– Niemand hat sie vertrieben, – antworteten sowohl die einen als auch die anderen, – sie wollten aus eigenem Grund nicht bleiben! Lasst sie kommen! Wir freuen uns.

Setz dich! Wir sind nicht zu Hause!, sagte Peter Müller ruhig.

Ja, da klingelt ja jemand!, erstarrte Leni Schreiber, während sie vom Sofa aufstand.

Lass ihn, erwiderte Peter.

Und wenn es jemand Wichtiges ist? Oder geschäftlich?, fragte Leni. Oder ein Notfall?

Samstag, zwölf Uhr, murmelte Peter. Du hast niemanden gerufen, ich erwarte niemanden! Was ist das Fazit?

Ich will nur kurz hinschauen!, flüsterte Leni.

Setz dich!, klang seine Stimme wie Stahl. Wir sind nicht zu Hause! Wer auch immer dort ist, soll zurücktappen!

Und du weißt, wer dort ist?, hakte Leni nach.

Vermutlich, deshalb sage ich, du sollst sitzen und nicht vor den Fenstern blinken!

Wenn das das ist, was ich denke, werden sie nicht einfach gehen!, sagte Leni und zuckte mit den Schultern.

Das hängt davon ab, wie lange wir ihnen die Tür nicht öffnen, antwortete Peter gelassen. Früher oder später gehen sie.

Sie werden jedenfalls nicht im Treppenhaus übernachten. Und wir brauchen keinen Ort, an den wir gehen müssen. Also setz dich, nimm Kopfhörer, Telefon und schau einen Film.

Peter, meine Mutter ruft, sagte Leni und zeigte auf ihr Handy.

Dann steht hinter der Tür deine Tante mit ihrem tollpatschigen Sohn, fasste Peter zusammen.

Woher weißt du das?, staunte Leni.

Wenn dort mein Cousin stehen würde und Peter sprach das Wort Cousin mit einem weichen, fast ekelhaftenedann hätte meine Mutter angerufen!

Siehst du keine anderen Möglichkeiten?, fragte Leni.

Wenn es die Nachbarn sind, habe ich keinen Wunsch, mit ihnen zu reden. Wenn es unsere Freunde sind, würden sie nach ein paar Klingelversuchen schon gehen.

Am wahrscheinlichsten, wie anständige Leute, würden sie vorher anrufen und fragen, ob wir sie aufnehmen können, anstatt eine halbe Stunde an der Tür zu pochen!

Nur unsere nervigen Verwandten können unser Klingeln so dreist und gewissenlos zerreißen!

Peter, das ist meine Tante, jammerte Leni. Mama hat geschrieben: Sie fragt, wo uns die Teufel hintragen. Tante Anja bleibt ein paar Tage, weil sie in der Stadt etwas zu erledigen hat!

Schreib ihr, dass es in der Stadt voll Hotels gibt, grinste Peter.

Peter!, schimpfte Leni. Ich kann das nicht schreiben!

Ich weiß, dachte Peter nach. Schreib, dass wir zu Hause nicht sind, wir leben im Hotel, weil in der Wohnung die Kakerlaken wimmeln!

Genau!, tippte Leni die Nachricht und verschickte sie.

Peter, sie will, dass wir für die Tante zwei Zimmer buchen: eins für sie und eins für Klaus, rief Leni panisch.

Schreib, wir haben kein Geld. Und sag, wir haben in einem Hostel zwei Betten genommen, und im Zimmer sind fünfzehn Ausländer mit dabei, lachte Peter über seine Einbildungskraft.

Mama fragt, wann wir zurückkommen, blickte Leni zu ihrem Mann.

Schreib, in einer Woche, winkte Peter ab.

Das Klingeln hörte auf. Das Ehepaar atmete erleichtert auf.

Peter, Mama hat geschrieben, die Tante kommt in einer Woche, murmelte Leni erschöpft.

Dann wird uns wieder zu Hause niemand finden, sagte Peter.

Peter, das löst das Problem nicht! Wir können nicht ewig vor ihnen weglaufen! Und wenn sie an einem Werktag kommen? Oder nach der Arbeit hinter der Tür warten? Meine Tante, dein Cousin die sind doch nicht zu solchen Dingen fähig!

Nun ja, seufzte Peter. Hat uns der Teufel etwa ein dreizimmeriges Haus zum Kauf verkauft?

Peter, wir kaufen das doch für unsere zukünftige große Familie, sagte Leni.

Wir brauchen ein Kind!, sagte Peter ernst. Besser gleich zwei!

Und was, ich bin dagegen?, protestierte Leni. Du weißt doch, man muss sich untersuchen lassen! Das geht nicht!

Ein bisschen Nervensäge entfernen, dann ist alles gut, sagte Peter ernst. Unsere Nerven schwingen abwechselnd, deine und meine! Wir vertreiben sie alle dorthin, wo sie herkommen sonst geht nichts!

Leni widersprach nicht. Sie wusste, Peter hatte recht.

