Entdecke dein Schicksal. Eile nicht. Alles hat seine Zeit.

Hey, also ich muss dir unbedingt die Geschichte von Liselotte erzählen sie hat nämlich diese urkomische Neujahrstradition, die irgendwie schon ewig in ihrer Familie läuft. Jedes Jahr, kurz vor Silvester, geht sie zu einer Wahrsagerin. Und weil sie in einer Großstadt wohnt, ist das gar nicht schwer, die richtige Wahrsagerin zu finden.

Der Grund ist ganz simpel: Liselotte ist wirklich allein. Egal, wie sehr sie versucht, einen feinen jungen Herrn kennenzulernen, es klappt nie. Offenbar haben die edlen Junggesellen schon längst alle jemandem das Herz geschenkt

Dieses Jahr wirst du dein Schicksal treffen!, verkündete die geheimnisvolle Wahrsagerin mit funkelndem Kristall in der Hand.

Wo denn? Wo soll ich ihn treffen?, drängte Liselotte ungeduldig. Jedes Jahr hört man dasselbe. Die Jahre vergehen und mein Schicksal bleibt ein leeres Versprechen.

Ich habe gehört, du bist die beste Wahrsagerin der Stadt. Ich verlange, dass du mir den genauen Ort sagst! Sonst bekomme ich ganz schöne Gegenwerbung von mir, drohte Liselotte.

Die Wahrsagerin rollte die Augen und dachte: Hier habe ich es mit einer leicht verrückten Kundin zu tun, die nicht so leicht von der Leine lässt. Sie wusste, wenn sie jetzt nicht die Wahrheit sagte, würde Liselotte bis zum Abend im Wartezimmer festsitzen und die Schlange der Neugierigen blockieren.

Im Zug wirst du ihn treffen!, murmelte die Wahrsagerin, die Augen fest geschlossen. Ich sehe gerade einen großen, blondinen Prinzen ein echter Märchenprinz

Liselotte sprang auf: Wirklich? Und in welchem Zug, wann genau?

Kurz vor Neujahr, lachte die Wahrsagerin. Geh zum Bahnhof. Dein Herz wird dir zeigen, welchen Zug du nehmen sollst.

Danke!, strahlte Liselotte.

Sie verließ das bescheidene Büro der Wahrsagerin, rief ein Taxi und fuhr zum Hauptbahnhof Berlin. Vor dem Schalter war sie plötzlich ein bisschen nervös, weil sie den Fahrplan nicht wirklich verstand.

Entschuldigung!, rief die Kassiererin genervt, als Liselotte wie erstarrt dastand.

Zum HamburgExpress, am 30. Dezember, bitte ein Abteilplatz, stammelte Liselotte.

Sie stellte sich schon vor, wie sie gemütlich in einem Abteil sitzt, Tee trinkt und plötzlich die Zugtür öffnet sich, ein blonder Prinz tritt ein ihr Verlobter.

Zuhause packte sie hastig das Nötigste, denn ihr Zug fuhr spät am Abend. Sie dachte nicht weiter darüber nach, was sie in dieser fremden Stadt an Silvester machen würde; ihr einziges Ziel war, dass die Vorhersage der Wahrsagerin so schnell wie möglich Wirklichkeit wird. Denn sich nutzlos zu fühlen, war gerade an Feiertagen das Schlimmste während alle Familien um den Weihnachtsbaum saßen und Geschenke austauschten, war sie allein.

Einige Stunden später saß Liselotte im Abteil, eine Tasse Tee in der Hand, und wartete darauf, dass ihr Prinz hereinkommt.

Plötzlich kam eine ältere Dame mit einem riesigen Koffer herein und fragte: Entschuldigung, wo ist der zweite Platz?

Ähm, flüsterte Liselotte, zeigte auf das leere Podest gegenüber. Sind Sie sicher, dass Sie im richtigen Wagen sind?

Natürlich, meine Liebe, lächelte die Dame und ließ sich auf das freie Podest fallen.

