Eine Frau hat ihr Kind im Zug vergessen

Nach dem Urlaub musste ich wieder nach Hause zurück eine typisch deutsche Zugfahrt lag vor mir, natürlich lang und kurvenreich. Also sicherte ich mir einen Platz im Abteil.

Mein Ticket wies mir das obere Bett zu, aber das war eigentlich egal, ich hatte sowieso vor, den größten Teil der Strecke zu verschlafen. Meine Mitreisenden: eine Mutter und ihr vierjähriger Sohn, also dachte ich schon: So, das kann ja heiter werden! Doch wider Erwarten war Max, der Junge, friedlich wie ein bayerischer See am frühen Morgen. Nachdem Max eingeschlafen war, habe ich mit der Mutter die übrigens Annemarie hieß ein wenig gequatscht, gemeinsam Tee getrunken (klassisch, im Zug schmeckt der immer nach Metall), und dann war Schlafenszeit angesagt.

Am nächsten Morgen wurde ich von energischem Klopfen an der Tür geweckt. Zwei Polizisten traten ins Abteil der Krimi beginnt! Haben Sie das Kind gesehen? fragte einer. Na klar, sagte ich, da liegt er auf der oberen Liege, ordentlich eingerollt, sieht aus wie aus einem Kinderbuch, wahrscheinlich leicht durchgefroren. Wir müssen Ihnen ein paar Fragen stellen.

Offenbar hatte Annemarie, meine Reisebegleiterin, gestern Abend nicht nur Tee getrunken, sondern gleich mehrere Weißbiere hinterhergeschoben. Dann stieg sie auch noch an der falschen Station aus total verpeilt. Am Morgen, als sie wieder klar wurde, dachte sie, ihr Sohn sei entführt worden. Also wurde der Zug direkt von der Polizei durchkämmt. Letztlich war die Mutter einfach betrunken und hatte vergessen, dass sie Max selig schlafend im Abteil ließ.

Es ist schon gruslig, sich vorzustellen, was in den Köpfen solcher Eltern vorgeht, die völlig die Kontrolle verlieren. Zum Glück hat Annemarie ihr Kind einfach vergessen, und Max konnte friedlich, vermutlich bei frostigen Temperaturen, durchschlafen. Sonst wäre sie vielleicht mit ihm in irgendeinem winzigen Dorf gelandet, wäre auf der Strecke eingenickt, und der arme Junge hätte sich womöglich im Wald verirrt.

Wie es mit Max weiterging, weiß ich nicht, aber ich hoffe inständig, dass Annemarie nicht ganz ungeschoren davonkam. Wobei, die 300 Euro Strafe bringen wahrscheinlich keinen übermäßig verwöhnten vierjährigen Max zur Vernunft…

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