Vor ein paar Jahren hat meine Klassenkameradin Anna einen Ausländer geheiratet. Wir haben ihr alle das Leben schwer gemacht.
Anna lernte Roberto an der Universität kennen. Meine Freundin Anna konnte schon in der Schule gut Englisch, und wie ihr wisst, ist Englisch eine internationale Sprache, sodass es für sie nicht schwer war, sich mit diesem Mann zu verständigen.
Sie gingen lange Zeit miteinander aus, und dann wurde Anna schwanger. Der Freund stammte aus einer anständigen Familie und bat Anna, ihn zu heiraten und mit ihm nach Hause zu gehen.
Die Eltern meiner Freundin lehnten diese Heirat auf jede erdenkliche Weise ab und taten alles, um sie zu verhindern, aber schließlich zog Anna nach Italien. Wir kommunizierten weiterhin mit ihr über das Internet.
Anna schrieb, dass Robertos Familie sie kühl begrüßte, obwohl der Mann meiner Freundin versicherte, dass alles gut werden würde. Zunächst wohnten sie bei Robertos Familie, dann mieteten sie eine Wohnung.
Annas Begeisterung kannte keine Grenzen, sie schrieb mir lange Nachrichten über das Land, in dem sie zu leben begann. Ich habe viel von Anna gelernt. Es schien, als ob sie nicht in ein anderes Land, sondern auf einen anderen Planeten gezogen war. Dieses Land war ganz anders als die Ukraine.
Später bekamen sie ein kleines Mädchen, Anna brachte ihre Tochter zur Welt und erlaubte ihrem Mann, den Namen für sie auszusuchen. Roberto war überglücklich, Vater zu werden.
Anna blieb mit dem Baby zu Hause, während Roberto zur Arbeit ging. Der Sozialdienst in Italien arbeitet recht gut, sodass sie gutes Geld für das Kind bezahlten. Robertos Eltern unterstützten die junge Familie.
So vergingen fünf Jahre, die Tochter ging in den Kindergarten, und Anna lernte in dieser Zeit die Sprache. Es war gut, dass ihre Freundin über gute Sprachkenntnisse verfügte. Dank dieser Kenntnisse konnte Anna arbeiten.
Dann nahmen sie einen Kredit auf, um eine Wohnung zu kaufen.
In der Zeit, in der Anna im Ausland war, verloren ihre Verwandten das Interesse an ihr. Plötzlich rief Annas Schwester sie an und fragte nach ihrem Leben. Ihre Freundin fand das verdächtig und erkannte, dass ihre Schwester etwas von ihr wollte. Und so war es auch. Die Schwester wollte auch nach Italien ziehen. Außerdem wollte sie zum ersten Mal in Annas Wohnung wohnen. Die Freundin lehnte ab, und die Schwester legte abrupt auf.
Wo sollte Anna sie denn unterbringen? Sie haben eine Zweizimmerwohnung: In einem Zimmer schläft ihre Tochter, im anderen Zimmer wohnen sie und ihr Mann. Da war kein Platz für ihre Schwester.
Doch damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Wenige Minuten später erhielt Anna einen Anruf von ihrer Mutter. In diesem Moment war ihre Schwester bei ihrer Mutter, und die beiden fingen an, Anna wegen ihrer Lage zu beschimpfen. Ihre Freundin musste sich eine Menge Schimpfwörter über sich anhören. Am Ende sagten sie, Anna solle gar nicht erst daran denken, nach Hause zu kommen, weil niemand auf sie warte.
Sie sprachen nicht mehr miteinander. Anna hatte nicht die Absicht, zurückzukehren, und jetzt erst recht nicht.