— In einer halben Stunde kommen die Möbelpacker, — sagte mein Mann Klaus, den Blick gesenkt und nervös an seinen Autoschlüsseln herumfummelnd. — Maren, fang bloß nicht an, ja?
Ich stand mit dem Wäschekorb in der Hand da. Darin lagen friedlich die Hemden meines Mannes, darauf wartend, unsere neue, erst vor drei Tagen gekaufte silberne Waschmaschine kennenzulernen.
— Welche Möbelpacker, Klaus? — fragte ich ruhig nach, obwohl in mir bereits der vertraute Cocktail aus Fassungslosigkeit und Wut zu kochen begann.
— Na … für die Maschine. Ich hab’s meiner Mutter versprochen. Du weißt doch, ihre alte ist völlig hin, schleudert nur noch jedes zweite Mal. Und wir haben hier zwei Gehälter, wir können uns wieder eine ansparen. Aber für Mutti ist es schwer. Sie braucht nicht viel, nur dass man anständig mit ihr umgeht.
Langsam stellte ich den Korb ab. Meine neue Waschmaschine. Mein Schätzchen mit Direktantrieb, leise laufendem Motor und Dampffunktion. Ich hatte ein halbes Jahr von meinem Urlaubsgeld und den Prämien dafür gespart, denn unsere alte Maschine schleuderte nicht nur schlecht – sie führte Exorzismussitzungen an der Wäsche durch und hüpfte im Bad herum wie ein verwundeter Traktor, drohte die Wand zum Nachbarn durchzubrechen. Und jetzt, wo endlich eine stille, saubere Ära in unserem Haus eingekehrt war, entschied Hannelore, dass „anständig umgehen“ bedeutete, unseren Komfort zu ihren Gunsten zu beschlagnahmen.
Hannelore, meine Schwiegermutter, besaß ohnehin ein erstaunliches Talent. Sie hielt sich für eine Expertin in allen Bereichen des Universums, von der Geopolitik bis zur Fleckentfernung.
Erst letzte Woche hatten wir das Vergnügen, uns über das Thema Waschen zu unterhalten.
— Diese modernen Pulver da – reines Gift! — dozierte sie, während sie in unserer Küche saß und überheblich ihren Tee umrührte. — Eine richtige Hausfrau wäscht mit Kernseife und Senf. Senf reinigt die Aura des Stoffes! Und eure Chemie killt nur das Immunsystem.
— Hannelore, — antwortete ich friedlich, aber mit Nachdruck, — Senf spaltet keine organischen Flecken. Dafür werden Enzyme ins Pulver gegeben – Eiweißspalter. Und die arbeiten streng bei vierzig Grad; bei kochendem Wasser denaturieren sie. Ihre Seife bildet bei hartem Wasser einfach Kalkablagerungen auf dem Heizstab. Deshalb ist Ihre alte Maschine gestorben – der Heizstab ist durch Kalk verbrüht.
Meine Schwiegermutter lief daraufhin puterrot an wie eine überreife Tomate.
— Ach, die Chemikerin! Ich hab ein Leben hinter mir, und du, eine Undankbare, willst mich, eine erfahrene Frau, belehren! — Sie knallte die Tür zu, so pathetisch, als würde sie die Pforten des Paradieses vor der Nase von Sündern verschließen. Und jetzt holte sich diese Gegnerin moderner Technik meine neue, vollgestopfte Elektronikmaschine.
— In Ordnung, Klaus, — lehnte ich mich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme. — Sollen die Möbelpacker kommen. Die Mutter ist heilig.
Klaus atmete erleichtert auf. Er hatte offenbar mit einem Wutanfall, Geschrei, Tellerwerfen gerechnet. Er wusste nicht, dass eine Lehrerin mit zwanzig Jahren Berufserfahrung nicht schreit. Sie setzt eine Sechs ins Klassenbuch und bestellt die Eltern. In diesem Fall das Leben selbst.
— Danke, Maren, ich wusste, du verstehst! — beeilte er sich. — Ich bringe uns dann die alte Maschine von Mutti…
— Nicht nötig, — unterbrach ich. — Nimmt nur Platz weg. Gebt sie zum Schrott.
— Und worin waschen wir?
— Worin? — lächelte ich süß. — Von Hand, Liebling. Aber es gibt einen Haken. Ich arbeite in der Schule mit anderthalb Stellen und korrigiere bis Mitternacht Hefte. Ich habe die Maschine gekauft, um mich von der Hausarbeit zu befreien. Du hast über meine Lösung verfügt, indem du sie deiner Mutter gegeben hast. Also ist das Problem der schmutzigen Wäsche jetzt deins.
— Ach was! — lachte Klaus auf, während er schon die Tür für die Möbelpacker öffnete. — Ich wasche, ist doch kein Ding! Unsere Großmütter haben am Eisloch gewaschen, und es ging. Ich schaff das schon!
Das war sein fataler Fehler.
Die ersten drei Tage genoss Klaus den Status des „guten Sohnes“. Hannelore rief jeden Abend an und prahlte den Nachbarn vor, was für einen Goldjungen sie großgezogen hatte. Der Wäschekorb in unserem Bad füllte sich währenddessen still und unerbittlich.
Am Samstagmorgen kam Klaus gähnend in die Küche, in Erwartung eines Frühstücks. Auf dem Tisch wartete ein Rührei, daneben stand eine blaue Plastikschüssel, ein Stück Teerseife und eine Packung Natron.
— Was ist das? — fragte mein Mann angespannt.
— Dein Werkzeug, — trank ich einen Schluck Kaffee. — Deine Arbeitshemden, dein Sportzeug vom Training und unser Bettzeug. Der Zweipersonen-Bettbezug, Klaus. Wartet auf deine starken Hände. Du hattest es versprochen.
