Eine extrem abgemagerte Katze wich 24 Stunden lang nicht von einem geschlossenen Laden. Als die Tür geöffnet wurde, wurde es unheimlich.

Greta schloss das Schloss und atmete erleichtert aus. Endlich geschafft. Zwei freie Tage vor ihr – keine Schlangen, kein Abwiegen von Waren, kein Ein- und Ausladen mehr.

„Gretchen, arbeiten Sie morgen?“ – eine vertraute Stimme aus dem Rücken. Sie drehte sich nicht einmal um – wusste sofort, wer es war. Friedrich Meier. Immer zur Unzeit.

„Morgen ist Sonntag“, sagte sie knapp, ohne sich umzudrehen. „Frei.“

„Ach so. Verstehe. Na gut, dann am Montag.“

Greta drehte sich doch um. Der alte Mann stand mit einer abgenutzten Stofftasche da, in einer verwaschenen Jacke, und sah sie an – ratlos, fast hoffnungsvoll. Als ob er auf etwas wartete.

„Wieder wird er Cent für Cent zählen“, schoss es ihr durch den Kopf.

„Kommen Sie am Montag“, warf sie hin und marschierte nach Hause.

Denn so war er immer: kurz vor Ladenschluss kam er, suchte zwei, drei Kleinigkeiten aus, dann an der Kasse Fingerübungen im Geldbeutel, die Münzen hin und her. Die Schlange hinter ihm wuchs, die Leute seufzten, und er schien es nicht zu bemerken. So langsam. Einfach nur nervig.

Sonntagmorgen, auf dem Weg am Laden vorbei, blieb Greta wie angewurzelt stehen.

An der Tür hockte eine Katze. Eine gewöhnliche Straßenkatze, grau, struppig, furchtbar dünn. Aber seltsam – sie saß nicht nur da. Sie rannte von der Tür zum Fenster, kratzte mit den Krallen an der Schwelle, spähte durch den Spalt, miaute. Und so kläglich, so verzweifelt.

„Husch, weg hier!“ winkte Greta.

Die Katze rührte sich nicht. Starrte nur die Tür an.

„Streunerin“, dachte Greta und ging weiter.

Montag näherte sich Greta dem Laden mit schwerem Gefühl. Die Katze war noch da. Lag zusammengerollt vor der Tür, erschöpft.

Der Schlüssel drehte sich im Schloss. Die Tür schwang auf.

Und da hörte Greta es. Ein dünnes, kaum wahrnehmbares Piepsen. Irgendwo in der Ecke, hinter den Regalen.

Sie trat ein, schaute genauer – und ihr Herz rutschte in die Tiefe.

Ein Kätzchen.

Winzig, blind, hilflos. Lag zwischen Kartons, piepste jämmerlich, zappelte mit den Pfötchen.

Die Katze schoss hinter Greta herein, sprang zum Kätzchen, leckte es, schnurrte.

„Mein Gott“, flüsterte Greta. „Du hast versucht, zu ihm reinzukommen.“

Greta stand über einem Karton und wusste nicht, was tun. Die Katze hatte sich neben das Kätzchen gekuschelt, leckte es, schnurrte – zum ersten Mal seit Stunden ruhig.

Und in Gretas Kopf nur ein Gedanke: „Im Laden darf man keine Tiere halten. Wohin nur mit ihnen?“

„Hör mal, du bist mir eine“, murmelte sie laut. „Wie bist du hier reingekommen? Wann hast du das geschafft?“

Die Katze drückte sich nur noch enger ans Kätzchen.

Greta erinnerte sich: Freitagabend, als sie schloss, drängten sich Kunden am Eingang. Hektik, Eile. Wahrscheinlich da ist sie reingerutscht. Unbemerkt. Und nachts, als der Laden leer stand, hat sie geworfen.

Und den ganzen Sonntag war sie draußen herumgerannt, versuchte wieder reinzukommen.

„Na gut“, seufzte Greta. „Jetzt finden wir was.“

Sie goss Wasser in einen Plastikbecher, brach ein Stück gekochte Wurst von ihrem Butterbrot ab. Die Katze trank gierig, hastig, als hätte sie Angst, es würde ihr weggenommen.

Dann öffnete Greta den Laden für Kunden.

Die erste hereinkam war die Nachbarin, Frau Waltraud. Sie sah die Katze mit dem Kätzchen und schlug die Hände zusammen:

„Ach, Gretchen! Wo kommen die her?“

„Na ja…“ Greta winkte ab. „Irgendwie reingeschlüpft. Sag mal, Waltraud, willst du sie nehmen? Deine Enkel mögen doch Tiere.“

Frau Waltraud zog eine Grimasse:

„Wir haben schon einen Kater. Alt, böse. Der würde alle abwürgen. Nein, nein, entschuldige.“

Als Nächstes kam der Installateur, Onkel Bruno. Auch er lehnte ab:

„Meine Frau erlaubt das nicht. Sie niest von Haaren.“

Dann eine junge Mutter mit Kind. Der Kleine griff sogar nach dem Kätzchen, aber die Mutter zog ihn zurück:

„Nicht anfassen! Das ist schmutzig! Allerlei Krankheiten. Komm, wir gehen.“

Greta stand hinter der Theke und spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Jede Absage hämmerte dumpf in ihrer Brust.

