Unser neuer 53-jähriger Nachbar erzählte, dass er keine Frau finden kann, es sind nur ältere Damen ab 40, die Interesse an ihm zeigen…
Vor etwa einem Jahr lernte ich unseren neuen Nachbarn kennen. Zunächst grüßten wir uns nur im Aufzug, später habe ich ihm die Haustür aufgehalten, als er seine Küche in Teilen aus dem Auto ins Haus trug. Die Küche wirkte ziemlich abgenutzt und aus zweiter Hand, es rieselte sogar Sägemehl heraus, aber ich dachte mir nichts dabei. Jeder hat eben einen unterschiedlichen finanziellen Background. Der Nachbar meinte, ein Freund hätte ihm die Küche überlassen, sie stand in dessen Garage, und morgen würde er noch ein Sofa dorthin transportieren, dafür bräuchte er aber einen kleinen Transporter.
Später lud er mich zum Tee ein, um sich für meine Hilfe zu bedanken, aber ich sagte ihm, dass meinem Mann das nicht gefallen würde. Fortan hörte ich keine Einladungen mehr von ihm. Wir trafen uns öfter im Aufzug, er war stets freundlich und bot mir mal ein Eis, mal einen Apfel an, die ich dankend ablehnte. Ein ruhiger und höflicher Mann, äußerlich ganz normal und unauffällig.
Durch das Fenster sah ich ihn oft in seinem älteren Auto ankommen und wieder abfahren, manchmal verschwand er eine Woche oder länger. Ich dachte, er hat wahrscheinlich einen speziellen Arbeitsrhythmus.
Eines Tages unterhielten wir uns auf der Bank vor dem Haus. Er war herausgekommen, um zu rauchen, während ich auf eine Lieferung wartete. So kamen wir ins Gespräch. Er erzählte, dass er sich eine Zwei-Zimmer-Wohnung in unserer Nachbarschaft auf Kredit für 2,6 Millionen Euro gekauft habe. Er lebt alleine, hat seine letzte Anstellung selbst gekündigt und verdient nun sein Geld mit der Renovierung von Wohnungen, Geschäften und Büros. Er arbeitet alleine.
Er ist geschieden und beklagte sich über seine Ex-Frau und ihre zwei Kinder, die er großgezogen, ausgebildet und unterstützt hatte, die ihn schließlich aber aus dem Haus geworfen haben. Eigene Kinder hat er nicht. Beim Wohnungskauf hat ihm seine Schwester, die in Berlin lebt, geholfen, indem sie ihm das Geld für die Anzahlung geliehen hat.
Doch aufgrund der bekannten Einschränkungen sind seine Einnahmen unregelmäßig und seine Kunden zahlen nur ungern. Nach der Fertigstellung eines Auftrags muss er oft wochenlang seinem Geld hinterherlaufen. Aber die Kreditraten müssen rechtzeitig bezahlt werden, und er muss ja auch von etwas leben. Gerade sei sein Kühlschrank sogar abgeschaltet.
Ich bemerkte, dass unser Nachbar seit unserem letzten Gespräch ziemlich abgemagert war. In diesem Moment kam meine Lieferung an und ich ging kurz hinein, um dem Mann zu sagen, dass er auf mich warten solle. Zuhause packte ich eine Tüte mit Lebensmitteln: ein halbes Hähnchen, Nudeln, Buchweizen, Tee, Tomaten, eine Flasche Pflanzenöl und ein paar andere Sachen. Diese brachte ich ihm dann. Man konnte sehen, dass er sich freute. Über diese Freude hinaus wurde er gesprächig und ich konnte einige Fragen stellen.
„Wie schaffst du es mit so unregelmäßigen Einkünften deinen Kredit abzuzahlen?“, fragte ich neugierig.
„Wenn die Zahlung fällig ist und ich kein Geld habe, rufe ich meine Schwester an und sie überweist es. Das war schließlich ihre Idee mit dem Kredit, da soll sie auch helfen.“
„Und die Nebenkosten? Zahlt die auch deine Schwester?“
„Nein, die Nebenkosten häufen sich an.“
„Warum hast du nicht eine günstigere Wohnung gewählt? Eine Ein-Zimmer-Wohnung für 1,7 Millionen am Stadtrand, das wäre doch machbar gewesen, und die monatlichen Kosten wären geringer?“
„Ich möchte heiraten und Kinder haben, da braucht man mehr Platz. Ich habe die Wohnung in der Nähe von Kindergärten und Schulen gekauft.“
„Ich suche eine fleißige Hausfrau, aber bisher habe ich kein Glück. Es sind nur Damen ab 40, die Interesse zeigen…“
„Damen ab 40?“, fragte ich verwundert und schaute auf seine bereits ergrauten Haare.
„Ja, die sind schon älter und können keine Kinder mehr bekommen.“
„Aber du bist doch 53. Eine Frau mit 40 wäre doch ideal, nur 13 Jahre jünger als du?“
„Ich will eine Frau unter 30, die gesund ist, Kinder gebären kann und in mehreren Jobs arbeiten kann, während sie noch jung ist. Ich muss bald das Auto wechseln, es ist abgenutzt, und damit möchte ich dann die zukünftigen Kinder herumfahren.“
Ich war zunächst sprachlos, fragte ihn dann aber, warum eine 30-Jährige an ihm interessiert sein sollte, wenn sie doch einen gleichaltrigen Partner finden könnte.
„Sie weiß noch nichts vom Leben, ist jung, und ich könnte sie erziehen und lehren, wie man lebt, damit es gut läuft.“
Bei seinen Worten musste ich lachen und meinte, er solle vielleicht zuerst sein eigenes Leben in den Griff bekommen, schließlich schickt ihm seine Schwester das Geld. Und in Gedanken fügte ich hinzu, dass auch die Nachbarin (ich) ihm Essen bringt.
Er sagte, es sei nichts Lustiges daran, stand auf und ging stolz weg, vergaß aber nicht, die Tüte mit den Lebensmitteln mitzunehmen. Bei unseren nächsten Begegnungen grüßt er nun nur noch kurz und bleibt während der Fahrstuhlbesichtigung still. Offensichtlich ist er beleidigt.
Ich weiß, dass er immer noch alleine lebt und sehe, dass einige alleinstehende Frauen aus unserer Nachbarschaft Interesse an ihm zeigen. Die Armen, sie wissen nicht, dass sie keine Chancen haben, da sie alle um die 40 oder älter sind. Frauen. Vielleicht ist es auch besser so, dass er sie nicht auswählt. Vielleicht findet er doch noch seine unter 30-Jährige. Träume werden wahr…