Ich habe mich von meiner Freundin getrennt, weil sie nicht genug auf sich achtet – sie besitzt nicht einmal übliche Pflege- und Hygieneprodukte.

Ich erinnere mich noch gut wie lange ist das nun her? Ein halbes Leben, scheint es mir. Damals war ich ein Junggeselle, 45 Jahre alt. Früher aber, war ich für fünfzehn Jahre mit einer außergewöhnlichen Dame verheiratet. Ich sage bewusst Dame, denn das Erscheinungsbild meiner Frau entsprach genau diesem Begriff. Sie war wunderschön, stets gepflegt bis in die Fingerspitzen.

Ihr Maniküre war immer makellos, sie roch nach Maiglöckchen, ihre Haut glänzte sauber und frisch. Auch ihr Körper war einfach hervorragend ich würde fast sagen, vollkommen. Sie sah bedeutend jünger aus, als sie tatsächlich war. Es lag etwas Aristokratisches in ihrer Art, selbst ihr Kleidungsstil war immer geschmackvoll und elegant, niemals zu viel und niemals zu wenig. Ihr Gang das war eine Kunst für sich. Wie sie ihre Hüften dezent und anmutig bewegte, das werde ich nie vergessen.

Das alles prägte mich tief, und so gewöhnte ich mich an dieses Frauenbild stolz, edel und selbstsicher. Der typische deutsche Löwin, sozusagen. Am Ende trennten wir uns wegen unserer unterschiedlichen Charaktere. Was will man machen? So ist das Leben. Nach der Scheidung hatte ich keine ernste Beziehung mehr. Ich traf verschiedene Frauen, meist in Hotels oder gemieteten Apartments einfach nur, um mir selbst etwas Gutes zu tun, wie man in Deutschland sagt. Die Angst, nach all den Jahren wieder verletzt zu werden, lähmte mich.

Man sagt ja, das Schicksal hält Überraschungen parat. Meine kam eines Tages in Gestalt von Hildegard. Ich hatte überhaupt nicht an eine neue Beziehung gedacht, und doch begegnete sie mir auf einer Vernissage in einem Galeriehaus in München. Natürlich war sie nicht ganz wie meine perfekte Ex-Frau, aber sie besaß einen eigenen Charme. Etwas Edles mischte sich bei ihr mit einer gescheiten, fast spöttischen Art. Hildegard war die Sorte Frau, die nicht nur mit ihrem Äußeren, sondern auch mit ihrem Geist fesselte. Und unter uns: Intelligenz war schon immer das Verführerischste für mich.

Wir gingen mehrere Wochen miteinander aus. Meist besuchte sie mich. Irgendwann beschlossen wir, uns bei ihr zu treffen. Ich bereitete mich gewissenhaft vor kaufte ihre Lieblingsblumen, Calla, eine gute Flasche Rheingau Chardonnay, Kerzen aus Bienenwachs. Als ich in ihrer Wohnung ankam, war ich beeindruckt alles sehr stilvoll, mit Geschmack eingerichtet. Doch dann musste ich auf die Toilette gehen, und was ich dort sah, erstaunte mich.

Ihr Badezimmer war fast leer kein Sammelsurium von Cremetiegeln, Shampoos, Parfüms, wie ich es gewohnt war. Nur ein billiges Duschgel und Shampoo standen dort. Sonst nichts. Eine solche Frau scheint sich selbst wenig wertzuschätzen. Denn, seien wir ehrlich: Wer sich selbst pflegt, liebt sich auch. Solche Frauen will man bewundern und verwöhnen. Bei Hildegard fehlte das alles. Da begriff ich, dass sie nicht die Richtige für mich war. Also ging ich.

Heute sehe ich ein eine stolze, edle Löwin wie meine Exfrau wird sich wohl in meinem Leben nicht wiederfinden. Dann bleibe ich lieber allein. Was will man machen? So soll es wohl sein.

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