**Tagebucheintrag:**
Ich wusste schon immer, dass meine Schwiegermutter eine besondere Frau ist. Doch nicht einmal in meinen wildesten Träumen hätte ich gedacht, dass sie zu unserer Hochzeit in Weiß erscheinen würde.
Das Kleid war fast wie ein Brautkleid: lang, mit Spitze und figurbetont. Sie betrat das Standesamt in Berlin mit der Anmut einer Catwalk-Königin. Während die Gäste tuschelten, lächelte sie nur und meinte: *Na und? Heute ist doch unser aller Fest.*
Der erste Warnschuss kam, als sie darauf bestand, mit uns im selben Auto zu fahren. *Bin ich etwa schon eine Fremde für euch?* Sie setzte sich direkt neben meinen Bräutigam, und ich musste mich auf die Rückbank quetschen. Ein perfekter Start, nicht wahr?
Im Standesamt positionierte sie sich wie eine Dritte in unserem Paar. Auf jedem Foto ihre Hand auf seiner Schulter, ihr Gesicht näher an der Kamera als meins. Irgendwann richtete sie sogar meinen Schleier und flüsterte: *Der sitzt schief Lass mich das machen.*
Beim Festmahl benahm sie sich wie die Gastgeberin. Sie korrigierte die Musik, beschwerte sich beim Kellner über den *versalzten Salat* und flüsterte ununterbrochen mit meinem Mann als müsste sie ihn ständig daran erinnern, wer seine Mutter war.
Dann kam ihr Höhepunkt: Sie erhob sich zum Toast. *Ich wünsche euch Glück. Obwohl ich ehrlich gesagt dachte, mein Sohn würde eine andere Wahl treffen Aber nun gut.* Die Stille im Raum war greifbar. Ich lächelte, doch innerlich kochte ich.
Genug war genug. Zeit, diesem Zirkus ein Ende zu setzen. Ich trat mit einem Wein-
glas auf sie zu angeblich, um *Frieden zu schließen*. Sie beugte sich leicht vor, und in diesem Moment *versehentlich* streifte mein Arm ihre Hand.
Roter Wein spritzte über ihr weißes Kleid. *Ach du Schreck!*, rief sie und wischte verzweifelt. Ich bot lächelnd an: *Im Bad gibt es Spiegel und Tücher. Vielleicht bekommst du es noch raus.*
Sie ging. Ich folgte ihr, wartete, bis sie in der Kabine verschwand, und drehte leise den Riegel von außen zu. Zurück beim Fest verkündete ich gelassen: *Sie ist nach Hause gegangen ihr war nicht wohl.*
Plötzlich war die Stimmung leicht, die Gäste lachten, die Musik spielte, und ich fühlte mich endlich wie eine Braut nicht wie eine Statistenfigur in ihrem Drama.
Keine Spur von Reue. Aber ich ahne: Unser Leben wird nie langweilig werden. **Manchmal muss man Grenzen setzen auch mit List.**