Als sie heiraten wollten, hatten sie eine aufwändige Kompatibilitäts und Erbkrankheitsprüfung gemacht. Auch die Fruchtbarkeit war getestet.

Dann war alles perfekt. Direkt nach der Hochzeit musste das KinderThema jedoch wegen des Wohnungsbaus warten.

Erbe war keine Option, und bis zur Hochzeit lebten Peter und Leni mit ihren Müttern in Einzimmerwohnungen. Man konnte nur auf sich selbst zählen.

Fünf Jahre harter Arbeit und knapper Sparsamkeit ermöglichten ihnen, eine große Wohnung zu kaufen.

Ein Altbau, nicht neu, renoviert, Möbel fast selbst gebaut. Und wie glücklich war das alles!

Kaum hatten sie den Einzug gefeiert, klopfte es an der Tür: Tante Anja mit ihrem Sohn. Und um die jungen Gastgeber nicht zu überfordern, kam noch die Schwiegermutter mit.

Ihr seid hier nicht zu kurz gekommen, Platz gibt es genug! Nicht wie wir mit Leni in einem Zimmer geschlafen haben!

Gemütlich, nickte Tante Anja. Ich lege mir ein Zimmer für mich und Klaus separat hin!

Wir schlafen nicht im Wohnzimmer, sagte Peter. Das ist ein Ruheraum!

Ich will hier nicht arbeiten und bleibe nicht lange!, lachte Anja. Leni, erklär deinem Mann, dass mir mit dem Sohn das Schnarchen zu laut ist! Und überhaupt, Gäste im Haus, aber kein Tisch gedeckt!

Nun, wir haben euch nicht erwartet, stammelte Leni.

Und der Kühlschrank ist leer, fügte Peter hinzu.

So ist es eben, meinte Anja milde. Peter, geh zum Supermarkt, und Leni renn in die Küche!

Warum erstarrt ihr?, rief die Schwiegermutter. Ihr nehmt doch Gäste!

Ihr habt das nicht gemerkt, schrie Peter, doch Leni zog ihn in ein anderes Zimmer.

Als Peter die Hand seiner Frau von ihrem Mund befreite, fragte er:

Leni, hat hier irgendjemand etwas verwechselt? Ich werfe sie jetzt raus zu deiner Mutter! Gemeint ist deine Mutter mit! Wenn Gäste kommen, verhalte dich wie ein Gast! Und das hier?, protestierte Peter.

Peter, die Frau ist einfach! Aus dem Dorf! So ist das üblich!

Ich kenne das Landleben, aber Unhöflichkeit gibt es nirgends! Genau das ist das Problem!

Liebling, lass uns nicht mit Mama und Tante streiten! Sie rauben mir sonst die Nerven! Und du würdest ihr Gegner werden! Brauchst du das?

Mir egal, was ich für sie werde! Wenn sie mich so behandeln, fällt es mir leicht, sie zu ignorieren! Und nie zu sehen! Lass sie einfach verschwinden, ich weine nicht!

Peter, Liebling! Erbarm dich doch! Wenn wir jetzt Tante Anja hinauswerfen, verflucht mich Mama! Und ich habe niemanden außer ihr!

Das überzeugte ihn. Peter biss die Zähne zusammen und ging zum Markt.

Tante Anja blieb drei Tage, dann wurden zwei Wochen. Peter verbrachte den Nachmittag auf einer VallerianPille, bis zum Abend des zweiten Tages.

Der Abschied von Tante Anja und ihrem Sohn wurde vom jungen Paar freudig mit Besen und Wischmopp gefeiert. Drei Tage lang schrubbten sie die Wohnung.

Dann wiederholte sich das selbe Szenario von der anderen Seite.

Bruder, ich bin nur kurz hier, umarmte Dirk seinen Bruder bis die Knochen knirschten. Wir müssen die Sache klären, dann zurück!

Kannst du das nicht allein regeln?, fragte Peter.

Was? Ich habe doch Familie! Wie soll ich sie allein im Dorf lassen und selbst in die Stadt? Denk nach!, lachte Dirk. Und wenn ich ein Abenteuer finde? Dann wird meine Frau mich kontrollieren!

Deshalb hast du die Kinder mitgebracht?, fragte Peter.

Wen lasse ich sie?, brüllte Dirk seinem Bruder in den Rücken. Sie können ja Spaß haben! Lasst uns das Städtchen wie früher erkunden!

Dirk!, schrie Svetlana laut. Ich erkläre dir das jetzt, sodass danach nichts mehr wackelt!

Eineinhalb Stunden nach der Ankunft von Peter mit Familie bekam Leni heftige Kopfschmerzen. Die Kinder rannten durch die Wohnung und schrien ununterbrochen. Svetlana konnte nur schreien, sonst nicht reden.

Dirk rannte überall hin, um die Nacht anzuzünden, worüber Svetlana noch lauter schrie.

Peter, du bist doch eigentlich der einzige Sohn meiner Mutter, flüsterte Leni ins Kissen.

Er ist ein Cousin zweiten Grades mütterlicherseits, knurrte Peter. Ich nenne ihn meinen Cousin.

