Ein hungriger Hund rannte zwei Haltestellen lang einem Auto hinterher, in der Hoffnung auf neue Besitzer! Der Fahrer konnte nicht anders und hielt an.

**Liebes Tagebuch,**

Ich liebe das Angeln im Sommer mehr, aber im Winter fahre ich auch regelmäßig ein paarmal raus. Wie ich immer sage: „Einfach mal frieren.” Viel Fisch bringe ich nicht mit, aber für eine Fischsuppe reicht es meist, und etwas bleibt für die Katzen aus der Nachbarschaft übrig.

Heute Morgen habe ich mich vergewissert, dass das Eis auf dem Chiemsee dick genug ist, und mich für den nächsten Ausflug vorbereitet. Leise nahm ich die Angelausrüstung, holte die Brote aus dem Kühlschrank und schlich auf Zehenspitzen in den Hof – meine Frau und die Kinder schliefen noch tief und fest.

Am See war niemand. Selbst die leidenschaftlichsten Angler verbringen die Silvesterferien wohl lieber zu Hause mit Kartoffelsalat und Fondue als in der Kälte. Das störte mich nicht.

„Dann bleibt mehr Fisch für mich”, dachte ich und begann gemächlich, die Schnur auszurollen.

Da bemerkte ich am Ufer eine Bewegung. Ein ziemlich großer, struppiger Hund trat vorsichtig aufs Eis und sah mich direkt an. Alles deutete darauf hin, dass der Köter lange im Wald war: ungepflegtes Fell, eingefallene Flanken, ein misstrauischer Blick.

Er näherte sich langsam, wedelte leicht mit dem Schwanz, als wollte er sagen: keine Aggression. Ich wusste schon längst, dass er wohl mal ein Haustier gewesen war – ein wilder wäre längst weggelaufen und hätte keinen Kontakt gesucht.

Der Hund verfolgte aufmerksam jeden Zug beim Angeln. Besonders freute ihn, wenn ich einen Fisch aus dem Loch zog. Jedes Mal sprang er auf und wedelte heftig, als freue er sich über meinen Fang.

Die Brote teilten wir uns – zum Glück hatte meine Frau reichlich eingepackt. Gegen Ende der Mahlzeit wurde der Hund so mutig, dass er an der Thermoskanne mit Tee schnupperte. Den Tee fand er aber nicht gut.

Die Verlegenheit kam, als ich aufbrechen wollte. Der Hund zeigte keine Absicht zu gehen und lief ums Auto herum. Ich zögerte – einen erwachsenen Hund mit nach Hause zu nehmen, war nicht geplant.

Als ich losfuhr, trabte er hinterher, nicht auf der Straße, sondern am Rand, und stampfte mit den Pfoten durch den Schnee.

Zuerst drehte ich mich um, dann starrte ich finster geradeaus, aber nach ein paar Minuten musste ich doch zurückblicken. Der Hund, obwohl abgemagert, blieb dran. Ich seufzte und trat auf die Bremse.

Zu Hause empfing mich die ganze Familie – die Kinder und meine Frau hatten gerade gefrühstückt und kamen raus, um einen Schneemann zu bauen.

„Na, großer Fang heute?”, lächelte meine Frau. „Fische nicht so viele. Dafür habe ich ein großes Exemplar erwischt”, lachte ich und öffnete die hintere Autotür. Der Hund stieg zögernd aus und wedelte mit dem Schwanz.

Zwei Wochen später waren alle Zweifel verflogen, ob wir ihn behalten sollten. Der Hund, der den ungewöhnlichen Namen „Karpfen” bekam, hatte sich im Hof eingelebt und ließ die Kinder sogar auf sich reiten. Der Tierarzt bestätigte: gesund, nur unterernährt. Das lässt sich bei des Herren Futter schnell ändern.

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