Zu einer Jüngeren gegangen. Aber nach 4 Monaten vermisste er Kartoffelsuppe, Frikadellen und Sauberkeit. Doch die Frau ließ ihn nicht zurück. Die Beichte des 43-jährigen Markus.

Zur jungen Frau gegangen. Und nach vier Monaten begann ich, Kartoffelsuppe, Frikadellen und Sauberkeit zu vermissen. Aber meine Frau ließ mich nicht mehr zurück. Die Beichte des 43-jährigen Markus.

„Meine Frau war nach der Geburt völlig ungenießbar.“ „Klar. Hat dir nur das dritte Kind geboren.“ „Ich hab‘s kapiert. Kann ich zurückkommen?“ „Zu spät, Markus. Dein Platz ist besetzt.“ Ich heiße Markus, bin dreiundvierzig, und wenn mir vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich eines Tages vor der Tür meiner eigenen Ex-Frau stehen und mich nicht nach Leidenschaft, nicht nach Romantik, nicht einmal nach Sex sehnen würde, sondern nach einem Teller vernünftiger hausgemachter Suppe – ich hätte ihm ins Gesicht gelacht. Und zwar ehrlich. Denn damals glaubte ich, endlich aus dem Sumpf des Familienalltags ausgebrochen zu sein und wirklich zu leben. Wie sich später herausstellte, verwechselt man manchmal ein neues Leben mit einer vorübergehenden Geistesverwirrung.

Mit meiner Frau war ich fast fünfzehn Jahre zusammen. Fünfzehn. Das ist länger, so manche Hypothek durchhält. Wir hatten drei Kinder. Der Älteste fast erwachsen. Die mittlere Tochter ein Teenager. Und der Jüngste, der kam, als meine Frau vierzig wurde.

Ehrlich gesagt, nach der Geburt des Jüngsten fing alles an den Bach runterzugehen. Zumindest kam es mir damals so vor.

Heute weiß ich, dass vor allem mein Verstand den Bach runterging, aber damals sah ich die Situation völlig anders.

Meine Frau war ständig müde. Ewig unzufrieden. Ewig beschäftigt. Mal die Kinder. Mal die Schule. Mal die Ärzte. Mal der Einkauf. Mal die Putzerei. Mal irgendwelche Kurse. Mal wieder neue Probleme.

Zu Hause hat ständig einer geheult. Einer geschrien. Einer wollte was. Und ich kam von der Arbeit und wünschte mir nur eines. Ruhe.

Aber die Ruhe war schon lange aus unserer Wohnung ausgezogen. Wahrscheinlich direkt nach der Geburt des dritten Kindes.

Besonders die Nächte gingen mir auf die Nerven. Weil der Kleine schlecht schlief. Wachte auf. Meckerte. Weinte. Meine Frau stand auf. Hetzte. Machte Licht an. Und morgens sah sie aus, als hätte sie die ganze Nacht Waggons entladen.

Und statt sie zu bemitleiden, bemitleidete ich irgendwie mich selbst. Ich dachte, mein Leben sei vorbei. Dass mich zu Hause keiner versteht. Dass meine Frau keine Notiz mehr von mir nimmt. Dass ich mehr verdiene. Was für ein Idiot ich war. Aber das wusste ich damals nicht.

Da tauchte bei der Arbeit Ingrid auf. Zweiundzwanzig. Praktikantin. Hübsch. Lustig. Mit langen Beinen und völliger Kinderlosigkeit. Sie lachte über meine Witze. Sah mich an, als wäre ich ein Genie. Hörte mir zu. Interessierte sich für meine Meinung.

Und das Wichtigste – sie redete nicht über Windeln. Vor dem Hintergrund des Familienlebens kam mir das wie ein richtiges Fest vor. Erst waren es Gespräche. Dann Mittagessen. Dann Nachrichten. Dann eine Affäre.

Die Affäre entwickelte sich mit einer Geschwindigkeit, als wollten wir einen Weltrekord aufstellen. Ich fühlte mich wieder jung. Als ob das Leben erst anfinge. Ich hätte endlich die Frau getroffen, die mich versteht. Heute muss ich schon lachen, wenn ich daran denke.

