Meine Mutter und ich lebten in einer Zweizimmerwohnung. Es war die Wohnung des zweiten Mannes meiner Mutter. An ihn erinnere ich mich überhaupt nicht mehr. Als er wegging, war ich noch sehr jung. Von meinem Vater weiß ich nichts. Mit meiner Großmutter hatten wir keinen Kontakt. Sie mochte meine Mutter nicht besonders. Nachdem der Mann meiner Mutter gestorben war, begann meine Mutter oft zu trinken. Mehr als einmal habe ich sie betrunken gesehen. Ich schämte mich für meine Mutter. Nach dem Schulabschluss ging ich zum Studieren in eine andere Stadt und fand dort später einen Job. Um ehrlich zu sein, war ich sehr froh, meine Mutter endlich nicht mehr zu sehen.
Nach meinem zweiten Jahr kam ich im Sommer nach Hause. Unsere Wohnung sah schrecklich aus. Ich habe mich mit meiner Mutter gestritten und gesagt, dass ich mich nicht mehr bei ihr melden würde, wenn sie sich nicht zusammenreißt. Meine Großmutter hat sich immer noch nicht bei meiner Mutter gemeldet. Schweren Herzens ging ich zurück in die Schule. Ich rief meine Mutter von Zeit zu Zeit an, aber sie antwortete nur selten auf meine Anrufe. Schließlich ging ich gar nicht mehr nach Hause.
Als ich meinen Abschluss machte, beschloss ich, nach Hause zurückzukehren. Es stellte sich heraus, dass meine Mutter vor zwei Jahren gestorben war. Sie war von Nachbarn beerdigt worden.
Ich suchte meine Großmutter auf. Aber sie beschuldigte mich, meine Mutter allein gelassen zu haben, und dass sie meinetwegen gestorben sei. Dabei vergaß sie jedoch, dass sie selbst keinen Kontakt zu ihr gehalten hatte. Es stellte sich auch heraus, dass ich nirgendwo mehr wohnen konnte. Meine Großmutter verkaufte die Wohnung meiner Mutter. Ich fand vorübergehend ein Zimmer bei einer Freundin. Zwei Jahre vergingen, ich verließ meine Heimatstadt, heiratete einen wunderbaren Mann und bekam zwei Kinder. Vor einer Woche rief mich meine Großmutter an. Wir hatten vorher nicht miteinander gesprochen. Sie erinnerte sich an meine Existenz, weil sie alt und pflegebedürftig ist. Und wissen Sie was, ich habe abgelehnt. Ich werde mich nicht um einen Menschen kümmern, der mich mit nichts zurückgelassen hat.