— Mama, wir haben Spaß auf unserer Hütte, ihr müsst zurück – Schwiegertochter wirft Schwiegermutter vom Hof.

Liselotte konnte das Unfassbare noch immer nicht begreifen. Endlich hätten sie ihr eigenes Schrebergartenhäuschen! Zehn lange Jahre hatten sie davon geträumt, doch das Leben war stets ein Hindernisparcours: die Hypothek, die Kinder, die Schule, die nächste Wirtschaftskrise Und jetzt, als sie die Konten überflogen, entschieden sie: jetzt oder nie.

Ihr Mann Alexander arbeitete bei einer Versicherungsagentur nichts Außergewöhnliches und Liselotte war als Kinderphysiotherapeutin tätig. Sie verdiente gut, doch ein Eigenheim auf dem Land schien noch in weiter Ferne. Dann jedoch fielen fast gleichzeitig die Großmütter beider Seiten. Jede hinterließ ein Appartement in kleinen Provinzstädten das eine in Münster, das andere in Koblenz.

Nach endlosen Gesprächen beschlossen das Paar, beide Wohnungen zu verkaufen, das Geld zu bündeln und endlich den Traum zu verwirklichen: ein Stück Land zu kaufen.

Das Angebot kam rasch. Im Winter wollen die meisten Immobilien nicht schnell loswerden alle warten auf die Gartensaison. Doch Alexander blieb unbeirrbar.

Später bereuen wir es, finden wir doch eine Million Gründe, und bleiben ohne Schrebergarten, knurrte er.

Liselotte nickte zustimmend. Alles fügte sich wie in ein perfektes Drehbuch.

Der Grund lag exakt richtig. Strom, Gas, Wasserleitungen alles bereits verlegt. Es fehlte nur noch ein kleiner Bau, zumindest ein Sommerhaus.

Man hatte beschlossen, dass Alexander zu den ersten warmen Tagen Urlaub nimmt und zusammen mit seinem Freund Niklas den Bau leitet.

Sie arbeiteten Hand in Hand, ohne Pausen, ohne Wochenende. Und nach einem Monat feierte die junge Familie Einzug.

Das Bett war notdürftig: Luftmatratzen auf dem Fußboden, warme Decken aus der Stadt. Aber das Wichtigste war da ein Herd, ein funktionierender Wasseranschluss. Der Rest könne später kommen.

Herzlichen Glückwunsch, Alexander! rief Niklas beim Anstoßen.

Die Männer stießen die Gläser um, griffen nach einer dicken Portion Bratwurst, gaben ihr eine ordentliche Portion Zwiebeln und Ketchup dazu und aßen.

Wer hätte gedacht, dass alles so schnell geht!, jubelte Liselotte. Noch vor dem SilvesterTisch habe ich nie an einen Schrebergarten gedacht und hier ist er, bitte!, wies sie auf das kleine Häuschen.

Obwohl die Dämmerung hereinbrach, blieb die Gruppe auf der Terrasse und ließ ihren improvisierten PicknickSpaziergang weitergehen.

Hallo, mein Junge, wie läufts bei euch?, fragte Helga Gennadievna mit sanfter Stimme ins Telefon.

Wenn sie so lieblich klang, musste sie etwas im Schilde führen.

Mama, alles ist wunderbar!, strahlte Alexander.

Ich weiß, die Enkel haben gefragt: habt ihr den Schrebergarten gekauft?

Genau! Nicht irgendeinen eine ländliche Residenz!, verkündete Alexander stolz.

Na, das sagst du ja gern, lachte die Schwiegermutter, doch ihr Ton wurde plötzlich dumpfer. Na gut, ihr habt es gut gemacht

Mama, wie geht es dir?, fuhr Alexander plötzlich zurück.

Ach, in meinem Alter Die Ärzte sagen, ich brauche Ruhe, Stille, keinen Stress. Dann kann sich mein Körper erholen Aber wo findet man so etwas? Sanatorien sind zu teuer für mich, fuhr sie fort.

Komm zu uns, Mama!, bot Alexander begeistert an.

Ach, du lieber Sohn! Als ob ihr ohne mich nichts zu tun hättet! Und Liselotte würde ja widersprechen, versuchte Helga abzuschlagen.

Mama, hör jetzt auf. Komm, und zwar sofort!

Na gut, Hansel, wenn du darauf bestehst Ich backe dir einen Napoleon, deinen Lieblingskuchen, MamaStyle.

Als Alexander seiner Frau die baldige Ankunft der Mutter verkündete, zog Liselotte die Stirn zusammen.

Also haben wir jetzt einen Schrebergarten und plötzlich empfiehlt die Ärztin Ruhe in der Natur?, sagte sie sarkastisch.

Ja, genau, erwiderte Alexander nüchtern.

Komisch, nicht?

Nein, ihr Blutdruck

Alexander, du verstehst es nicht. Sie kommt nicht, um ihre Gesundheit zu verbessern, sondern um den neuen Garten mit eigenen Augen zu sehen!