Klaus schnaubte, nahm die Schüssel und verschwand im Bad. Das Rauschen des Wassers klang hoffnungsvoll.
Der psychologische Thriller begann vierzig Minuten später. Ich saß mit dem Tablet im Sessel, als aus dem Bad schwere, stoßweise Atemzüge drangen. Ich spähte durch den angelehnten Türspalt.
Klaus, rot wie ein gekochter Krebs, stand über der Badewanne in Dampfschwaden. Der aufgeweichte Bettbezug aus dichtem Biberstoff wog bestimmt zehn Kilo. Er wand sich, rutschte aus den Händen und weigerte sich, ausgewrungen zu werden. Das Wasser lief in trüben Strömen ab. Die Fingerknöchel meines Mannes waren bereits weiß.
— Was, Omas Erfahrung hilft nicht? — fragte ich teilnahmsvoll. — Du musst ihn erst zu einem Strang drehen, dann auswringen. Und nicht vergessen, dreimal klar zu spülen, sonst bleibt Waschmittel im Stoff und es juckt.
— Ich … gleich … — keuchte Klaus, während er versuchte, das nasse Stoffmonster über den Wannenrand zu hieven.
Am Samstagabend konnte mein Mann den Rücken nicht mehr durchdrücken. Die Haut an seinen Händen war verschrumpelt und rot. Die in der ganzen Wohnung aufgehängte Wäsche tropfte auf die untergelegten Zeitungen und schuf die Atmosphäre einer Gemeinschaftswaschküche der dreißiger Jahre. Klaus saß auf dem Sofa und starrte mit leerem Blick an die Wand – der Blick eines Menschen, der die Sinnlosigkeit des Daseins erfahren hatte.
In diesem Moment klingelte sein Telefon. Auf dem Display stand: „Muttilein“. Klaus, das Gesicht verzerrt vor Schmerz in den aufgescheuerten Fingern, drückte auf die Freisprechtaste.
— Klaus! — ertönte die empörte Stimme von Hannelore aus dem Lautsprecher. — Dieses neue Mistding hat mir alles ruiniert! Es piept, blinkt rot und hat die Tür verriegelt! Ich habe meine Daunenjacke reingestopft, Opas Jacke und zwei Wolldecken, und dieses Miststück zeigt einen Fehler an und dreht sich nicht!
Ich trat näher und beugte mich zum Mikrofon.
— Hannelore, — sagte ich im sanftesten Lehrerton. — In modernen Maschinen sitzt ein Gewichtssensor. Die Daunenjacke wiegt, wenn sie voll Wasser ist, an die fünfzehn Kilo, plus die Decken. Die Trommel hat aber nur ein Fassungsvermögen von sieben Kilo. Sie reißen ihr jetzt die Stoßdämpfer ab und die Trommel aus der Achse. Sie müssen die Hälfte rausnehmen.
— Rede mir nicht mit deinen Sensoren um den Bart! — kreischte die Schwiegermutter. — Ihr habt mir ein defektes Gerät untergeschoben, um mich loszuwerden! Ihr Wohltäter! Ich rufe den Kundendienst, der schreibt ein Protokoll, ich verklage euren Laden auf Schadenersatz!
Sie echauffierte sich so laut und selbstvergessen, als stünde sie auf einem Panzer vor der Gewerkschaft betrogener Schwiegermütter.
Klaus ließ langsam den Blick von seinen bis zur Röte aufgescheuerten Händen zum Telefon schweifen. Dann sah er auf den tropfenden Bettbezug auf dem Wäscheständer, den er eine halbe Stunde lang ausgewrungen hatte. In seinen Augen klickte etwas. Der Mechanismus blinder Sohnesergebenheit setzte aus und zerfiel in seine Zahnräder.
— Mutter, — sagte Klaus leise, aber mit einem metallischen Klang in der Stimme. Die Schwiegermutter am anderen Ende der Leitung verstummte. — Kein Kundendienst. Morgen früh komme ich mit den Möbelpackern und hole die Maschine zurück.
— Wie holst du sie zurück?! Und worin wasche ich dann?!
— In der Schüssel, Mutter. Mit Senf. Die Aura wird dir den Atem rauben.
Er legte auf und warf das Telefon aufs Sofa. Stille breitete sich in der Wohnung aus, nur unterbrochen vom gleichmäßigen Tropfen der Wäsche.
— Also, Möbelpacker morgen früh? — fragte ich, während ich zu meiner Heftkorrektur zurückkehrte.
— Punkt neun Uhr, — antwortete mein Mann hart, während er sich den unteren Rücken rieb.
Am nächsten Tag kehrte die silberne Schönheit an ihren rechtmäßigen Platz in unserem Badezimmer zurück. Klaus schloss die Schläuche mit einer Zärtlichkeit und Hingabe an, als baue er ein künstliches Herz-Lungen-Gerät zusammen. Hannelore war zutiefst beleidigt und rief uns einen ganzen Monat lang nicht an.
Ich hielt keine Standpauke und sagte nicht „ich hab’s dir ja gesagt“. Ich lud einfach die neuen Hemden meines Mannes in die Maschine, gab eine Enzym-Kapsel dazu, wählte das Programm „vierzig Grad“ und drückte auf „Start“. Die Maschine brummte leise, als sie Wasser zog.
Die Gerechtigkeit hatte gesiegt – ohne Geschrei, ohne Streit. Einzig durch die Kräfte der Schwerkraft, des nassen Biberstoffs und der unerbittlichen Logik. Und seither, bevor Klaus zu seiner Mutter sagt „Klar, nimm sie mit“, reibt er sich automatisch die Hände – in Erinnerung an das Gewicht des nassen Bettbezugs.