„Nimmt wirklich niemand?“

Gegen Mittag gab sie die Hoffnung auf.

Um drei Uhr nachmittags schwang die Tür auf, und Friedrich Meier trat ein.

Wie immer – langsam, vorsichtig. Die Stofftasche in der Hand. Grüßte leise, nickte.

Greta konnte nicht antworten – er blieb am Eingang stehen, hockte sich neben den Karton.

„Ach“, sagte er leise. „Wer ist denn das?“

Die Katze hob den Kopf, sah ihn misstrauisch an.

Friedrich Meier streckte vorsichtig die Hand aus, streichelte die Katze über den Kopf. Sie schloss die Augen, fing an zu schnurren.

„Greta Peters“, wandte er sich zur Verkäuferin um. „Was wird mit ihnen?“

Greta seufzte:

„Weiß nicht, Herr Meier. Hier kann ich sie nicht behalten. Aber nehmen will sie keiner.“

„Verstehe.“

Er schwieg, dann streichelte er die Katze wieder. Das Kätzchen piepste leise, zappelte.

„Darf ich…“, begann Friedrich Meier und stockte. „Darf ich sie nehmen?“

Greta erstarrte. Sie sah den alten Mann an und traute ihren Ohren nicht.

„Sie?“, fragte sie nach. „Ernsthaft?“

„Na ja.“ Er lächelte schüchtern. „Mir ist es daheim ohnehin langweilig. Da habe ich Gesellschaft. Allerdings weiß ich nicht, wie man sich um sie kümmert. Aber ich lerne es. Lese im Internet nach.“

Greta fühlte plötzlich einen Kloß im Hals. Dieser langsame alte Mann, den sie so oft gehetzt, gedrängt, über den sie sich geärgert hatte.

Er war der Einzige, der nicht vorbeiging.

„Herr Meier“, brachte sie hervor. „Danke Ihnen. Wirklich. Danke.“

Er winkte ab:

„Ach, was. Es freut mich selbst. Zuhause ist es leer. Meine Frau ist vor drei Jahren gestorben. Kinder habe ich nicht. Darum komme ich jeden Tag hierher, um wenigstens ein Wort mit jemandem zu wechseln.“

Greta wurde schamrot. So sehr, dass sie am liebsten im Boden versunken wäre.

Immer hatte sie sich über seine Langsamkeit geärgert. Dass er die Schlange aufhielt.

Dabei war er einfach nur einsam.

Friedrich Meier nahm vorsichtig den Karton mit Katze und Kätzchen. Stützte ihn von unten, damit er nicht wackelte. Die Katze sah ihn misstrauisch an, wehrte sich aber nicht. Als hätte sie verstanden – dieser Mann tut ihr nichts.

„Nur weiß ich nicht, wie ich sie nach Hause bringen soll“, sagte er nachdenklich. „Der Karton ist groß, unbequem. Und sie wackeln darin rum.“

„Moment“, Greta huschte ins Lager und kam mit einem stabilen, kleineren Karton zurück. „Hier, der ist besser. Und hat Henkel.“

Sie selbst legte die Katze mit dem Kätzchen um, polsterte den Boden mit einem weichen Lappen. Ihre Hände zitterten. Unklar warum – vor Aufregung oder vor der Scham, die immer stärker in ihr nagte.

„Greta Peters, vielleicht können Sie mir raten“, Friedrich Meier lächelte unsicher, „was ich ihnen kaufen soll? Futter brauchen sie doch, oder? Näpfe?“

Greta sah plötzlich deutlich: Der alte Mann war ratlos. Er hatte Verantwortung übernommen, aber keine Ahnung, wie es weitergeht. Und trotzdem nahm er sie. Weil er nicht vorbeigehen konnte.

„Warten Sie“, sagte sie entschlossen. „Einen Moment.“

Sie ging die Regale entlang, sammelte alles Nötige ein: ein Glas Fleischkonserven für die Katze, eine Tüte Trockenfutter, zwei Plastiknäpfe, eine Packung Katzenstreu.

„Das ist für Sie“, reichte sie Friedrich Meier die Tüte.

„Ach, das geht doch nicht. Ich bezahle.“

„Nein“, schnitt Greta ab. „Von mir. Einfach so.“

Er wollte widersprechen, aber sie sah ihn so streng an, dass er nur nickte:

„Danke. Vielen Dank.“

Friedrich Meier nahm den Karton, die Tüte, ging zum Ausgang. An der Tür drehte er sich um:

„Greta Peters, was meinen Sie: Muss ich mit ihnen zum Tierarzt?“

„Unbedingt“, nickte sie. „Gehen Sie morgen hin. Lassen Sie nachsehen, ob alles in Ordnung ist.“

„Gut. Gehe ich natürlich.“

Er ging. Die Tür schloss sich mit leisem Klingeln.

Greta blieb allein.

Im Laden war es still. Leer. Nur auf dem Boden, in der Ecke, lag der alte Karton – der, in dem das Kätzchen gelegen hatte.