Hör auf. Sie schaut nur kurz, macht ein paar Tage dort und kommt zurück.

Hast du vergessen, was bei ihrem letzten Besuch passiert ist?

Alexander hatte tatsächlich vergessen, Liselotte jedoch ein genaues Bild vor Augen. Bei ihrem letzten Besuch hatte Helga alles darangesetzt, ihre Ehe zu zerstören: Gerüchte verbreitet, Zwist geschürt, den ältesten Sohn als nicht von unsern Stand bezeichnet. Sie mischte häufig Natron in den Zucker, vergoss zu viel Salz in die Suppe. Liselotte hatte ihre Schwiegermutter daraufhin mit dem ersten Flug zurück nach Berlin geschickt.

Liselotte war überzeugt, dass Helga diesmal wieder für turbulente Dramen sorgen würde. Aber sie wollte Alexander nicht gegen seine Mutter aufbringen. Vielleicht würde das Schicksal diesmal gnädig sein.

Ach, ihr habt hier ein wahres Paradies! Luft, Bäume, dieses süße Häuschen, schwärmte Helga, während sie den neuen Grund besichtigte. Das war doch sicher Liselottes Idee! Sie ist ja unser Genie! Halte an ihr fest, Alexander, so eine Frau findet man nicht alle Tage!

Liselotte blickte verwirrt. Was ist das für eine Wendung, Helga?

Du warst immer meine Lieblingsschwester im Herzen. Der Sohn ist ein Tollpatsch, die Schwiegertochter ein Goldstück. Wir hatten Probleme, aber wir haben sie gemeistert. Wer das Alte vergisst

Also bin ich der Tollpatsch?, lachte Alexander.

Ja, aber liebenswert, grinste Helga. Übrigens, was gibts heute zum Essen?

Bei uns gibts täglich Grill!, antwortete Liselotte mit einem Lächeln. Ihr habt doch nichts dagegen? Wir können doch nicht genug vom Kochen im Freien bekommen.

Gern, ich greife zu. Das letzte Mal aß ich Grillfleisch an der Ostsee, damals war ich noch Schüler. Stell dir das vor!

Dann, Alexander, kümmere dich um den Grill. Ich hole das Fleisch aus dem Kühlschrank.

Darf ich mitkommen? Ich will das Häuschen noch einmal sehen.

Natürlich, bitte!, nickte Liselotte.

Helga hatte sich verändert sie war fröhlich, scherzte, hielt Liselotte warmherzig im Arm. Liselotte dachte, die Zeit habe Menschen umgestaltet. Vielleicht hatte die alte Fehde Helga zum Nachdenken gebracht. Warum sollte sie die Beziehung zu Alexander zerstören? Sie waren seit Jahren zusammen, hatten erwachsene Kinder, jetzt ein Schrebergarten. Liselotte war eine tüchtige Schwiegertochter: sparsam, treu, fleißig und meisterhaft beim Kochen.

Während Alexander mit seiner Mutter Teller auf den Tisch stellte, klingelte das Handy und blieb mit dem Display nach oben liegen. Liselottes Blick fiel auf eine Nachricht, und sie konnte die Augen nicht von ihr wenden.

Wann kommst du zurück in die Stadt? Hast du ihr von uns erzählt? Ich warte auf Neuigkeiten. Küsse.

Liselotte ließ das Handy fallen; es landete sanft im Gras. Gedanken wirbelten, immer düsterer.

Wie soll ich den Kindern die Neuigkeiten überbringen? Wie teilen wir die Wohnung? Wer ist diese Frau? Und vor allem wie konnte Alexander so etwas tun?

Hier ist das Geschirr!, rief Alexander, während er die Teller auf den Tisch stellte.

Ich muss kurz weg, sagte Liselotte, weil sie nicht bei ihm bleiben konnte. Sie musste ihr Gesicht mit kaltem Wasser waschen und Luft holen.

Sie stürmte ins Haus, zur Spüle.

Was ist passiert?, fragte Helga gerade noch rechtzeitig, ließ dabei eine Flasche Ketchup fallen.

Liselotte wusch sich fieberhaft das Gesicht, mischte Tränen mit Wasser. Nach einer Minute stand sie regungslos, das Handtuch fest um die Schultern geschlungen.

Alexander hat jemand anderen.

Mein Kind, komm her. Helga umarmte die Schwiegertochter.

Liselotte hatte das Gefühl, Helga sei nicht überrascht.

Warum hast du geschwiegen?

Ich wusste es, hoffte aber, dass er zur Vernunft kommt. Ihr kennt euch seit dem Studium, habt Kinder, einen Schrebergarten. Ich sage nur: Er ist ein Tollpatsch.

Liselotte brach erneut in Tränen aus. Wenn er es seiner Mutter erzählt hatte, war es ernst ihre Ehe war verloren.

Hör mir zu. Beruhige dich, trockne die Tränen. Du willst doch keinen Aufstand machen, oder?

Liselotte nickte und wischte ihr Gesicht.

