Super, dass du getrennte Finanzen vorgeschlagen hast. Dann behalte ich einfach mein ganzes Geld für mich.

Sehr gut, dass du getrennte Finanzen vorgeschlagen hast. Dann behalte ich einfach alles für mich.

Als mein Mann beim Abendessen den Teller zur Seite schob, als hätte ich ihm keine Frikadellen serviert, sondern eine Vorladung vom Gericht, wusste ich: Jetzt kommt eine Grundsatzrede. Sebastian zupfte an seiner Serviette, hustete theatralisch und sah mich nicht an, sondern schweifte geistig wohl schon in eine glorreiche kapitalistische Zukunft ab. Dann verkündete er: Hannah, ich habe das mal durchgerechnet. Unser Haushalt stürzt ins Chaos, weil du keine Ahnung von Finanzen hast. Ab morgen machen wir getrennte Kassen. So.

Spannung kam keine auf, aber der Geruch von Unsinn lag jetzt so deutlich in der Luft wie der Duft von Brathering zur Weihnachtszeit. Ich legte die Gabel langsam beiseite.

Sehr schön, dass du das vorschlägst, Sebastian, sagte ich mit dem Lächeln eines Krokodils, das ein Kaninchen begrüßt. Dann behalte ich auch einfach alles, was mir gehört.

Er blinzelte erstaunt. In seinem Kopf, in dem Gedanken so selten und geräuschvoll zusammenstoßen wie Billardkugeln, passte dieser Satz wohl nicht ins Raster. Er hatte mit Tränen, Vorwürfen oder einer Szene gerechnet, aber nicht mit ruhiger Zustimmung.

Brav, nickte er gönnerhaft und zählte wohl in Gedanken schon, wie viel Geld er an mir sparen würde. Ich spare für meinen Status. Ein Mann braucht Status, Hannah. Und du naja, für Strumpfhosen reichts schon.

Mein Mann, Sebastian Petersen, war ein bemerkenswerter Mensch. Er hielt sich selbst für eine Wirtschaftskanone, arbeitete aber als Sachbearbeiter in einer mittelständischen Firma, die Fenster verbaute. Sein Status äußerte sich meist in neuen Technikspielereien, deren Funktionen er nur zu drei Prozent nutzte, und im Lesen von Motivationssprüchen im Netz.

Abgemacht, nickte ich. Möchtest du deine Frikadelle noch essen? Oder passt die jetzt nicht mehr in dein Budget?

Er aß. Gratis. Zum letzten Mal.

Die erste Woche der neuen Wirtschaftspolitik stand unter dem Zeichen des Stolzes. Sebastian stolzierte durch die Wohnung, fragte betont nicht nach dem Preis des Waschmittels und kaufte sich einen Premium-Kalender aus Kunstleder, in den er fein säuberlich seine Ausgaben eintrug.

Mittwochs brachte er eine Tüte mit, aus der einsam zwei Dosen Discount-Bier und eine Packung billigste Tiefkühl-Maultaschen klapperten. Ich räumte gerade meine Einkäufe aus dem Feinkostladen ein: frische Forelle, Avocado, feiner Käse, Gemüse und eine Flasche guten Rieslings.

Sebastian lehnte an der Küchentür mit dem Gesichtsausdruck eines abgekämpften Kriegers. Lebst du hier auf großem Fuß? schnappte er und deutete auf den Fisch. Deshalb hatten wir nie Ersparnisse. Dein Lebensstil ist unser Problem. Nicht unser, Sebastian, meiner, verbesserte ich ihn beim Zitronenschneiden. Du sparst doch jetzt auf deinen Status. Hast du eigentlich schon ein eigenes Fach im Kühlschrank? Deins ist unten, im Gemüsefach optimal für deine Assets.