Sie ging hin, hob den Karton auf, wollte ihn wegwerfen. Und plötzlich konnte sie nicht. Setzte sich auf den Boden, drückte den Karton an die Brust und weinte.

Tränen rollten über ihre Wangen, tropften auf den Karton.

Sie erinnerte sich, wie sie sich über Friedrich Meier geärgert hatte. Wie sie ihn gehetzt hatte. Wie sie seufzte, wenn er den Laden betrat. Wie sie dachte: „Schon wieder dieser alte Mann. Schon wieder wird er Cent für Cent zählen.“

Und er war so.

Ohne Zögern nahm er die Katze mit dem Kätzchen. Obwohl er selbst kaum über die Runden kam – das sah man an seiner Kleidung, daran, wie er das Kleingeld im Portemonnaie zählte.

Aber er ging nicht vorbei.

„Mein Gott“, dachte Greta, „was bin ich für eine dumme Gans. Wie herzlos.“

Sie wischte sich die Tränen mit der Handfläche ab, stand auf. Warf den Karton in den Müll. Kehrte hinter die Theke zurück.

Kunden strömten in den Laden.

Ein normaler Arbeitstag.

Aber etwas in Greta hatte sich verändert. Sie betrachtete die Kunden anders. Nicht mehr als eine Schlange, die man schnell abfertigen musste. Sondern als Menschen, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Und man weiß nie, was im Herzen eines anderen vorgeht.

Morgen wird sie Friedrich Meier bestimmt fragen, wie es der Katze und dem Kätzchen geht. Wie sie sich eingelebt haben. Ob sie Hilfe brauchen.

Und nie wieder wird sie ihn hetzen.

Zwei Tage vergingen.

Greta wartete auf Friedrich Meier. Schielte zur Tür, horchte auf Schritte im Flur. Aber er kam nicht.

Und die Sorge wuchs. „Ob etwas passiert ist? Ob er krank ist? Oder mit der Katze etwas nicht stimmt?“

Am dritten Tag hielt sie es nicht mehr aus.

Fragte Nachbarn nach seiner Adresse. Es stellte sich heraus, dass Friedrich Meier im Nachbarhaus wohnte, im dritten Stock.

Greta kaufte eine Tüte Äpfel, eine Packung Kekse – nur so, zum Anstand, nicht mit leeren Händen – und machte sich nach der Arbeit auf den Weg zu ihm.

Die Tür öffnete sich nicht sofort. Dann hörte man schlurfende Schritte, und Friedrich Meier erschien auf der Schwelle. Überrascht, verwirrt.

„Greta Peters? Sie… zu mir?“

„Ja, ich…“, Sie reichte ihm die Tüte. „Ich wollte mal vorbeischauen. Wie geht es Ihnen? Wie geht es der Katze und dem Kätzchen?“

Das Gesicht des alten Mannes leuchtete auf in einem Lächeln. So warm, so ehrlich, dass Greta leichter ums Herz wurde.

„Kommen Sie rein, kommen Sie rein!“ Er trat zur Seite. „Denen geht es prächtig!“

Die Wohnung war klein, bescheiden. Alte Möbel, abgetretener Teppich. Aber sauber, gemütlich.

Auf der Fensterbank, auf einer zusammengelegten Decke, döste die Katze. Neben ihr wuselte das Kätzchen – schon kräftiger, flauschig.

„Da sind sie“, sagte Friedrich Meier stolz. „Die Katze habe ich Mieze getauft. Und das Kätzchen – Schnurrli. Weil es so leise schnurrt.“

Greta trat näher, streichelte vorsichtig Mieze. Die öffnete ein Auge, schnurrte kurz und schlief weiter.

„Was für Prachtstücke“, sagte Greta leise.

„Ja, nicht wahr.“ Friedrich Meier strahlte über das ganze Gesicht. „Wissen Sie, ich war mit ihnen beim Tierarzt. Alles in Ordnung.“

Er redete und redete – wie Mieze die erste Nacht unter dem Sofa gelegen und das Kätzchen mitgeschleppt hatte, wie sie dann auftaute, wie sie ihn jetzt an der Tür begrüßte, wenn er nach Hause kam.

Beim Gehen blieb Greta an der Tür stehen:

„Friedrich Meier, kommen Sie in den Laden. Ich warte auf Sie.“

Er nickte:

„Ja, komme ich.“

Und fügte leise hinzu:

„Danke, Greta Peters. Für alles.“

„Ich danke Ihnen“, antwortete sie. „Sie sind ein wahrer Mensch.“

Am nächsten Tag kam Friedrich Meier wieder in den Laden. Wie immer – langsam, mit der Stofftasche.

Aber diesmal empfing Greta ihn mit einem Lächeln. Holte aus dem Lager einen Hocker, stellte ihn neben die Theke:

„Setzen Sie sich, Friedrich Meier. Keine Eile. Ich habe Zeit.“

Er nickte dankbar. Setzte sich. Begann in Ruhe die Lebensmittel auszusuchen.

Und Greta hetzte den alten Mann zum ersten Mal nicht.

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