Mir egal, wie du ihn nennst, können wir ihn hier bitte rausschmeißen?

Weißt du, ich würde das gern, sagte Peter und legte die Hand aufs Herz, aber das ist dieselbe Situation wie mit deiner Tante. Meine Mutter würde mir danach das Gehirn mit einem Teelöffel herausziehen und zum Essen zwingen!

Kaum hatten sie einen Besuch verlassen, standen neue Gäste an der Tür. Tante Anja mit ihrem Sohn brachte ständig neue städtische Angelegenheiten mit.

Cousin Dirk mit Familie kam immer wieder, um die Sache zu regeln. Und die Mütter vergaßen ihre Kinder nicht. Die Schwiegermutter zog dem Schwiegersohn das Hirn heraus, die Schwiegertochter das ihres Mannes.

Ständiges Nervenkratzen zerstörte das seelische und psychische Wohlbefinden des jungen Paares. Natürlich konnte bei diesem endlosen Karussell von Gästen nicht über Kinder gesprochen werden. Die Gesundheit litt, und die Frage blieb: Wie weiter?

Sollen wir die Wohnung tauschen?, schlug Leni vor.

In weichere Zimmer?, lächelte Peter. Die bekommen wir bald sowieso!

Nein, grinste Leni leicht. Lass uns die Wohnung gegen exakt die gleiche tauschen! Es gibt Menschen, die in einem anderen Bezirk wohnen wollen! Wir ziehen um und sagen niemandem, wo wir hinziehen!

Das ist reine Aufschieberei, stöhnte Peter. Und mein Cousin sowie deine Tante werden neue Mieter finden, die zugeben, wo ihre alte Wohnung war. Sie werden uns finden! Und dann werden sie uns dafür aufhängen!

Vielleicht haben wir genug Zeit, ein Kind zu bekommen?, hoffte Leni.

Wir müssen nicht nur das Kind bekommen, sondern es auch zur Welt bringen. Das wäre zumindest ein Vorwand, nickte Peter.

Zieh dich doch aus der Wohnung zurück, seufzte Leni. Können wir bei Freunden unterkommen? Vielleicht uns verstecken!

Meinst du Valera und Katja?, fragte Peter.

Genau, nickte Leni. Die haben auch ein Zimmer!

Dort lebt Tera, lachte Peter. Hast du vergessen?

Ich lebe lieber mit einem Schäferhund als mit unseren Verwandten!, sagte Leni mutlos, den Kopf senkend.

Stopp!, rief Peter und schnappte nach dem Telefon. Valeko, leih mir einen Hund!

Hey! Freund! Ich schulde dir ewig! Katja und ich wollen ans Meer, aber das Mädchen bleibt ohne Begleitung! Sie mag keine Fremden, kennt euch aber und respektiert euch! Ich bringe Futter, Decken, Spielzeug, Näpfe! Und zahle noch!, brüllte Valera ins Ohr. Bring ihn!

Futter!, jubelte Peter.

Er kehrte zu seiner Frau zurück, strahlend wie ein Morgensonnenschein:

Ruf Mama an, lass die Tante morgen ankommen! Und ich rufe meinen Bruder, damit er nächste Woche vorbeikommt!

Bist du sicher?, fragte Leni.

Wir freuen uns, sie aufzunehmen! Wer hat Schuld daran, dass unser Bewohner ihnen nicht gefällt?

Cousin Dirk und seine Familie brauchten nur ein Geh los, um ein schickes Hotel zu wählen.

Tante Anja bestand darauf, ihr Recht auf Gastfreundschaft zu wahren.

Schnappt das Biest irgendwo ein!, schrie sie, versteckt hinter dem schmalen Rücken ihres Sohnes.

Tante Anja, machen Sie Witze?, lächelte Peter. Fünfundvierzig Kilogramm reine Muskelmasse! Das ist keine Zwergspitze, das ist ein deutscher Schäferhund! Er kann jede Tür tragen!

Warum knurrt er mich an?, bebte Anjas Stimme.

Mag keine Fremden, zuckte Leni mit den Schultern.

Räum ihn weg! Ich kann nicht mit diesem Tier in einer Wohnung leben!

Wie bitte, loswerden?, empörte sich Peter. Der süße Hund ist jetzt unser! Wir haben ja noch keine Kinder, aber wir müssen lieben! Und wir lieben ihn sehr!

Wir werfen ihn nicht raus!, ergänzte Leni.

Dann riefen beide Mütter an und fragten, warum sie die Verwandten nicht aufgenommen hatten.

Niemand hat sie ausgewiesen, antworteten beide, sie wollten einfach nicht bleiben! Kommt gerne! Wir freuen uns!

Und der Hund?

Mama, wir verweigern niemandem die Gastfreundschaft!

Doch die Mütter hörten auf, ungebeten einzudringen.

Nach einem Monat fuhr Tera zurück zu ihren Besitzern, doch sie war bereit, bei der ersten Einladung zurückzukehren.

Das blieb unnötig Leni wartete bereits auf die Zwillinge.

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