Er schnaubte, holte seine Maultaschen raus und warf sie in meinen Topf. Gas, sagte ich, ohne mich umzudrehen. Was? Gas, Wasser, Abnutzung vom Topf und Tabs für den Abwasch. Wir teilen jetzt alles, oder? Ach Hannah, werd nicht kleinlich! winkte er ab wie ein Graf eine Fliege. Das passt nicht zu dir.

Kleinlich nennt man das also, Sebastian. Ich nenn es Marktwirtschaft.

Er wollte lachen, aber die heiße Maultasche klebte ihm am Gaumen und die Grimasse erinnerte an einen Möp, der Zitrone gemopst hat. Du bist nur sauer, weil ich dir keinen Zugriff mehr auf meine Karte gebe, murrte er und puhlte die Teigtasche aus den Zähnen. Frauen drehen immer durch, wenn sie die Kontrolle verlieren.

Am Samstag kam Maria Elisabeth vorbei. Meine Schwiegermutter eine Frau der Extraklasse. Sie liebt mich genauso sehr, wie sie über die Einfältigkeit ihres Sohnes den Kopf schüttelt. Als ehemalige Chef-Buchhalterin eines großen Werks schätzte sie Zahlen mindestens so hoch wie Menschen.

Wir tranken Tee mit Törtchen. Sebastian saß uns gegenüber, kaute an seiner Discount-Brezel (im Angebot natürlich) und spielte das Opfer des Systems.

Mama, stell dir vor, Hannah versteckt jetzt sogar das Toilettenpapier! Im Bad hängt jetzt nur noch Schmirgelpapier, während sie ein dreilagiges mit Pfirsichduft im Spiegelschrank hortet! Das ist Diskriminierung!

Maria Elisabeth stellte behutsam die Tasse ab. Sebastian, begann sie sanft, und woran hast du gedacht, als du diese Diskriminierung eingeführt hast? Etwa mit dem Körperteil, für das das Papier eigentlich gedacht ist?

Mama! Ich optimiere das Budget! Ich will doch ein Auto kaufen! Ein Auto? sie zog die Augenbraue so hoch, dass sie fast hinter die Haare rutschte. Mit den paar Euro, die du vor deiner Frau versteckst? Du sparst beim Klopapier, um dir einen alten rostigen Golf zu kaufen und dich für den König der Autobahn zu halten?

Das ist eine Investition! fauchte Sebastian. Eine Investition ist Hannah, die dich, Dussel, in ihrer Wohnung überhaupt noch duldet, seufzte Maria Elisabeth und lächelte mir zu. Und übrigens, dieser Kuchen ist göttlich, Hannah.

Sebastian wollte sich ein Stück Kuchen nehmen. Meine Hand mit dem Buttermesser lag ruhig, aber entschlossen dazwischen. Fünf Euro, Sebastian. Oder beiß in deine Brezel. Im Ernst? Bei deiner Mutter? Der Markt ist hart, Liebling. Die Gabel kostet noch einmal fünfzig Cent extra.

Er zuckte, lief rot an, griff nach seiner Brezel und stapfte aus der Küche. Hysterisch, stellte Maria Elisabeth trocken fest. Ganz nach dem Vater. Der hat auch ewig Kapital gehortet bis ich ihn samt Unterwäsche zurück zu Muttern geschickt habe. Halte durch, Kind. Jetzt kommt die Beleidigt und mir ist alles egal-Phase.

Zwei Wochen später steuerte das Experiment seinem Höhepunkt entgegen. Sebastian war abgemagert, wirkte blass, aber zu stolz um nachzugeben. Er trug zerknitterte Hemden (Waschmittel und Weichspüler gehörten mir, sein Kernseife verschmähte er), roch nach billigen Deos und blickte mich an wie ein geprügelter Dackel, der trotzdem glaubt, er sei ein Wolf.

Die Erlösung kam an einem Freitagabend. Ich kam müde, aber zufrieden von der Arbeit die Prämie war da. Auf dem Tisch: ein schlaffes Sträußchen Nelken und eine Flasche Deutscher Sekt.

