Vor fast sieben Jahren stand ich auf dem Abschlussball meines ältesten Sohns. Auch seine leibliche Mutter war an diesem Abend dort. Sie war so überheblich, als hätte sie ihren Sohn großgezogen und ihm geholfen, die Schule zu beenden.
Sechsundzwanzig Jahre lang lebte ich allein. Natürlich hatte ich in dieser Zeit einige Beziehungen, aber sie waren nie ernst und endeten recht schnell. Außerdem verbrachte ich sehr viel Zeit mit meiner Arbeit und hatte keinen Kopf für Beziehungen oder Liebe. Einmal brach sehr viel auf mich herein.
Zweimal im Jahr ließ ich mich von meiner Frauenärztin untersuchen. Bei meinem letzten Besuch überraschte sie mich mit einer schlechten Nachricht. Sie sagte mir, dass ich keine Kinder bekommen kann – ich bin unfruchtbar. Kaum war ich aus der Praxis, klingelte mein Handy. Ein unbekannter Anrufer teilte mir mit, dass meine Mutter im Krankenhaus ist. Ihr ging es plötzlich schlecht und sie wurde von einem Krankenwagen abgeholt.
Natürlich fuhr ich sofort zu ihr. Im Krankenhaus fragte ich den Arzt, was passiert war und ob es ernst sei. Aber der Arzt beruhigte mich und sagte, ich könnte meine Mutter in ein paar Tagen nach Hause holen. Später sollte sich herausstellen, dass dieser Arzt mein zukünftiger Ehemann war.
Zuerst sprachen wir nur wegen meiner Mutter, aber dann lud er mich auf ein Date ein. Wir verbrachten immer mehr Zeit zusammen, und nach einem halben Jahr heirateten wir. Alles ging so schnell, dass wir kaum realisierten, dass wir Mann und Frau geworden waren. Mein Mann hatte bereits zwei Kinder: einen älteren Sohn und eine jüngere Tochter. Die Kinder wollten nicht bei ihrer Mutter leben, also nahmen wir sie zu uns. Ich wusste, dass ich keine Kinder bekommen konnte, also dachte ich, ich würde für sie zur zweiten Mutter werden. Denn eine Mutter ist nicht diejenige, die gebiert, sondern diejenige, die aufzieht und den Weg weist.
Doch als wir die Kinder zu uns holten, ahnte ich nicht, dass ich bereits einen gemeinsamen Schatz unter meinem Herzen trug. Als ich erfuhr, dass ich bald Mutter von drei Kindern sein würde, war ich unglaublich glücklich.
Bald darauf brachte ich einen Sohn zur Welt und zog drei Wirbelwinde groß. Es war wirklich schwer, mit ihnen klarzukommen. Ich hatte keine freie Minuten für mich. Mein Leben bestand aus Putzen, Kochen, Hausaufgaben und der Betreuung des kleinsten Sohnes. Mein Mann arbeitete viel und das Geld war oft knapp, aber ich wusste, wie hart er für uns arbeitete.
Tief in meinem Herzen stellte ich mir vor, dass unsere Kinder eines Tages erwachsen sein würden und wir mehr Zeit für uns hätten. Ich hoffte, dass ich irgendwann Dankesworte von ihnen hören würde für die Zeit, die ich mit ihnen verbracht hatte, ihnen Halt gab und in schweren Zeiten bei ihnen war.
Fast sieben Jahre sind vergangen und ich stehe auf dem Abschlussball meines ältesten Sohnes. Seine leibliche Mutter ist ebenfalls gekommen. An diesem Abend war sie so hochmütig, als hätte sie ihren Sohn großgezogen und ihm durch die Schule geholfen. Ich war überrascht, dass sie sich an diesen Tag erinnerte, nachdem sie seinen Geburtstags vergessen hatte. Doch ich schenkte ihr keine Beachtung und konzentrierte mich ganz auf meinen Sohn und sein Fest.
Am Ende des Abends, als alle ihre Abschlusszeugnisse erhalten hatten, gab der Moderator jedem Absolventen einen Blumenstrauß und forderte sie auf, diese der Person zu schenken, der sie ihr gesamtes Leben lang dankbar sind und die sie am meisten schätzen. Mein Sohn kam von der Bühne zu mir, sagte: „Mama, danke für alles! Dieser Blumenstrauß ist für dich!“ In diesem Moment schlug mein Herz zehn Mal schneller und Tränen des Glücks liefen über mein Gesicht. Es waren Tränen des Glücks, dass mein Leben nicht umsonst gelebt wurde. Ich bin vielleicht nicht seine leibliche Mutter, aber dennoch die wichtigste Person in seinem Leben. Diese Worte und dieser Moment zeigten mir, dass ich alles richtig gemacht hatte.