erziehst, knurrt er, betritt das Zimmer barfuß.

Er hebt die Axt über den Kopf, doch anstatt zuzuschlagen, legt er sie locker auf die Schulter und reicht seiner Tochter die Hand.

Komm, Liselotte, du hast hier nichts mehr zu suchen, sagt er und führt sie zur Tür.

Stopp, Schwiegersohn! versucht Klara, wieder zu fassen, was sie kann. Was sage ich meinem Sohn?

Lass deinen Sohn zu mir kommen, um seine Frau zu holen. Dann reden wir. Heinrich wirft einen kurzen, eisigen Blick, der mehr sagt als tausend Worte.

Heinrich nimmt Liselotte und den kleinen Jonas mit. Bernd zögert lange, seine Schwiegermutter einzuladen, aus Angst vor dem Vater. Doch schließlich fasst er sich ein Herz.

Heinrich spricht lange mit Bernd, droht nicht, schreit nicht, doch seine ruhige, feste Stimme und die Axt auf dem Tisch geben seinen Worten Gewicht. Er verspricht, dass Bernd und Liselotte künftig getrennt von den Eltern wohnen, dass seine Mutter sich nicht mehr einmischt und dass er seine Frau und sein Kind schützen wird.

Als Heinrich Bernd die Hand fest drückt, spürt dieser, dass Spielchen mit diesem Mann nichts bringen und alle Versprechen ernst genommen werden.

Seit diesem Tag meidet Klara Liselotte und den Enkel. Sie spricht nicht mehr mit ihnen und grüßt sie nicht einmal, wenn sie die Straße kreuzen.

Bernd und Liselotte ziehen in ein eigenes Haus. Alles verläuft in Harmonie und gegenseitigem Verständnis. Vielleicht dankt man dem Rat des Schwiegervaters oder schlicht der Liebe.

Ende.

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