Ach, du meine Güte, das ist eine Geschichte Also, der Mann nannte sie vor seiner Geliebten niemand, aber ein Jahr später fand die Ehefrau doch noch die perfekte Antwort
Gehts Ihnen nicht gut? Eine besorgte Männerstimme riss sie aus ihrer Starre. Sie hob die tränenverschleierten Augen zu dem Fremden auf und brach einfach zusammen! Laut schluchzend, ohne sich um die schockierten Passanten zu kümmern, die ihr auswichen.
Greta wusste gar nicht mehr, wann sie das letzte Mal mehr als fünf Stunden geschlafen hatte. Ihr Tag begann vor Sonnenaufgang und endete tief in der Nacht. Putzen der riesigen Wohnung, Kochen für drei Männer (Ehemann, Sohn, bettlägeriger Schwiegervater), Waschen, Bügeln Und abends die zweite Schicht: Boden schrubben im Bürokomplex. Für sich selbst blieb keine Zeit überhaupt keine.
Es war nicht von heute auf morgen passiert, sondern schleichend. Zuerst fing die Schwiegermutter, die ein Stockwerk tiefer wohnte, an, häufiger auf einen Tee vorbeizukommen und hinterließ jedes Mal einen Berg dreckigen Geschirrs und ungebetene Ratschläge. Dann entschied ihr Mann, dass Haushalt reine Frauensache sei.
Der Sohn, längst erwachsen, lernte schnell die Spielregeln. Selbst auf Arbeit lud der Chef sie mit den Aufgaben kranker Kollegen voll und deutete unmissverständlich an: Wenns dir nicht passt, gibts draußen eine Schlange von Ersatz. Greta nickte stumm und erledigte alles.
Früher, vor der Ehe, war sie eine talentierte Konditorin gewesen. Ihre Torten begeisterten jeden. Doch die endlosen Familienprobleme, die Krankheit des Schwiegervaters, das ständige Geldknappheit ließen sie ihren Traum begraben und stattdessen dort arbeiten, wo man wenigstens etwas für die schwere, undankbare Arbeit bezahlte.
Die Tochter war längst ausgezogen, verheiratet und ins Ausland gegangen von ihr erwartete sie keine Hilfe, und Greta beschwerte sich nie, freute sich nur still über ihr Glück von fern.
Erschöpfung wurde ihr zweiter Name. Jeden Abend fiel sie wie tot ins Bett, versank in einen traumlosen Schlaf, nur um nach wenigen Stunden den Wahnsinn von Neuem zu beginnen. Jahre solchen Lebens hinterließen Spuren.
Sie hatte längst aufgehört, auf sich zu achten. Das Übergewicht, das ihr Mann spöttisch Bärenfell nannte, stumpfes Haar zum Dutt gebunden, ein alter Bademantel und ein ständig müdes, gehetztes Gesicht.
Greta hatte sich selbst aufgegeben, vergessen, wann sie sich zuletzt etwas Schönes statt nur Praktisches gekauft hatte. Ihr Mann Thomas hatte nicht nur das Interesse verloren er sah sie mittlerweile mit kaum verhohlener Abscheu an.
Seine abfälligen Kommentare wurden immer häufiger, und der letzte Spruch über den olympischen Bären war nur einer von vielen. Er verschwand öfter abends, kam morgens zurück mit leerem Blick und dem verräterischen Duft fremder Parfüms.
Die Schwiegermutter krönte das Ganze. Ihr giftiges Geflüster und die Beschwerden über die unfähige Schwiegertochter wurden zur täglichen Qual. Wenn Greta an der Parkbank vorbeiging, spürte sie den stechenden Blick und hörte die Lästereien mit den Nachbarinnen.
Es war zum Kotzen, aber die Kraft zum Widerstand fehlte. Mit jedem Tag fühlte Greta sich weniger wie eine Frau, ein Mensch eher wie eine unsichtbare Funktion, eine stumme Maschine für die Bedürfnisse anderer.
Greta, guck dich mal an! Die Schulfreundin war entsetzt bei einem zufälligen Treffen. Wirf die alle raus, kümmere dich um dich!
Kann ich nicht, Elke. Familie geht vor, murmelte Greta und wandte den Blick ab. Doch die Worte trafen sie mitten ins Herz.
