Eines Tages kam mein Mann von seiner Mutter zurück, seufzte tief und schlug vor, einen Vaterschaftstest für unsere zweijährige Tochter zu machen: »Nicht für mich, für meine Mutter.«
Vor einem halben Jahr, noch vor unserer Hochzeit, sagte sie ständig zu ihm: »Heirate sie nicht, sie ist es nicht wert!«, erzählt die dreißigjährige Sabine mit zitternder Stimme. »Sie ist zu hübsch, die läuft dir noch davon!« Damals lachten wir noch und scherzten, dass Markus sich besser eine »Nixe« hätte aussuchen sollen dann gäbe es keine Zweifel. Heute ist uns nicht mehr nach Lachen zumute. Ganz und gar nicht!
Sabine hält sich nicht für eine atemberaubende Schönheit. Ein ganz normales Mädchen aus dem Rheinland, das auf sich achtet, wie so viele andere. Schlank, gepflegt, bescheiden gekleidet, war sie immer wählerisch in Beziehungen und setzte Grenzen. Warum ihre Schwiegermutter, Frau Helga, Sabine für leichtfertig und untreu hält, bleibt ein Rätsel. Doch diese Frau hat das Leben ihrer Schwiegertochter zur Hölle gemacht.
Seit vier Jahren verheiratet, haben sie eine Tochter. Sabine ist in Elternzeit, ihre Tage bestehen aus Kochen, Putzen und Windeln wechseln. Die einzigen Gesprächspartner sind andere Mütter auf dem Spielplatz. Doch die Schwiegermutter gibt keine Ruhe. Sie verdächtigt Sabine des Fremdgehens, beobachtet sie wie ein billiger Fernsehkrimi-Detektiv.
»Sie hat mich immer ausspioniert!«, seufzt Sabine, ihre Augen füllen sich mit Tränen. »Sie rief an, überprüfte, tauchte unangekündigt auf, versuchte jeden Schritt zu kontrollieren. Anfangs nahm ich es noch mit Humor, erzählte Markus davon, und wir lachten. Aber das ist erschöpfend! Mehrmals habe ich die Geduld verloren, wir haben uns heftig gestritten. Sie wurde kurz ruhiger, doch dann fing sie mit neuer Kraft an.«
Der erste Skandal passierte Monate nach der Hochzeit. Frau Helga erschien plötzlich in Sabines Büro. Unangemeldet, ohne Grund. Sie wollte sichergehen: wäre die Schwiegertochter wirklich dort? Oder log sie ihren Mann an, behauptete, sie sei im Büro, während sie in Wahrheit mit Liebhabern unterwegs war?
»Ich weiß bis heute nicht, wie sie reinkam!«, erinnert sich Sabine, ihre Stimme zittert vor Empörung. »Das Gebäude hat Security, Besucher müssen sich anmelden. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, als die Kollegin sie zu mir brachte: Sie haben Besuch. Ich fragte: Frau Helga, was machen Sie hier? Und sie antwortete: Ich wollte sehen, wo du arbeitest. Dann schaute sie sich im Großraumbüro um, als würde sie Beweise suchen! Zum Glück habe ich kein eigenes Büro wer weiß, was sie da getan hätte.«
Später gestand die Kollegin, dass die ältere Dame ihr unzählige Fragen gestellt hatte. Wie lange Sabine schon dort arbeite. Ob sie oft zu spät komme. Mit wem sie rede. Ob es jemand Besonderes im Büro gebe. »Ich sagte ihr, dass sie verheiratet ist, dass sie einen Mann hat!«, fügte die Kollegin verwundert hinzu. Sabine war außer sich. Zu Hause konfrontierte sie Markus: »Deine Mutter hat alle Grenzen überschritten! Sprich mit ihr, das ist nicht normal! Sie hat nur nicht unter meinem Schreibtisch nach Liebhabern gesucht aber wer weiß, vielleicht hat sie es heimlich getan!«
Markus schien das Gespräch mit seiner Mutter ernst zu nehmen. Eine kurze Pause folgte. Frau Helga rief nur noch abends an, erkundigte sich höflich, schickte selbstgebackene Kuchen. Sabine hoffte, der Sturm sei vorbei. Doch sie täuschte sich.
Der nächste Vorfall passierte während Sabines Schwangerschaft. Mit einer Erkältung lag sie zu Hause, das Handy ausgeschaltet, als plötzlich wütendes Klopfen an der Tür ertönte und die Klingel minutenlang dröhnte. »Ich dachte, es brennt oder es ist ein Notfall!«, erinnert sie sich. »Durch den Türspion sah ich meine Schwiegermutter! Mit finsterer Miene, trat sie gegen die Tür und hämmerte auf die Klingel. Ich hatte Angst, aufzumachen. Ich rief Markus an: Komm sofort, ich weiß nicht, was los ist! Er brauchte zwanzig Minuten. Die ganze Zeit stand sie vor der Tür!«
Beide stellten Frau Helga zur Rede. Sabine drohte mit Polizei und Psychiater, sollte so etwas noch einmal passieren. »Halt sie von mir fern!«, verlangte sie von Markus. Wieder folgte eine kurze Ruhephase.
Sabine gebar ein Mädchen doch die Schwiegermutter sah ihre Enkelin nicht einmal an. Später wurde der Grund klar: Sie glaubte nicht, dass das Kind von Markus war. »Natürlich, ich bin ja ständig fremdgegangen, wie könnte es seine Tochter sein?«, sagt Sabine bitter. Der Grund? In Markus’ Familie gab es seit Generationen nur Söhne. Ein Mädchen war für Frau Helga der ultimative Beweis für Untreue. »Ich ignorierte den Wahnsinn«, sagt Sabine. »Ich spreche nicht mit ihr. Markus besucht sie einmal im Monat ohne uns. Vielleicht ist das besser so. Meiner Tochter würde ich sie nie anvertrauen.«
Doch das Schlimmste kam noch. Eines Nachmittags kehrte Markus von seiner Mutter zurück, holte tief Luft, zögerte und schlug vor, einen Vaterschaftstest zu machen. »Nicht für mich, Sabine, wirklich nicht!«, verteidigte er sich mit fuchtelnden Händen. »Ich habe keine Zweifel. Aber für meine Mutter! Damit sie endlich Ruhe gibt. Sie spinnt, und ich muss mir das anhören!«
Sabine lachte, ein kaltes, bitteres Lachen. »Für deine Mutter?«, wiederholte sie, die Stimme vor Wut bebend. »Warum gibst du nicht einfach zu, dass du ihr glaubst? Sie wird niemals aufhören! Wir machen drei Tests in verschiedenen Kliniken, und sie wird behaupten, die Ärzte seien bestochen und die Ergebnisse gefälscht! Ich tanze nicht nach ihrer Pfeife, Schluss jetzt!«
»Es kostet doch nichts, den Test zu machen«, beharrte Markus.
»Wozu?« Sabine fixierte ihn, Tränen in den Augen. »Ich weiß, wer der Vater ist. Und du? Wenn du den Test brauchst, dann machen wir ihn. Aber zuerst reichen wir die Scheidung ein. Ich lebe nicht mit einem Mann, der mir nicht vertraut!«
Ihre Worte hingen schwer in der Luft. Das Vertrauen in der Familie war zerstört alles wegen einer Schwiegermutter, deren Misstrauen alles vergiftete. Sabine steht am Abgrund und weiß nicht, wie sie ihre Familie vor diesem Wahnsinn retten soll.