Die Frau, die die Geschichte von Ellas Großmutter gehört hatte, bezahlte die Einkäufe für die arme alte Dame. Ellas Großmutter war ihrer Freundin von ganzem Herzen dankbar und sagte ihr, dass sie die einzige Person sei, auf die sie sich verlassen könne, um Hilfe zu bekommen.

Die Frau erklärte der anderen mit Mitgefühl, dass sie allein sei und niemanden hätte, der ihr helfen könne. Sie erzählte, dass ihre kleine Rente zum größten Teil für die Miete und für Medikamente draufgehe, so dass für Essen kaum noch etwas übrig bleibe. Zum Glück bezahlte eine Freundin die Lebensmittel für die alte Dame.

Eines Tages rief mich meine Jugendfreundin an und fragte, ob bei unserer Familie alles in Ordnung sei. Es stellte sich heraus, dass mein Freund zufällig meine Großmutter im Supermarkt gesehen hatte, obwohl sie normalerweise in einer ganz anderen Gegend wohnt.

Meine Großmutter, Hildegard, ist für ihr Alter recht rüstig. Früher arbeitete sie als Mathematiklehrerin. Nun ist sie zwar schon in Rente, aber ihre ehemaligen Schüler denken noch oft an sie und schätzen sie sehr. Doch in jenem Laden begegnete mein Freund nicht der temperamentvollen Lehrerin Hildegard, sondern einer traurigen, alten Frau.

Großmutter Hildegard erzählte einer mitfühlenden Frau mit leiser Stimme, dass sie ganz allein sei und Unterstützung brauche. Sie sagte, ihre geringe Rente reiche nur für die Miete und Medikamente, fürs Essen bleibe kaum etwas übrig. Die hilfsbereite Bekannte schenkte der armen Großmutter Lebensmittel.

Meine Freundin verließ gerade einen Laden zusammen mit einer älteren Dame und sprach sie an. Doch die Alte bat sie schnell, geh lieber wieder und verschwand. Ich nahm an, es habe sich wohl um ein Missverständnis gehandelt. Die Großmutter meiner Freundin ist nämlich ziemlich wohlhabend und wir helfen ihr regelmäßig. Doch es stellte sich heraus, dass die Frau wirklich nur ein paar Lebensmittel kaufen wollte.

Am selben Abend besuchte ich meine Großmutter. Ich wollte nicht um den heißen Brei reden und fragte sie offen. Nachdem sie mir geantwortet hatte, wusste ich ehrlich gesagt nicht, wie ich mich ihr gegenüber noch verhalten sollte.

Tatsächlich probierte sie eine neue Strategie aus, die sie irgendwo entdeckt hatte: Sie ging weit von zu Hause weg, möglichst in Gegenden, wo sie niemand kennt, um niemandem aus dem Freundeskreis über den Weg zu laufen. Doch was passiert? Dort trifft sie ausgerechnet meine beste Freundin! So wurde mein Sozialexperiment ungewollt aufgedeckt. Statistisch klappt das Experiment etwa sechsmal von zehn. Die Waren, die sie unterwegs von Fremden geschenkt bekommt, nimmt sie aber nicht für sich: Auf dem Heimweg spendet sie alles der Kirche im Grunde helfen die großzügigen Menschen dadurch gleich mehreren Bedürftigen!

Ich kann diese seltsame Leidenschaft im Alter einfach nicht nachvollziehen. Wenn man sich langweilt, kann man sich doch einen Hund oder ein Meerschweinchen anschaffen. Was für ein Jammer! Meine Freundin hat mir versprochen, darüber mit niemandem zu sprechen.

Am Ende habe ich begriffen: Manchmal wählen Menschen unerwartete Wege, um anderen zu helfen und Sinn zu finden. Es ist wichtiger, das Herz hinter den Handlungen zu sehen, als sie vorschnell zu beurteilen.

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