Es gibt kein Geld, nicht einmal auf der Kreditkarte ist mehr als ein einziger Euro übrig, und der Kühlschrank ist leer… Aus dem Gras schauen dich zwei wunderschöne, aber sehr hungrige Augen an. Was würde ein normaler, gewöhnlicher Mensch in so einer Situation tun?
Wer weiß das schon! Irmgard hat sich nie als normal betrachtet, also stand sie nicht vor einer Wahl. Was macht es schon für einen Unterschied, ob man alleine oder zusammen hungert? Zu zweit ist es irgendwie lustiger, zu zweit ist es immer interessanter.
Doch das Kätzchen schaute zwar, aber ließ sich nicht fangen. Sein ganzer Ausdruck sagte klar und deutlich:
– Hören Sie, Frau… Fassen Sie mich nicht an! Ich kenne euch alle – erst einmal gestreichelt, und dann gibt es nichts zu essen. Geben Sie mir einfach hier etwas zu essen, genau hier! Dieser Platz ist bequem, wie lange soll ich denn noch drum herum schleichen?
Irmgard musste dem Kätzchen nachjagen. Beide schnauften… Die kleine Katze war müde und gab schließlich nach.
– Na gut, nimm mich, ich bin erschöpft.
Das Kätzchen in ihren Armen war fast nicht spürbar. Es wog praktisch nichts – als gäbe es in dem bunten, flauschigen Pelz gar nichts. Woran hielt sich die kleine Katzenseele nur fest?
Ausschließlich an der Kraft des katzenhaften Geistes und dem Lebenswillen, denn das Kätzchen hatte seit zwei Tagen nichts mehr zu fressen bekommen. Und auch davor hat es nicht gerade ein Festmahl gehabt.
Ein trockener Pizzarand, die Hälfte eines Frikadellen, und einen abgeleckten Eisstiel. Das war alles, was das kleine, hungrige Kätzchen in ein paar Tagen ergattert hatte, nachdem es ohne Mutter geblieben war.
Irmgard trug das Kätzchen und dachte nach. Hunger, das ist manchmal gar nicht so schlecht, es würde ihrer Figur nicht schaden. Aber ein Kind muss doch ernährt werden! Also entschied sie sich, ihren Stolz über Bord zu werfen.
Dieser Stolz hatte ihr das Leben schwer gemacht. Nur aus Stolz hatte sie die gemeinsam erworbene Wohnung nicht mit ihrem Mann geteilt. Und das, obwohl er sie die ganzen zwei Ehejahre betrogen hatte!
Aus demselben Grund hatte sie die Hilfe ihrer Eltern nicht angenommen. Und dieser Stolz hatte sie in eine vollkommen fremde Stadt getrieben. Eine Stadt, in der sie ganz alleine war – ohne Verwandte, ohne Freunde und ohne Geld.
Doch für das Kätzchen vergaß Irmgard ihren Stolz.
Sie ging in einen kleinen Laden neben ihrem Haus. Dort drängelten sich Leute: ein angetrunkener Herr, ein junges Ehepaar und eine ältere Dame.
– Guten Tag. – Wandte sich Irmgard an den Verkäufer.
– Sie kennen mich, ich wohne im dritten Haus. Können Sie mir auf Kredit ein paar Beutel Nassfutter geben? Ich zahle in ein paar Tagen zurück, ich habe im Moment keinen Cent. Mit dem Gehalt komme ich sofort vorbei… Ich habe ein Kätzchen aufgenommen, aber ich habe nichts, um es zu füttern.
Der angetrunkene Herr schaute Irmgard mit einem schweren, sehr missbilligenden Blick an.
– Ein paar Beutel? Komm schon! Kann man ein Kätzchen damit ernähren? Man sollte Rindfleisch nehmen! Wiegen Sie das Stück da für mich ab. Und auch noch etwas Kabeljau, zwei Schwänze. Was macht das?
Er zahlte und reichte die Tüte Irmgard.
– Hier, füttere deine flauschige Schnute. Und du redest von ein paar Beuteln, zwei Beuteln. Ach, Frauen, Frauen…
Er schimpfte und ging.
– Meine Tochter, nimm Milch.
Eine ältere Frau trat zu Irmgard und reichte ihr eine Literpackung.
– Das kleine Kätzchen mag das, sie lieben es. Nimm es, für die Kleinen ist es nicht schade.
Sie seufzte mitleidig und ging ebenfalls. Das junge Paar tauschte einen Blick, sie verstanden sich ohne Worte. Das Mädchen trat zur Theke:
– Geben Sie uns zehn Beutel Katzenfutter, ein Brot, Reis und Kefir.
Wie Sie sich vorstellen können, ging auch das alles an Irmgard. Es war ihr wirklich unangenehm vor den Leuten, aber sie alle gaben ihr die Produkte aus reinem Herzen.
Irmgard trug das Kätzchen und die Einkäufe nach Hause. Das Kätzchen miaute und versuchte, sich zur Tüte durchzuschlagen. Der Duft von frischem Fleisch machte den Kleinen verrückt.
Und Irmgard konnte es einfach nicht fassen… Wie kann das sein? Für sich allein war es für beide schlecht und trostlos. Irmgard hat es gerade geschafft, eine Arbeit zu finden und der erste Gehalt würde erst am Ende der Woche kommen.
Das Kätzchen auch – es war seit einigen Tagen hungrig umhergestreift. Doch heute, als sie es mitnahm, rührte es sofort mehrere, so unterschiedliche Menschen.
Zu Hause, nach dem Abendessen, spielten zwei Mädchen (eine große und eine kleine), und in der Nacht schnurrte das Kätzchen dankbar neben ihrer Schulter.
– Denkst du, ich habe dich gefüttert?
Während sie die kleine Pfote streichelte, fragte Irmgard das Kätzchen.
– Du irrst dich. Du hast mich gefüttert!