Besonders das Wort „versteht“. Denn nach ein paar Monaten stellte sich heraus, dass sie überhaupt nicht verstand, warum man die Waschmaschine öfter als einmal die Woche anschalten muss.

Aber damals schwebte ich. Wie ein Idiot. Wie ein Teenager. Wie jemand, dem plötzlich das kritische Denken abgeschaltet wurde.

Natürlich erfuhr meine Frau alles. Sie erfahren es immer. Ich weiß nicht wie. Aber sie erfahren es. Der Krach war furchtbar. Ich erwartete Tränen. Erwartete hysterische Szenen. Erwartete Bitten. Aber ich bekam einen Koffer. Und die Tür.

Meine Frau sah mich an und sagte:

„Geh.“

Ich ging. Und zwar mit der Miene eines Siegers. Das ist das Komischste. Ich hielt mich wirklich für einen Sieger. Ich dachte, vor mir läge ein neues glückliches Leben. Eine junge Frau. Freiheit. Leidenschaft. Keine Kinderschreie. Keine Vorwürfe. Kein Alltagstrott.

Nach einer Woche mieteten Ingrid und ich eine Wohnung. Nach zwei Wochen fing ich an, normales Essen zu vermissen. Aber da begriff ich noch nicht das Ausmaß der Katastrophe.

Denn Ingrid kochte nicht. Gar nicht. Überhaupt nicht. Irgendwie. Ihre Kochkünste beschränkten sich aufs Öffnen einer Liefer-App. Sogar Rührei verwandelte sie in ein chemisches Experiment.

Zuerst fand ich das süß. Dann lustig. Dann beunruhigend. Nach einem Monat träumte ich schon von einem Topf Suppe. Wenigstens aus der Ferne. Nach einem weiteren Monat begann ich von Kartoffelsuppe zu träumen. Richtig. Hausgemacht. Mit Majoran. Ich wachte fast mit Tränen auf. Aber das Essen war erst der Anfang. Dann kam der Haushalt.

Es stellte sich heraus, dass sich eine zweiundzwanzigjährige Frau nicht nur durch das Alter von einer vierzigjährigen unterscheidet.

Überraschend, oder? Zum Beispiel legten sich die Sachen nicht von allein in den Schrank. Das Geschirr spülte sich nicht – ich spülte es, sie hatte ihre Nägel. Der Boden putzte sich nicht – sie hatte eine Allergie. Staub gab es. Und zwar reichlich.

Die Wohnung sah aus, als wäre ein kleiner Wirbelsturm aus Schönheit und Kosmetik durchgezogen. Überall lagen irgendwelche Töpfchen. Tuben. Flakons. Schächtelchen. Tütchen. Einmal fand ich einen Föhn im Kühlschrank. Ich weiß bis heute nicht, warum.

Als ich vorsichtig andeutete, dass man vielleicht Ordnung halten könnte, sah mich Ingrid an, als hätte ich ihr vorgeschlagen, ein Raumschiff zu bauen.

„Ich bin doch deine Putzfrau nicht.“

Sagte sie. Und sie hatte völlig recht. Das Problem war nur, dass ich zu Hause auch nicht mit einer Putzfrau zusammenlebte. Aber irgendwie blieb die Wohnung früher sauber. Die nächste Überraschung war das Geld.

Denn die Jugend liebt Vergnügungen. Cafés. Restaurants. Geschenke. Reisen. Neue Handys. Neue Taschen. Neue Erlebnisse.

Meine Ersparnisse schmolzen so schnell dahin, dass ich die Banking-App persönlich kannte.

Jeden Monat ging mehr drauf als im Vormonat. Aber ich hielt durch. Wegen der Liebe. Wegen der Leidenschaft. Weil ein Mann das muss. Weil ich ein Idiot war.

Nach vier Monaten war die Leidenschaft vorbei. Nein, formal gab es sie noch. Aber sie verdeckte nicht mehr die Realität.

Und die Realität sah so aus:

weniger Geld;

weniger Nerven;

kein vernünftiges Essen;

Chaos zu Hause;

ständig Streit.