Später entscheiden wir, was wir tun. Wir geben ihn nicht einfach an diese Frau ab.

Diese Worte erleichterten Liselotte ein wenig.

Am nächsten Morgen fuhr Alexander in die Stadt. Ich hole warme Kleidung, sagte er, weil ein Kälteeinbruch vorhergesagt war.

Doch Liselotte kannte den wahren Grund. Wie vereinbart, zeigte sie keine Regung.

Als das Auto um die Kurve verschwand, setzte sich Helga auf die Veranda und legte ihren Plan offen.

Du musst einen Mann finden.

Was?!

Nicht unbedingt ernst. Hauptsache, Alexander wird eifersüchtig. Manchmal wird die Liebe kalt, die Frau zur Gewohnheit, und der Mann schaut nach Neuem. Wenn er sieht, dass du auch attraktiv bist, könnte er zurückrudern, dich wieder als Frau sehen.

Obwohl die Idee absurd klang, lag ein Funken Wahrheit darin.

Und wer wäre unser Kandidat?

Vielleicht Kolle? Er ist ledig. Er hat beim Hausbau geholfen.

Ruf ihn an, bring Grill, Getränke, ein kurzes Kleid. Lass Alexander zurückkehren und sehen, dass sein Platz besetzt ist!, flüsterte Helga mit einem hinterhältigen Lächeln.

Zu Liselottes Überraschung stimmte Niklas zu, obwohl er bisher kaum Kontakt zu ihr hatte. Kaum angekommen, fragte er sofort:

Wo ist Alexander?

Er kommt erst am Abend. Ich kann nicht grillen, brauche männliche Hände, erwiderte Liselotte schüchtern.

Helga beobachtete das Geschehen durchs Fenster.

Noch Wein? Kolle griff nach der Flasche.

Gern, aber iss mehr, sonst wird mir schwindelig, flüsterte Liselotte verführerisch.

Du bist hübsch, Liselotte, sagte Kolle, reichte ihr eine Schale mit Früchten. Schade, dass ich keine Frau habe, die das so gut schmeckt. Sag Alexander nichts, das ist nur ein Gedanke, den ich laut ausspreche.

Liselotte wurde rot. Dieser unerwartete Flirt ließ ihr Herz rasen. Was, wenn er jetzt zu weit geht? Alexander würde bald zurückkehren. Was blieb ihr noch?

Sie nahm einen weiteren Schluck, als plötzlich das Brummen eines herannahenden Autos zu hören war.

Alexander raste, bremste scharf und kam fast gegen den eigenen Gartenzaun.

Was soll das hier in meiner Abwesenheit?, schrie er, stieg aus dem Wagen.

Alexander, warum bist du so früh zurück?, fragte Liselotte überrascht.

Die Mutter rief und sagte, gleich nach meinem Weggang ist ein Verehrer hier! Und wer ist das? Mein bester Freund Niklas!

Und was geht dich das an? Regle deine Leidenschaft! Ich werde bald eine freie Frau sein.

Welche Leidenschaft?

Die, zu der du heute in die Stadt gerannt bist! Ich sah deine Nachricht.

Ich habe die SMS auch gesehen, dachte, jemand hat die Nummer verwechselt. Ich habe niemanden, versuchte Alexander zu beruhigen, doch das Chaos blieb.

Liselotte fand endlich ihre Stimme und sah aus dem Fenster. Helga zog hastig die Vorhänge zu.

Mama! Verlassen Sie sofort das Grundstück!

Ach, ich habe nur gescherzt!, lachte Helga, wischte sich Tränen mit dem Taschentuch ab. Ihr hättet eure Gesichter sehen sollen!

Ihr findet es also lustig, eine Familie zu zerstören?, kochte Liselotte hoch.

Gut, ich gehe jetzt, wir klären das später, eilte Niklas, doch niemand hörte ihm mehr zu.

Habt ihr das alles nur inszeniert? Und die Nachricht?

Ja, das war meine. Ich trage zwei Telefone bei mir, gestand Helga ohne Scham.

Mama, das ist nicht witzig. Ich hätte fast meine Familie und meinen Freund verloren, sagte Alexander ernst.

Aber ich habe euch nicht verloren! Ich stärke nur eure Ehe, während ich mich im Ruhestand etwas amüsiere. Was soll man machen, wenn einem langweilig wird?

Spielt weiter, aber nicht hier. Alexander wird eure Sachen vom Grill holen und morgen zum Bahnhof bringen, erklärte Liselotte fest.

Sie packte Helga unter den Arm und führte sie entschlossen zum Ausgang.

Ihr wollt mich hier rauswerfen?, murmelte Helga erst spät.

Mama, ihr habt genug Spaß hier gehabt. Verschwinden Sie!, sagte Liselotte bestimmt.

Wo soll ich schlafen?

Im Auto. Es ist nicht Winter, du wirst nicht frieren.

Am nächsten Morgen brachte Alexander Helga zum Bahnhof und ließ sie in den Zug steigen. Die gesamte Fahrt verlief in schweigsamer Einigkeit.

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