“- Wo ist deine Mutter? – Sie sagte, ich solle hier auf sie warten, aber sie ist noch nicht zurückgekommen.”

Die Menschen waren voll. Einige stiegen in den Zug ein, andere warteten auf die Ankunft des Zuges. Ein kleines Mädchen sah sich die Fahrgäste an und flüsterte: “Mutti, wo bist du?”.

Ein Mann ging auf das kleine Mädchen zu, gab ihr einen Schokoriegel und fragte:
– Wem gehörst du?
– Mutti…
– Wo ist deine Mutti?
– Sie sagte, sie solle hier auf sie warten, aber sie war noch nicht zurück.

Aus der Tasche des Mädchens ragte ein Zettel heraus. Der Mann nahm ihn heraus und las ihn: “Wenn Sie dies lesen, sind Sie ein guter Mensch. Der Name meiner Tochter ist Barbara. Sie wurde am 22. Juni 2002 geboren. Ich gebe meine Tochter freiwillig weg. Sie können sie adoptieren oder in ein Waisenhaus geben. Ich bitte Sie um Verzeihung. Es gibt Dinge im Leben, die passieren.”

Der Mann nahm seinen Hut ab und kratzte sich am Hinterkopf. Er ging mit dem Mädchen auf die Polizeiwache.

Seit sechzehn Jahren lebt Barbara allein. Sie besucht die Universität und arbeitet nebenbei, um sich irgendwie über Wasser zu halten. Niemand hat sie jemals adoptiert – sie hat ihre gesamte Kindheit in einem Waisenhaus verbracht. All die Jahre hat das arme Mädchen davon geträumt, ihre Mutter zu finden.

Sie war nicht wütend auf ihre Mutter, sie wollte ihr nur in die Augen sehen. Eine Freundin riet ihr einmal, sich an Leute zu wenden, die Familien wieder zusammenführen können, es gäbe sogar Sendungen im Fernsehen. Zuerst erschien Barbara die Idee albern, aber nach einer Weile wurde ihr klar, dass sie nichts zu verlieren hatte.

Alles, was ihr blieb, war zu warten. Und buchstäblich sechs Monate später erhielt sie einen Anruf und wurde zu einem Fotoshooting eingeladen. Barbara hüpfte vor Freude an die Decke, weil sie hoffte, dass die Programmmacher ihre Mutter gefunden hatten.

Ein paar Monate später fuhr Barbara in die Hauptstadt. Ihre beste Freundin begleitete sie.

Für Barbara verging die ganze Sendung wie im Flug – sie wartete ungeduldig auf das Ergebnis. Sie fragt sich, wer auf ihre Bewerbung geantwortet hat. Und dann sagte die Moderatorin:
– Bitte begrüßen Sie Christopher.

Ein 10-jähriger Junge kam auf die Bühne und sagte, er sei ihr Bruder. Seine Mutter hatte ihm erzählt, dass er eine jüngere Schwester Barbara habe, die sie aber in ein Waisenhaus gegeben habe.

– Wen wolltest du besuchen? – fragte die Moderatorin.
– Mit meiner Großmutter. Meine Mutter ist letztes Jahr gestorben.

Meine Großmutter kam ins Studio. Sie umarmte Barbara und flüsterte:
– Verzeih mir, mein Kind. Ich werde dich nie wieder verlassen!

 

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