Liselotte stotterte: Entschuldigen Sie, ich muss wirklich aussteigen. Ich habe meine Pläne geändert. Sie wollte gerade aufspringen, als die alte Frau etwas verwirrt meinte: Warte kurz, ich verstaue meine Tasche. Der Zug fuhr dann los, und Liselotte stand ratlos am Fenster.

Die alte Dame zog plötzlich eine Tüte warmgebackener Hefeknödel aus ihrer Tasche und bot sie Liselotte an. Ich besuche meine Tochter, muss jetzt schnell nach Hause, mein Sohn und seine Verlobte kommen später vorbei. Wir feiern zusammen Silvester.

Liselotte seufzte: Vielleicht muss ich das neue Jahr ja wirklich am Bahnhof verbringen. Und dann erzählte sie der Dame die ganze Geschichte ihrer missglückten Verabredungen.

Du bist etwas naiv!, schimpfte die alte Frau. Du musst nicht immer den Schnellsten wählen. Alles hat seine Zeit.

Am nächsten Tag stand Liselotte auf einem fremden Bahnsteig in München, sah das erste Mal die Stadt und half einer Mitreisenden aus dem Wagen. Die alte Frau drehte sich zu ihr um und sagte: Frohes neues Jahr, Liselotte!

Und Ihnen auch!, antwortete Liselotte ein wenig traurig.

Die Dame überlegte kurz, wie sie die verzweifelte junge Frau trösten könnte. Komm doch zu mir! Wir schmücken den Weihnachtsbaum, decken den Tisch

Liselotte zögerte: Das ist irgendwie peinlich.

Und am Bahnhof sitzen ist doch nicht viel gemütlicher, oder?, grinste die alte Dame. Komm, das ist entschieden!

Also nahm Liselotte das Angebot an. Draußen tobte ein Schneesturm, und ein Spaziergang zum Bahnhof wäre sinnlos gewesen.

Felix und Mia sind schon zu Hause, meinte die Dame lächelnd.

Felix sah aus dem Fenster, wie seine Mutter mit dem Taxi ankam. Er stand schon am Aufzug und half ihr, das schwere Gepäck zu tragen.

Felix, hallo, mein Lieber. Und das ist meine Begleitung, Liselotte, die Tochter einer alten Freundin, flüsterte die Dame verschwörerisch.

Super!, rief Felix. Bitte, setz dich, Liselotte.

Liselotte blickte auf den großen, blonden Felix und wurde rot genau das Bild, das sie im Zug im Kopf hatte. Vielleicht hatte das Schicksal doch einen eigenen Sinn für Humor

Wo ist Mia?, fragte die Mutter.

Mia ist nicht mehr da, das wird sich nie ändern, verknirschte Felix. Lass uns das Thema beenden, ja?

Okay, murmelte die Mutter.

Am Abend saßen alle zusammen, verabschiedeten das alte Jahr.

Liselotte, bleibst du noch lange?, fragte Felix, während er ihr einen Salat auf den Teller legte.

Nein, morgen früh muss ich los, sagte Liselotte ein wenig wehmütig.

Sie wollte gar nicht so schnell das gemütliche Haus verlassen es fühlte sich an, als kenne sie Felix und die nette Frau schon ihr ganzes Leben.

Warum haste du denn so Eile?, protestierte die alte Dame. Bleib noch ein bisschen.

Wirklich, bleib doch, wir haben eine tolle Eisbahn, und wir könnten morgen Abend zusammen hingehen. Fahr nicht gleich weg, bat Felix.

Überzeugt, lächelte Liselotte. Ich bleibe gern.

So feierten sie das neue Jahr zu viert: Klara Friedrich, Felix, Liselotte und der kleine Jonas.

Glaubst du eigentlich noch an Neujahrswunder?

Wenn dir die Geschichte gefallen hat, schreib gern einen Kommentar, hinterlass ein Like und sag Bescheid, ob du mehr von solchen Erzählungen hören willst!

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