Ich habe für das Glück meines Sohnes bezahlt – Wie ich die perfekte Schwiegertochter für meinen geliebten Sohn auswählte und damit unser kleines Familiengeheimnis schuf

Ich bezahlte für das Glück meines Sohnes

Es war wie ein Spaziergang durch einen nebligen Wald, als ich irgendwann fest entschied: Ich selbst würde die Frau für meinen Sohn wählen. Eine Schwiegertochter für mich, eine Ehefrau für ihn. Ich stellte mir vor, wie ich aus dem Strom der Zeit die richtige heraussuche und sie wie in einem sonderbaren Tanz mit meinem Sohn verbinde. Mein Sohn, der begehrteste Junge in ganz Deutschland, mein Meisterwerk, mein Held, mein Lebenselixier. Von Kindesbeinen an hatte ich ihn wie einen Ritter in glänzender Rüstung erzogen, jede Nacht wachend und ihn pflegend, wenn er krank war. Und jetzt sollte ich diesen perfekten Mann einfach einer Fremden überlassen?

Schon immer wusste ich, dass dieser Tag kommen würde: Der Tag, an dem mein Sohn sich eine Lebensgefährtin suchen würde. Aber der Gedanke, ihn an eine andere Frau zu verlieren, zerrte an meiner Seele. In den seltsamen Windungen meines Traumes ersann ich deshalb einen Plan.

Ich begegnete dem Umstand, dass mein Sohn sich für Mädchen zu interessieren begann, mit äußerlicher Ruhe. Doch mit seiner launischen Freundin konnte ich nie auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Geradeheraus sagte ich ihm: “Diese ist nicht die Richtige für dich, wir brauchen ein anständiges, bodenständiges und bescheidenes Mädchen.”

Meinen wirklichen Plan verschwieg ich ihm. Ich machte mich mit aller nötigen Ernsthaftigkeit auf die Suche nach einer passenden Verlobten, nach einer, mit der ich mich verständigen konnte, einer, die meine Sprache sprach im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

Die Liste der Kandidatinnen war kürzer als ein Wintertag in Berlin: Das Mädchen aus dem Nachbarhaus, die Tochter meiner alten Freundin und einige Schulkameradinnen meines Sohnes. Nach einem Gespräch mit der Nachbarstochter erkannte ich rasch, Traumlogik folgend, dass sie nicht in Frage kam sie war einfach zu füllig, und ich wollte doch, dass mein Sohn vor Glück nur so strahlt und dafür müsste seine Zukünftige schlank wie eine Birke sein.

Anschließend versuchte ich mein Glück bei der Tochter meiner Freundin, aber sie war bereits vergeben. Die anderen Mitschülerinnen waren ohnehin wie Schatten, die auf den regennassen Straßen verschwanden.

Ratlos und ein wenig verloren ließ ich mich treiben. Mir blieb nichts anderes übrig, als meinen Sohn zu beobachten, herauszufinden, welche Frauen sein Herz berührten.

Mit einem durchsichtigen Vorwand erzählte ich meinem Sohn, ich wolle ihn mal bei der Arbeit sehen. Widerwillig, aber nachgiebig stimmte er zu. Den ganzen Tag verbrachte ich wie in Zeitlupe, beobachtete ihn zwischen Kopierern, Akten und Kantinentabletts, wie er mit Kolleginnen scherzte. Ich spähte nach der einen, die sein Blick länger als die anderen streifte. Meine Fragen an seine Kolleginnen brachten allerlei sonderbare, in den Traum gewobene Geheimnisse zutage.

Doch abends wusste ich: Hier war keine dabei. Der Heimweg war wie ein lang gezogener, grauer Bandwurm, bis mein Sohn vorschlug: “Komm, lass uns einen Tee im Café trinken.” Zunächst verneinte ich, spürte dann aber, dass die Lösung vielleicht dort auf mich wartete, im Zucken der Neonlichter und im Aroma von Kuchen.

Im Café dann dieses merkwürdige Zusammentreffen: Mein Sohn vertieft im Gespräch mit einer außergewöhnlich freundlichen, bescheidenen Bedienung. In diesem Moment wusste ich: Diese sollte es sein! Sie trug ein Lächeln, das den Winter vertrieb.

Ich redete mit ihr und offenbarte ihr die seltsame Wahrheit:
“Sind Sie verrückt?” fragte sie, Stirn runzelnd. “Das ist doch nicht normal, oder?”
“Sehen Sie, Sie wollen doch auch ein besseres Leben. Mein Sohn kann Ihnen das Tor dahin öffnen.”

Untermalt vom Dröhnen einer fernen Straßenbahn bot ich ihr eine große Summe Euro an, genug, um das Studium ihres Bruders zu bezahlen. Schwesterlicher Liebe, so urteilte mein Traum-Ich, war stärker als Prinzipien sie versprach mir, sich in meinen Sohn zu verlieben.

Wir blieben in Kontakt wie zwei Mitwisser eines kleinen, schimmernden Geheimnisses. Ich gab ihr Ratschläge, erzählte alles, was ihr half, sein Herz zu gewinnen.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb weniger Wochen war mein Sohn wie verzaubert, sein Herz schlug nur noch für sie. Stunde um Stunde schwärmte er mir von ihr vor wie schön Greta sei, wie wunderbar sie koche, welche Musik sie höre und welche Filme sie mag. Eines Tages bat ich ihn, sie mir endlich vorzustellen, der Traum schob uns nah zusammen.

Als Greta mich besuchte, führte ich ein ruhiges Gespräch mit ihr. Sie gestand, sich in meinen Sohn verliebt zu haben und wollte mir das Geld zurückgeben. Doch das entsprach nicht meinem Plan.

Wenn zwischen den Kindern echte Liebe gewachsen war, warum sollte ich dann das Geld zurücknehmen? Ich sagte Greta, sie solle das Geld behalten und sich langsam auf die Hochzeit vorbereiten.

Heute sind meine Kinder glücklich. Ich habe eine gehorsame Schwiegertochter, die meine beste Freundin geworden ist. Unser kleiner Traum-Deal bleibt auf ewig unser Geheimnis. Es freut mich, dass mein Plan meinen Sohn glücklich gemacht hat auch, wenn alles ist wie aus einem anderen, schimmernden Traum.

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