Der Bruch kam plötzlich und brutal. Völlig übermüdet schlief sie im Bus ein, verpasste ihre Haltestelle. Als sie in einem fremden Viertel ausstieg und durch eine belebte Straße mit Café-Terrassen lief, erstarrte sie.
Dort, an einem Tisch, saß Thomas. Strahlend wie ein frisch polierter Samowar, den Arm um eine gepflegte Blondine gelegt, deren Kleidung vermutlich drei Gretas Gehälter kostete.
Die Welt um sie herum verblasste. Ein eisiger Ring schnürte ihr die Brust zu, ein Rauschen füllte ihre Ohren Mit letzter Kraft trat sie näher.
Thomas?
Er fuhr herum. Für einen Moment blitzte Angst in seinen Augen, dann nur noch Ärger. Die Blondine musterte Greta von Kopf bis Fuß.
Schatz, wer ist das? Sie zog die Nase hoch.
Und dann sagte Thomas, ohne sie richtig anzusehen: Ach, das? Nur niemand. Von der Arbeit.
Von der Arbeit. Nicht seine Ehefrau, nicht die Mutter seines Kindes nur von der Arbeit. Er schämte sich für sie. Vor dieser hochgestylten Puppe. Das war schlimmer als eine Ohrfeige. Der Schmerz, die Demütigung, die jahrelangen Opfer alles brach über sie herein.
Sie drehte sich um und ging, taumelte wie betrunken. Die Welt verschwamm. In ihrem Kopf hämmerte es: Von der Arbeit von der Arbeit
Gehts Ihnen nicht gut? Die besorgte Stimme des Fremden holte sie zurück. Sie sah ihn mit tränenverschleierten Augen an und weinte einfach los. Laut, ohne Scham. Sie weinte nicht wegen der Untreue. Sie weinte um ihr zerstörtes Leben, ihre Träume, um die Greta, die es nicht mehr gab.
Zu Hause angekommen, schritt sie wie im Traum an der zischenden Schwiegermutter vorbei. Sie schloss die Tür mit ihrem eigenen Schlüssel.
Mama, hast du meine blauen Socken gewaschen? In den Schrank geräumt? Der 25-jährige Sohn rief es aus seinem Zimmer, ohne zu fragen, warum sie so spät kam oder warum ihre Augen rot waren.
Das Telefon klingelte. Der Chef.
Greta, Schmidt ist wieder krank! Morgen früh ins Büro, hier gehts drunter und drüber!
Ich komme nicht. Ihre Stimme war kaum hörbar.
Was?! Bist du bescheuert? Ich feuere dich Sie beendete das Gespräch und steckte das Handy in die Tasche ihrer alten Jacke.
Ohne ein Wort packte sie eine kleine Tasche mit dem Nötigsten und verließ die Wohnung, die längst kein Zuhause mehr war. Sie ging zu ihrer Mutter. Zwei Wochen lang klingelte das Telefon Thomas, der Sohn, der Chef. Greta schwieg. Sie hatte verstanden: Sie brauchten nicht sie nur ihre Funktionen.
Sie saß stundenlang in Mutters Küche, starrte aus dem Fenster. Und eines Tages kam die klare Erkenntnis: Nicht nur Thomas war schuld. Nicht nur die Schwiegermutter oder der Sohn. Auch sie selbst. Sie hatte es zugelassen.
Wut stieg in ihr auf. Sie schlug mit der Faust auf den Tisch. Die alte Tasse mit dem kitschigen Herzchen, die Thomas ihr einst geschenkt hatte, fiel und zerbrach.
Genug, dachte Greta und sah auf die Scherben. Die alte Greta ist tot. Es gibt kein Zurück.
Ein Jahr verging.
Ein strahlender Sommertag. Greta saß auf der Terrasse eines gemütlichen Cafés, trank duftenden Kaffee und lachte über einen Witz ihres Begleiters. Schlank, frisch gestylt, in einem eleganten Kleid, mit einer modernen Frisur und leuchtenden Augen sie zog bewundernde Blicke an.
In diesem Jahr hatte sie sich radikal verändert. Sie erinnerte sich an ihre alte Leidenschaft die Konditorei und wagte einen Neuanfang. In