Genau da beschloss mein Körper, seine Meinung zu sagen. Erst tat der Magen weh. Dann stärker. Dann noch stärker. Am Ende landete ich im Krankenhaus. Zehn Tage. Ganze zehn Tage.

Und wissen Sie, wer mich besuchte? Nicht Ingrid. Sie schickte zwei Nachrichten.

Eine war:

„Wie geht’s dir?“

Die zweite:

„Wann wirst du entlassen?“

Das war’s. Damit war die Fürsorge vorbei. Und dann kam meine Ex-Frau. Mit den Kindern. Sie brachte Suppe. Obst. Hausgemachte Frikadellen. Medikamente. Der Jüngste krabbelte zu mir ins Bett. Die Tochter umarmte mich. Der Älteste fragte nach meiner Gesundheit. Und in diesem Moment ging es mir richtig schlecht. Nicht wegen des Magens. Wegen der Erkenntnis. Denn zum ersten Mal seit Monaten fühlte ich mich zu Hause. Im Krankenzimmer. Mit meiner Ex-Frau.

Nach der Entlassung versuchte ich noch eine Weile so zu tun, als sei alles in Ordnung. Aber innerlich wusste ich schon. Ich hatte mich geirrt. Gewaltig. Also machte ich mich eines Tages auf. Fuhr zu meiner Ex. Ging die Treppe hoch. Klingelte. Und probte innerlich eine Rede über Fehler. Über Liebe. Über eine zweite Chance.

Die Tür öffnete sich. Aber nicht meine Frau. Im Türrahmen stand ein Mann. So um die fünfundvierzig. In Jogginghosen. Mit völlig ruhigem Gesicht.

Aus der Wohnung roch es nach Kartoffelsuppe. Richtig. Hausgemacht. Genau der Duft. Er sah mich an. Ich sah ihn an. Und in diesem Moment begriff ich alles. Endgültig. Meine Frau kam nach ein paar Sekunden. Ruhig. Lächelnd. So, wie ich sie seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte.

Da fragte ich:

„Kann ich mit dir reden?“

Sie antwortete:

„Es gibt nichts mehr zu bereden.“

Und wissen Sie, was das Gemeinste ist? Sie hatte recht. Denn manche Fehler kann man wiedergutmachen. Andere werden zur Lehre. Einer sehr teuren. Einer sehr schmerzhaften. Aber einer Lehre.

Heute, wenn ich zurückblicke, verstehe ich eine einfache Sache. Ich bin nicht gegangen, weil meine Frau ungenießbar wurde. Ich wurde damals ungenießbar.

Weil ich dachte, Jugend sei automatisch besser als Reife.

Dass Leidenschaft wichtiger sei als Familie.

Dass Aufmerksamkeit wichtiger sei als Treue.

Dass schöne Beine häusliche Gemütlichkeit ersetzen könnten.

Wie sich herausstellte, können sie das nicht.

Besonders wenn der Magen schon für die Kartoffelsuppe gestimmt hat.

Analyse des Psychologen Die Geschichte von Markus zeigt den klassischen Fehler der Midlife-Crisis. Vor dem Hintergrund der Alltagsmüdigkeit kommt einem der Mensch vor, als sei die Quelle des Unglücks die Familie, die Kinder oder der Partner. Neue Beziehungen wirken wie ein Ticket in ein leichteres, glücklicheres Leben. Aber in der Verliebtheit sehen die Leute einander nicht vollständig, sondern durch die Brille der Gefühle.

Wenn die Euphorie verfliegt, treten die Haushaltsgewohnheiten, die Verantwortung, die Fürsorge und die Fähigkeit, den Partner in schwierigen Zeiten zu stützen, in den Vordergrund. Dann wird klar, dass die Familie nicht nur auf Leidenschaft beruht, sondern auf einer Unmenge alltäglicher Arbeit, die man leicht übersieht, solange sie da ist.

Die Hauptschlussfolgerung ist einfach: Viele lernen erst dann Gemütlichkeit, Fürsorge und Verlässlichkeit zu schätzen, wenn sie sie verloren haben. Das Problem ist nur, dass man Verlorenes nicht immer zurückholen kann.

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: