Meinem Sohn helfe ich mit ganzer Seele, aber meine Schwiegertochter soll sich selbst durchschlagen

 

Ich heiße Klaus, und meine Beziehung zu meiner Schwiegertochter war von Anfang an ein reines Desaster. Ich schwöre, ich habe nichts Falsches getan – ich wollte nur eine Verbindung zu diesem Mädchen, Lisa, aufbauen. Doch sie hat mich behandelt, als wäre ich ein Aussätziger, den man meiden muss.

 

Lisa hat nie meine Anrufe angenommen. Mein Sohn, Markus, rief irgendwann zurück, oft Tage später, und murmelte etwas von zu viel Arbeit. Und wenn ich auch nur daran dachte, sie in ihrem gemieteten Häuschen in der Nähe von Rothenburg zu besuchen, verschwand sie wie ein gejagtes Tier – mal zum Bäcker, mal zur Nachbarin, Hauptsache weg von mir.

 

Das hat mich zur Weißglut getrieben. Wenn bei den jungen Leuten alles glatt läuft, bin ich für sie Luft, oder? Aber sobald das Leben ihnen einen Tritt versetzt, kommen sie zu mir gerannt, als wäre ich ihr ewiges Rettungsboot. Wo bleibt da die Gerechtigkeit, verdammt? Ist es wirklich so eine Qual, den Hörer abzunehmen und zu sagen: „Papa, uns geht’s gut“? Nein. Markus hat mir immer dieselbe Leier vorgesungen: „Keine Zeit, Papa, ich rufe zurück.“ Natürlich hat er das nie getan.

 

Und dann stand Markus neulich vor meiner Tür, bleich wie ein Gespenst, die Hände leer. Er fragte, ob ich einen Hammer und Nägel hätte. Ich dachte, ich höre nicht recht. Sie wohnten doch in einem teuren Mietshaus in Rothenburg, wo im Vertrag dick und fett stand: „Keine Reparaturen!“ Dann ließ er die Bombe platzen: „Papa, können Lisa und ich bei dir unterkommen?“

 

Da kam alles ans Licht. Der Vermieter hatte sie rausgeworfen – er will das Haus verkaufen. Und sie? Hatten seit Monaten keine Miete gezahlt, weil das Geld weg war. Lisa ist „im Mutterschutz“, und Markus? Der hat seinen Job verloren.

 

Meine Wohnung hat drei Zimmer, liegt in einer stillen Ecke von Lübeck. Ich hab sie mit meiner Ex-Frau gekauft, aber die lebt seit über zehn Jahren mit einem anderen. Also gehört sie mir allein. Nicht luxuriös, aber mein Eigen. Markus zog damals zum Studium ins Wohnheim, später lebte er selbstständig. Er lernte Lisa kennen, sie zogen zusammen, lebten ein paar Jahre so, dann heirateten sie. Sie träumten von einem eigenen Haus mit Kredit, aber das ging in die Hose. Als ich Markus fragte, was sie vorhaben, fauchte er: „Misch dich nicht ein, Papa.“

 

Von Anfang an herrschte zwischen mir und Lisa eine eisige Kluft. Ich dachte, vielleicht hat sie Angst vor mir, dem alten Griesgram. Markus meinte: „So ist sie eben, Papa, nimm’s nicht persönlich, sie redet nicht viel.“ Nicht viel? Dass ich nicht lache! Mit meinem Sohn hat sie ja irgendwie geredet, oder? Sie kann lieben – hat ihn geheiratet, nicht wahr? Warum ist es dann so ein Drama, mir ein Wort zu gönnen?

 

Lisa hat meine Anrufe fast immer ignoriert. Markus rief später zurück, erschöpft von der Arbeit, und brummte irgendwas. Ich bin nicht nach Rothenburg gefahren – wozu auch? Aber wenn ich doch mal kam, war sie schneller weg, als man „Tschüss“ sagen konnte.

 

Ich hoffte, die Geburt meiner Enkelin würde die Mauer einreißen. Von wegen. Lisa machte jeden Besuch zu einem Kampf – ich musste betteln, um das Mädchen zu sehen. Sie schaffte alles allein – ihre Eltern wohnen irgendwo bei Passau, denen ist die Enkelin egal, sie kommen nicht helfen.

 

Irgendwann hab ich aufgegeben. Vielleicht ist es besser, dass ich mich nicht zu sehr an die Kleine gehängt habe. Und jetzt? Ihr Leben geht den Bach runter. Lisas Urlaub neigt sich dem Ende, aber ihren Job gibt’s nicht mehr. Markus wurde gefeuert. Der Vermieter jagt sie raus. Und da steht mein Sohn vor mir: „Papa, hilf uns.“

 

Ich habe ihm ins Gesicht gesagt: „Du und die Kleine könnt bei mir bleiben. Lisa? Die soll zu ihren Eltern gehen. Ende der Diskussion.“ Vor ein paar Tagen hat sie mich noch links liegen lassen, und jetzt braucht sie plötzlich mein Dach überm Kopf? Pech gehabt, Liebes – kämpf dich selbst durch. Ich bin fertig damit, dein Rettungsanker zu sein.

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