Sebastian strahlte, als hätte er im Lotto gewonnen. Hannah, setz dich. Wir müssen reden. Ich habe entschieden, die Regeln ein wenig zu lockern. Ich zahle ab sofort… dramatische Pause fünfhundert Euro in den gemeinsamen Topf. Fürs Essen.

Ich sah ihn an. Die Nelken erinnerten an Omas Herbarium, der Sekt verursachte schon beim Anblick Sodbrennen.

Fünfhundert Euro? Großzügig, Sebastian. Aber es gibt da noch was. Ich holte meine Mappe heraus darin eine sorgfältig ausgedruckte Excel-Tabelle.

Was ist das? fragte er misstrauisch. Die Rechnung, mein Lieber. Fürs Wohnen. Sieh: Miete für ein Zimmer im Zentrum (inklusive Mitbenutzung von Küche und Wohnzimmer) 1250 Euro. Nebenkosten (du duschst gerne 40 Minuten) 250 Euro. Reinigungspauschale (ich putze, du nicht) 150 Euro. Macht insgesamt: 1650 Euro pro Monat. Für die letzten zwei Wochen also 825 Euro. Plus Abnutzung von Haushaltsgeräten.

Sebastian wurde bleich. Du willst Geld von mir, weil ich in der Wohnung meiner eigenen Frau wohne?! In der Wohnung einer Frau, mit der du getrennte Kassen führst, antwortete ich ruhig. Alles, was mir gehört, bleibt bei mir. Die Wohnung gehört mir, du bist also Mieter. Ohne Vertrag kann ich dich in 24 Stunden rauswerfen.

Das ist doch kleinlich! Ich bin doch ein Mann! schrie er, der Stuhl kippte um. Du bist ein Mann, der an seiner Frau sparen wollte dabei lebst du auf ihre Kosten, sagte ich leise, jeden Satz wie ein Gewicht fallen lassend. Du wolltest Partner sein? Dann sei einer. Oder such dir, wo Status billiger ist.

Er japste entsetzt, schlug die Hände in die Luft, sagte nichts.

Das wirst du bereuen! brachte er heraus. Ich gehe! Finde eine, die mich schätzt, nicht ihre Quadratmeter! Viel Glück, Sebastian. Vergiss deine Maultaschen nicht, die im Tiefkühler. Das ist dein Besitz, ich nehme nichts Fremdes.

Er rannte durch die Wohnung, packte wütend seine Sachen. Nannte mich geldgeile Ziege, Liebestöterin, schimpfte, er müsse jetzt in die Kälte der Nacht.

Ruf deine Mutter an, sie soll dir das Gästebett machen, riet ich, während ich mir ein Glas Riesling einschenkte. Ruf das günstigste Taxi. Schon dich, Statusmann.

Er schlug die Tür so hart, dass nur die Nachbarin unten aufwachte mein Gewissen blieb unberührt.

Die neue Ruhe in der Wohnung war süß wie Honig. Ich saß im Sessel, schaute auf die Lichter der Stadt und fühlte mich leicht wie nie. Es piepte auf dem Handy. Nachricht von Maria Elisabeth: Er ist da. Sauer, hungrig, will Gerechtigkeit. Habe ihm gesagt, Gerechtigkeit kostet er hat nicht genug Geld. Habe fürs Abendessen und Übernachtung eine Rechnung gelegt. Er soll sich an den Markt gewöhnen. Wie gehts dir, hältst du durch?

Ich lächelte und tippte zurück: Alles bestens, Mama. Ich kaufe mir neue Vorhänge von meinem Ersparten.

Man sollte Menschen selten erklären, warum sie töricht sind. Es ist viel wirkungsvoller und lehrreicher, sie für ihre Dummheit den vollen Preis zahlen zu lassen. Wenn ein Mann dir Unabhängigkeit anbietet, schau, ob er auch damit leben kann, wenn du sie wirklich annimmst.

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: